Teilerfolg für die Bürgerinitiative : Fracking-Firma zieht sich aus dem Kreis Pinneberg zurück

Der Kampf gegen das umstrittene Fracking ist vorerst von Erfolg gekrönt.
Der Kampf gegen das umstrittene Fracking ist vorerst von Erfolg gekrönt.

PRD Energy Inc. stellt alle Tätigkeiten in Deutschland ein. Bürgerinitiative: Teilerfolg errungen. Weitere Firmen könnten Aufsuchungserlaubnisse beantragen.

shz.de von
30. Juli 2015, 10:00 Uhr

Barmstedt | Das kanadische Unternehmen PRD Energy Inc. zieht sich aus Deutschland zurück. Das gab die kanadische Explorations- und Produktionsgesellschaft für Kohlenwasserstoffe am Mittwoch in Calgary bekannt. Das Unternehmen besitzt unter anderem die Aufsuchungserlaubnis für die Felder Elmshorn und Bramstedt, die beide große Teile des Kreises Pinneberg berühren. Das Unternehmen führt mehrere Gründe für seinen Rückzug aus Deutschland an. Unter anderem wegen des erhöhten Erdölförderzinses in Schleswig-Holstein, wo die Firma zahlreiche Erkundungslizenzen besitzt, seien die Aussichten der Firma unwirtschaftlich.

Mit seinen hundertprozentigen Tochterfirmen PRD GmbH und PRD Energy GmbH ist das Unternehmen in Deutschland vertreten. Die Mitarbeiter werden noch bis zum 31. August beschäftigt. Anschließend soll das Berliner Büro geschlossen werden. Zudem beabsichtige die Firma, auf ihre Lizenzen zu verzichten. Von zentraler Bedeutung für die Entscheidung des Unternehmens seien dabei der drastische Rückgang der weltweiten Rohstoffpreise und der negative Ausblick gewesen. Die vorhandenen Möglichkeiten in Deutschland seien zum aktuellen Zeitpunkt nicht rentabel für ein Unternehmen dieser Größe.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Frackingfreies Auenland“, die sich seit etwa einem Jahr für ein Gesamtverbot von Öl- und Gasförderung im Bereich der Erlaubnisfelder Bramstedt und Elmshorn einsetzen, waren gestern ebenfalls überrascht: „Bei uns herrscht große Freude“, berichtete Sprecher Dirk Albrecht. Mit dem Rückzug des Unternehmens hätten die Bürgerinitiativen einen Teilerfolg errungen.

Der Rückzug wurde kaum kommuniziert

Die Mitteilung ist fast drei Seiten lang, komplett in Englisch verfasst und ein wenig im Internet versteckt. Der Inhalt ist jedoch für die Region rund um das alte Ölfeld bei Brande-Hörnerkirchen von höchstem Interesse. Das Unternehmen PRD Energy Inc. kündigt in der Mitteilung an, sämtliche Tätigkeiten in Deutschland einzustellen. Bei der Bürgerinitiative (BI) „Frackingfreies Auenland“ war die Freude über den Rückzug gestern groß: „Eine unserer Strategien ist die Vergrämung der Firmen. Das haben wir und andere Bürgerinitiativen geschafft“, sagte Dirk Albrecht, Sprecher der BI.

Laut Geologe und Politiker Siegfried Sensch aus Nützen, der sich auch in der BI engagiert, handelt es sich bei dem Text von PRD Energy um eine Pflichtmitteilung an die kanadische Börsenaufsicht wegen Änderung der Geschäftstätigkeiten. Die Ankündigung sei für ihn nicht überraschend gekommen: „Das Jahresergebnis war bereits ein Desaster, sie mussten Seismik-Kampagnen absagen, weil sie keinen Zutritt bekommen haben und der Aktienkurs ist ins Bodenlose gefallen“, so Sensch. Gestern lag er noch bei sieben kanadischen Cent. „Wenn man zwischen den Zeilen der Mitteilung liest, merkt man, dass sie sich in der Kultur total verschätzt haben“, so Sensch weiter.

Der Protest gegen eine mögliche Förderung von Erdöl ist besonders im Norden des Kreises Pinneberg – wie hier in Lutzhorn – sichtbar. Das Unternehmen PRD Energy hat sich jetzt dafür entschieden, sämtliche Tätigkeiten in Deutschland zu beenden. (Foto: Uthoff)
Der Protest gegen eine mögliche Förderung von Erdöl ist besonders im Norden des Kreises Pinneberg – wie hier in Lutzhorn – sichtbar. Das Unternehmen PRD Energy hat sich jetzt dafür entschieden, sämtliche Tätigkeiten in Deutschland zu beenden. (Foto: Uthoff)
 

Von zentraler Bedeutung für die Entscheidung des Unternehmens seien der drastische Rückgang der weltweiten Rohstoffpreise und der anhaltende negative Ausblick gewesen, so die Firma. In der Mitteilung heißt es auch, dass die Anpassung der lokalen Dienstleister an nordamerikanische Bohr- und Betriebspraktiken und die anhaltende Zurückhaltung der Behörden, solche Praktiken zu genehmigen, es der Firma schwierig machen würden, wirtschaftlich zu arbeiten. Mit den Bohr- und Betriebspraktiken könnte auch das Fracking gemeint sein, sind sich Sensch und Albrecht einig.

Aus Sicht der BI hat auch Umweltminister Robert Habeck (Grüne) Wort gehalten. „Wir haben ihn aufgefordert, alles zu tun, um die Firmen zu vergrämen“, berichtete Albrecht. Unter anderem war Ende vergangenen Jahres beschlossen worden, den Öl- und Gasförderzins in Schleswig-Holstein stark anzuheben. Seit dem 1. Januar 2015 liegt die Förderabgabe auf Erdöl bei 40 Prozent.

Der Rückzug des Unternehmens sei für die BI ein Teilerfolg, so Albrecht weiter. Künftig wolle man sich auf die politische Ebene konzentrieren, um Fracking komplett in Deutschland zu verbieten. Zudem wolle man genau beobachten, wie es mit den Gebieten wie dem alten Ölfeld bei Brande-Hörnerkirchen weitergeht. „Firmen wie die Dea könnten jetzt Aufsuchungserlaubnisse beantragen“, so Albrecht. Auch Sensch betonte, wachsam zu bleiben.

Das Berliner Büro von PRD Energy soll aufgelöst werden. Und auch in Calgary will das Unternehmen nach eigenen Angaben ebenfalls das Personal reduzieren. Zu gegebener Zeit wolle man eine aktualisierte Mitteilung zu den geschätzten Umstrukturierungskosten sowie über den Austritt aus dem deutschen Geschäft geben, heißt es. Die komplette Mitteilung von PRD Energy ist im Original im Internet nachzulesen.

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