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Bauverzögerung : Flüchtlingsunterkunft: Bau gestoppt

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kostenexplosion: Barmstedts Verwaltung zieht den Bauantrag zurück.

Barmstedt | „Wir kämpfen jeden Tag“, sagt Uwe Dieckmann. Darum, die der Stadt Barmstedt und dem Amt Hörnerkirchen zugewiesenen Asylbewerber angemessen unterzubringen. Zurzeit sind es 86 – fast drei Mal so viele wie im gesamten Jahr 2014. Doch der Wohnraum wird knapp, und die Zahl der Hilfesuchenden steigt weiter – und jetzt wird sich auch noch der Bau der geplanten neuen Flüchtlingsunterkunft an der Feldstraße verzögern, in der ab Herbst zwölf bis 20   Personen unterkommen sollten. Mindestens ein Jahr länger werde es dauern, bis das Haus stehe, sagt Fachamtsleiter Dieckmann. Sofern es überhaupt noch gewollt ist – denn darüber muss die Politik neu entscheiden.

Der Antrag für den Neubau lag schon beim Kreis zur Genehmigung, als die Stadtverwaltung ihn zurückzog. Grund: „Die Kosten sind explodiert“, so Dieckmann. Von ursprünglich geschätzten 500.000 Euro sollen sie nach Informationen unserer Zeitung auf aktuell 750.000 Euro gestiegen sein. Die Abweichung liege hauptsächlich an fehlerhaften Berechnungen des Architekten, so Dieckmann. „Das ist uns bei der Überprüfung aufgefallen, so dass wir den Bauantrag gestoppt haben.“ Die Politik habe von der Verwaltung daraufhin eine neue Wirtschaftlichkeitsberechnung verlangt. „Da sind wir gerade dabei und werden das hoffentlich bis zum Hauptausschuss am 22. September hinkriegen.“

Das Land würde für den Bau einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro zahlen, so Dieckmann. Den Rest muss die Stadt aufbringen. Finanzieren soll sich das Projekt letztlich durch Mieteinnahmen, wie Dieckmann erläutert. „Das Land zahlt pro Bewohner 421 Euro pro Monat. Wenn wir günstig wirtschaften, können wir so unseren Kredit schneller abzahlen.“ Zudem gehöre das Haus der Stadt, „und man könnte die Unterkünfte in reguläre Wohnungen umbauen“.

Die hohen Kosten resultieren laut Dieckmann auch daraus, dass die Unterkunft „einen gewissen Standard“ aufweisen soll. So seien ein Gemeinschafts-, ein Waschraum sowie die Einrichtung von Telefonanschlüssen und WLAN vorgesehen. „Das ist mehr, als der Gesetzgeber für Flüchtlingsunterkünfte vorschreibt. Aber wir wollen das so und halten es bei einem Neubau auch für sinnvoll.“ Es sei zwar „teurer, aber dafür haben wir keine Container und nicht täglich die Polizei vor der Tür“. Denn Sammelunterkünfte würden Risiken bergen, so Dieckmann, der stolz berichtet, dass in Barmstedt bislang alle Flüchtlinge dezentral untergebracht worden seien „und es keine Probleme gibt“.

Dass das Haus nicht zum geplanten Zeitpunkt gebaut werde, habe noch keine Auswirkungen auf die Unterbringungssituation, sagte Bürgermeisterin Heike Döpke. „Noch können wir alle selbst unterbringen und musste nicht auf andere Kommunen ausweichen. Aber wenn es sich so fortsetzt wie bisher, wird es eng. Es sind schon Extreme, die jetzt auftreten.“

Die Barmstedter Verwaltung sucht Wohnungs- und Hauseigentümer, die bereit sind, Räumlichkeiten an Flüchtlinge zu vermieten oder ihre Immobilie an die Stadt zu verkaufen. „Wir suchen im gesamten Stadtgebiet händeringend nach Wohnraum, nehmen jedes Angebot entgegen und gucken uns alles gerne an“, sagt Ordnungsamtsmitarbeiter Heiko Lichy. Er ist unter der Telefonnummer 04123-68111 zu erreichen.

Seit mehreren Monaten werden Barmstedt monatlich zwischen 16 und 20 Flüchtlinge zugewiesen. „Langfristig werden wir immer mehr unterbringen müssen“, prognostiziert Dieckmann. Umso wichtiger sei es, ihnen zu helfen, sich zu integrieren. „Und dafür tun wir einiges – obwohl wir nicht so viele Leute haben, wir wir bräuchten.“ Zudem habe die Stadt eine Migrationsbeauftragte eingestellt, und viele Bürger engagierten sich ehrenamtlich. „Sie begleiten die Flüchtlinge zum Arzt und zum Amt oder zeigen ihnen den nächsten Supermarkt“, so Dieckmann. Das Engagement zahle sich aus: „Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht und bekommen viele positive Rückmeldungen.“

Auch die Anwohner der Straße An der Alten Mühle, die sich über die geplante Unterkunft besorgt gezeigt hatten, scheinen sich mit dem Vorhaben arrangiert zu haben. „Mit dem damaligen Protest hat die Verzögerung nichts zu tun“, betonte Döpke.

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erstellt am 21.Aug.2015 | 12:30 Uhr

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