Flüchtlingshilfe in Schleswig-Holstein : Flüchtlingsverpflegung: „Das ist ein enormer Aufwand“

Ankunft: In der Kaserne in Seeth (Nordfriesland) sollen bis zu 600 Flüchtlinge untergebracht werden – zurzeit sind es etwa 300.
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Ankunft: In der Kaserne in Seeth (Nordfriesland) sollen bis zu 600 Flüchtlinge untergebracht werden – zurzeit sind es etwa 300.

Barmstedts THW verpflegt die Flüchtlinge in der neuen Erstaufnahme-Einrichtung in Seeth.

shz.de von
22. Juli 2015, 12:00 Uhr

Ihr Tag beginnt um 6 Uhr. „Dann bereiten wir das Frühstück vor“, sagt Sven Lücke, Pressesprecher des Barmstedter THW. Sechs Mitglieder des Ortsverbands verpflegen seit einer Woche die Flüchtlinge, die in der Kaserne in Seeth bei Husum untergebracht sind. „Am Sonntag waren es 120 – jetzt sind es 300“, so Lücke. Für die Helfer bedeutet das: arbeiten im Akkord. Nach dem Frühstück folgt die Vorbereitung des Mittagessens, später das Abendbrot. Mittags gebe es „hauptsächlich Geflügel und Rind“, so Lücke – denn viele Flüchtlinge seien Moslems, die kein Schweinefleisch essen dürfen. Fisch scheide als  Alternative aus: „Das ist bei solchen Mengen nicht machbar.“

Da auch das Frühstück den Anforderungen der Massenverpflegung genügen muss, gäbe es überwiegend Tiefkühlbrötchen, sagt Lücke. „Aber das soll umgestellt werden, um auch die lokalen Geschäfte zu stärken.“ Die nur 600 Einwohner zählende Gemeinde Seeth sei von der kurzfristigen Einrichtung der Erstaufnahmestelle ziemlich überrascht worden, sagt Lücke. „Das war eine Hauruck-Aktion.“ Auch die Beschaffung der Verpflegung sei anfangs etwas holprig gewesen. „Da kam es schon mal vor, dass Sachen doppelt bestellt wurden. Aber jetzt läuft es ganz entspannt.“

Das Verhältnis zwischen Helfern und Flüchtlingen sei ebenfalls gut, so Lücke. „Am meisten kommt man bei der Essensausgabe in Kontakt, und viele Flüchtlinge helfen beim Aufräumen des Speisesaals. Das ist keine Nehmer-Mentalität, wie manche vielleicht denken.“

Zusätzlich zu den Helfern aus Barmstedt sind in der Unterkunft mehrere Freiwillige Feuerwehren und weitere THW-Ortsverbände im Einsatz. „Sie organisieren für die Flüchtlinge Shuttle-Fahrten nach Friedrichstadt und räumen die Zimmer ein“, so Lücke. Da die Kaserne erst vor Kurzem aufgegeben wurde, sei das Mobiliar noch auf dem  Gelände gewesen – allerdings schon in Lagerhallen. Die Flüchtlinge schlafen in Vier- oder Sechs-Bett-Zimmern; die Helfer auf Feldbetten. „Aber jetzt sollen wir richtige Betten bekommen“, so Lücke.

Die Stapelholm-Kaserne in Seeth wurde am 30. Juni von der Bundeswehr aufgegeben. Seit dem 25. Juli dient sie als Erstaufnahme-Stelle für Flüchtlinge. Bis zu 600 Menschen können untergebracht werden. Sie sollen innerhalb von zehn Tagen an Kreise und Gemeinden im Land verteilt werden.

Aus Barmstedt sind sechs THW-Helfer im Einsatz, die sich bis auf die Köche täglich abwechseln. „Das ist schon ein enormer Aufwand, vor allem für das Mittagessen und die Logistik“, sagt Lücke. Von ihren Arbeitgebern würden die Helfer zwar freigestellt, „aber weil wir in letzter Zeit ziemlich viele Einsätze hatten, ist das vor allem in der Privatwirtschaft nicht immer ganz einfach“, so der Pressesprecher. Den Verdienstausfall erstatte der Bund.

Die täglichen Fahrten ins 90 Kilometer entfernte Seeth seien anstrengend, so Lücke. „Eine Strecke dauert eine bis eineinhalb Stunden“, sagt er und fügt schmunzelnd an: „Das sind unsere Autos nicht gewohnt.“ Umso mehr hätten sich die Helfer gefreut, als sie am Dienstag Besuch von Ernst Dieter Rossmann erhielten. Der SPD-Bundespolitiker aus Elmshorn hatte seinen Urlaub unterbrochen, um ihnen persönlich für ihren Einsatz zu danken. „Das war klasse“, so Lücke.

Am Sonnabend, 1. August, soll der Einsatz für die Barmstedter enden. „Dann wird ein Caterer die Verpflegung übernehmen“, so Lücke. Ebenso wie das THW, könnten dessen Mitarbeiter die „noch großteils einsatzbereite“ Großküche nutzen. „Das war auch für uns hilfreich, denn wir mussten nicht unsere eigene Ausrüstung mitbringen.“

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