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Barmstedt : Gänse am Rantzauer See: Ab heute wird geschossen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Ernst-Reimer Saß will die Vögel mit Schreckschüssen vom See vertreiben. Großes Problem: Fütterungen durch Spaziergänger.

Barmstedt | Kanadagänse sind schlau, sagt Barmstedts Erster Stadtrat Ernst-Reimer Saß (CDU). „Wenn ich drei Tage hintereinander meine schwarze Jacke anziehe, erkennen sie mich beim dritten Mal.“ Und auch etwas anderes hätten die Vögel, die den Rantzauer See lieben, drauf: „Sie wissen genau, wann sie von Spaziergängern gefüttert werden: bei gutem Wetter und am Wochenende.“ Ihre Intelligenz mache es schwer, die Gänse zu vertreiben, sagt Saß, der sich den Kampf gegen die Wasservögel auf die Fahnen geschrieben hat, um den Bürgern eine ungetrübte Freibad-Saison zu ermöglichen.

Vor eineinhalb Wochen düste er erstmals mit einem Motorboot über den See, um die Gänse aufzuscheuchen. Die Aktion, die er in den Folgetagen mehrmals wiederholte, habe teilweise Erfolg gezeigt – teilweise aber auch nicht. „Manchmal haben sie mit mir Katz’ und Maus gespielt“, berichtete Saß gestern. „Immer, wenn ich sie vom See auf die Lübbingschen Wiesen vertrieben hatte und dann weg war, kamen sie zurück.“ Zudem habe er einigen Passanten erklären müssen, warum er mit dem Motorboot über den See fahre. „Manche haben sich erst ziemlich aufgeregt. Aber wenn sie erfahren, warum ich das mache, verstehen sie es.“

Zweimal hatte Saß einen Falkner dabei, dessen Falke die Gänse verjagen sollte. „Einmal hat das auch gut geklappt, da ist er sie angegangen“, berichtet Saß. Beim zweiten Mal sei der Erfolg ausgeblieben: Da hatte es der Greifvogel eher auf Krähen abgesehen.

Heute morgen will Saß zu einem im wahrsten Sinne des Wortes explosiven Mittel greifen: Er will die Vögel mit Schreckschüssen vertreiben. „Sie sollen in Panik geraten und den See in so schlechter Erinnerung behalten, dass sie nie mehr wiederkommen.“ Sollte das doch passieren, werde er die Aktion wiederholen. Das Ganze sei mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt, betonte Saß. Eine offizielle Genehmigung sei aber erst ab Beginn der Brutzeit nötig.

Unter dem Strich zieht Saß bisher eine positive Bilanz der Vergrämungs-Aktionen: Von den etwa 190 Gänsen, die vor zwei Wochen am See gezählt wurden, seien noch 25 übrig. Vier Paare seien allerdings „sehr hartnäckig. Sie sind sehr ortstreu und locken durch ihre Rufe auch Artgenossen an, die über den See fliegen.“ Ein großes Problem bei der Vertreibung sei nach wie vor, dass Spaziergänger die Vögel fütterten, so Saß. „Es kommen dann auch andere von weiter her und lassen sich nicht vertreiben.“ Zusammen mit dem Bauhof fertige er daher zurzeit Hinweisschilder an, die demnächst am See aufgestellt werden sollen.

Sollte es ihm gelingen, den See „gänsefrei“ zu bekommen, will Saß dort ein Hökkerschwanen-Paar ansiedeln. „Dafür muss man allerdings den richtigen Moment abpassen.“ Höckerschwäne würden den See als ihr Revier betrachten und ihn vehement gegen „Eindringlinge“ wie Gänse verteidigen.

Bei seinen Aktionen gehe es ihm nicht darum, den Gänsen zu schaden, betont Saß, der auch im Nabu aktiv ist. „Wir wollen ihnen nichts tun. Sie sollen sich nur einen anderen Ort suchen.“ Andere auf dem See lebende Vögel wie Hauben- und Eistaucher hätten nichts zu befürchten: „Da bin ich ganz vorsichtig. Und das wissen die auch.“

Laut einem Gutachten sind die Hinterlassenschaften der Kanadagänse die Hauptursache für die Blaualgenvermehrung, die Jahr für Jahr dazu führt, dass das Strandbad am Rantzauer See schließen muss.
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erstellt am 26.Feb.2015 | 14:00 Uhr

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