„Fracking macht hier keinen Sinn“

Der Geologe und Nützener Gemeindevertreter Siegfried Sensch appellierte an die Kommunalpolitiker, sich mit möglichen Fracking-Vorhaben „erst als letzte Möglichkeit zu arrangieren“.
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Der Geologe und Nützener Gemeindevertreter Siegfried Sensch appellierte an die Kommunalpolitiker, sich mit möglichen Fracking-Vorhaben „erst als letzte Möglichkeit zu arrangieren“.

Info-Abend für Gemeindevertreter in Westerhorn: RWE-Dea Pressesprecher gibt einen Einblick in das Ölfördergeschäft

shz.de von
22. Mai 2015, 16:00 Uhr

Das Thema Fracking beschäftigt derzeit die gesamte Republik. Im Amtsbereich Hörnerkirchen wird die umstrittene Öl-Fördermethode besonders heiß diskutiert, da „wir uns hier mitten im Brennpunkt des Geschehens befinden“, wie John Höft von der Freien Wählergemeinschaft Westerhorn (FWW) sagt. Aus diesem Grund hatte die FWW am Mittwoch zu einem Info-Abend in den Lindenhof geladen. Angesprochen werden sollten dabei vor allem die Kommunalpolitiker der Region, doch auch interessierte Bürger nutzten die Chance, sich von zwei Fachleuten in das komplexe Thema einführen zu lassen.

Über 50 Zuhörer lauschten den Vorträgen von Derek Mösche, Pressesprecher der DEA Deutsche Erdöl AG, und Siegfried Sensch, Gemeindevertreter in Nützen (Kaltenkirchen-Land), gelernter Geologe und kritischer Kenner des Erdöl-Geschäfts.

Über die Hälfte der 2,6 Millionen Tonnen Erdöl aus deutscher Förderung stammen aus Schleswig-Holstein – genauer gesagt von der Nordsee-Ölbohrinsel Mittelplate, die von der DEA Deutsche Erdöl AG betrieben wird. so Mösche. In der Region Barmstedt/Hörnerkirchen hat die kanadisch-deutsche Firma PRD Energy Interesse angemeldet, das 1986 stillgelegte Ölfeld in der Region zu reaktivieren. Hinter dem Unternehmen stehen nach Aussage von Sensch zwei GmbHs in Berlin, sowie der kanadische Mutterkonzern. Allesamt seien finanziell eher schmalgewichtig. Auf Nachfrage von Bokels Bürgermeister Wolfgang Münster, ob sich denn Fracking in der Region für PRD Energy angesichts der erst kürzlich fast verdoppelten Förderabgabe und des abgesackten Ölpreises überhaupt lohnen würde, sagte Mösche: „Fracking macht hier keinen Sinn.“

Sensch hingegen warnte davor, dass die in Schleswig-Holstein vorhandene Infrastruktur für die Ölbranche „unheimlich interessant“ sei und sprach sich dafür aus, mögliche Fracking-Vorhaben – wenn sie nicht zu verhindern sind – zumindest „zu vergrämen“. Dabei unterstrich er die Bedeutung von Bürgerinitiativen, die den Ölfirmen beispielsweise das Betreten der zu untersuchenden Ländereien erschweren könnten. Dies habe sich andernorts schon finanziell negativ auf die Bilanz von PRD Energy ausgewirkt.

Mösche sprach sich als Vertreter der Ölbranche naturgemäß gegen ein Vergrämen aus und betonte den finanziellen Aspekt. So sei die Raffinerie bei Heide schon heute landesweit der größte Steuerzahler und ein „Jobmotor“ für die Region. Gleichzeitig betonte der Pressesprecher, das sein Unternehmen kein Fracking plane, sondern auf konventionelle Fördermethoden setze, mit denen allerdings lediglich rund 40 Prozent der Erdölvorkommen ausgebeutet werden könnten.

John Höft von der FWW machte deutlich, dass die wichtigsten Entscheidungen zum Thema Fracking aufgrund des geltenden Bergbaurechts auf Bundesebene getroffen würden. Die Gemeinden hätten „kein Mitspracherecht“. Dennoch hätten sich die vier Hörner Dörfer mittlerweile allesamt gegen Fracking auf ihrem Areal ausgesprochen. Auch weitere Kommunen wie Lutzhorn im Amtsbezirk Rantzau haben sich deutlich gegen die umstrittene Fördermethode ausgesprochen. So wurden unter anderem kostenlos Schilder an die Einwohner verteilt, auf denen seismologische Untersuchungen auf Privatgrundstücken untersagt werden.

Siegfried Sensch appellierte an die Bürger und die Politiker, sich mit möglichen Fracking-Vorhaben „erst als letzte Möglichkeit zu arrangieren“.

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