Fracking: Wie groß ist die Gefahr?

Der  Geologe Dr. Dietmar Goetz ist Mitstreiter der Bürgerinitiative „Frackingfreies Hamburg“.
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Der Geologe Dr. Dietmar Goetz ist Mitstreiter der Bürgerinitiative „Frackingfreies Hamburg“.

200 Besucher bei Informationsveranstaltung in Westerhorn / Geologe warnt vor Folgen / Region Barmstedt liegt in möglichem Bohrgebiet

shz.de von
13. Juni 2014, 17:37 Uhr

Wie gefährlich ist Fracking? Was bedeutet der Begriff eigentlich genau? Und betrifft das Thema überhaupt den Amtsbereich Hörnerkirchen und die Region Barmstedt? Um diese Fragen ging es am Donnerstagabend während einer Info-Veranstaltung in Westerhorn. Mehr als 200 interessierte Bürger waren der Einladung in den Lindenhof gefolgt. Rede und Antwort standen Dr. Andreas Wasielewski vom Umweltministerium Schleswig-Holstein und der Hamburger Geologe Dr. Dietmar Goetz. Zur Einstimmung auf das Thema hatte Bokels Bürgermeister Wolfgang Münster zwei Fernsehbeiträge organisiert, die über das Fracking aufklärten.

Fracking ist eine neu entwickelte Methode der Erdöl- und Erdgasförderung, mit der Vorkommen erschlossen werden können, die mit herkömmlichen Methoden bislang nicht zugänglich waren. Vereinfacht ausgedrückt, werden dabei Gas und Öl aus Gesteinsschichten „herausgequetscht“, indem durch die Gesteinsformationen lange waagerechte Bohrungen getrieben werden. Dann wird in diese Bohrungen mit extrem hohen Druck eine Mischung aus Wasser, Quarzsand und unzähligen verschiedenen Chemikalien – das sogenannte „Frackfluid“ – gepumpt, wodurch das Gestein regelrecht aufgesprengt (gefrackt) wird. Angeblich ist auf diese Weise ausreichend Energie zu gewinnen, um Deutschland damit zehn Jahre lang versorgen zu können.

Die Fracking-Gegner befürchten durch den Chemie-Einsatz unter anderem eine Vergiftung des Grundwassers. Generell seien die Auswirkungen der Fördermethode längst nicht umfassend bekannt, so Dr. Goetz, Mitstreiter der Bürgerinitiative „Frackingfreies Hamburg“. „Was wird beispielsweise aus dem Lagerstättenwasser, das an die Oberfläche kommt?“, fragte der Geologe. Dieses könne Quecksilber enthalten und radioaktiv belastet sein. „Man muss doch wissen, was man mit dem Abfall machen soll“, so Goetz, der fürchtet, dass sich durch Fracking „ganze Landschaften in Industriewüsten verwandeln“ könnten. Aus seiner Sicht sei Flächenfracking nur durch eine Änderung des Bergrechts zu verhindern.

Genau für diese Änderung will sich die Kieler Landesregierung einsetzen, versprach Dr. Wasielewski vom Umweltministerium. „Die Landesregierung lehnt Fracking ab.“ Bislang hätten in Schleswig-Holstein einige Unternehmen lediglich Bewilligungserlaubnisse zur Aufsuchung von Erdgas und Erdöl gestellt. Diese berechtigten aber nicht zu Eingriffen in den Boden. „Diese Konzessionen haben auch keinerlei präjudizierende Wirkungen für spätere konkrete bergrechtliche Zulassungsverfahren“, sagte er. Letztlich hänge es aber an der Bundesregierung, eine Änderung des Bergrechts in Angriff zu nehmen.

Wie konkret das Thema Fracking den Amtsbereich Hörnerkirchen betreffen könnte, machten Münster und Westerhorns Umweltausschuss-Vorsitzender John Höft deutlich. Die kanadische Firma „PRD Energy“ habe für das Gebiet zwischen Neumünster und Barmstedt die Erlaubnis beantragt, nach Öl und Gas zu suchen – das sogenannte „Erlaubnisfeld Bramstedt 1“. Fast das gesamte Amtsgebiet, die Stadt Barmstedt und Teile des Amt Rantzaus liegen mitten drin. Zusammen mit dem „Erlaubnisfeld Elmshorn“, das auch weitere Teile des Amts Rantzau umfasst, seien beinahe alle Gemeinden im Kreis Pinneberg betroffen. „Wir sind vermutlich noch ein bisschen konkreter betroffen als andere“, so Höft. „Wie sich viele erinnern werden, wurde bis in die 80er-Jahre hier schon Erdöl gefördert. Nicht zufällig verläuft von Dauenhof im Westen bis Lutzhorn im Osten die Ölfeldstraße.“

Um Druck auf die „große“ Politik auszuüben, hat Westerhorn schon am 5. Februar einstimmig eine Resolution gegen Fracking verabschiedet. Der Info-Abend sei der nächste Schritt, um auch die Bevölkerung über die Gefahren aufzuklären, so Höft. „Wir müssen uns jetzt mit dem Thema beschäftigen“, so Münster. Wie schreibt doch „PRD Energy“ auf ihrer eigenen Homepage: „Das Erlaubnisfeld Bramstedt befindet sich im Bereich eines geologischen Erdöltrends in Schleswig-Holstein, Norddeutschland. Die Fläche beträgt 657 km² und schließt zwei zwischenzeitlich stillgelegte Ölfelder ein, die Teil der Konzession sind. Es ist die Absicht von PRD Energy, die stillgelegten Ölfelder bei Möglichkeit wieder in Produktion zu setzen und parallel dazu neue geologische Leads für Kohlenwasserstoffvorkommen anhand von Seismik und geophysikalischen Bohrlochmessungen zu untersuchen.“

Ein weiterer Info-Abend ist am Dienstag, 17. Juni, ab 19 Uhr im Barmstedter Rathaus (Am Mark 1) geplant.

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