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„Sprachkurse allein reichen nicht“ : Flüchtlingshelfer aus Barmstedt berichten über Herausforderungen ihrer Arbeit

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Frauen können oft die Sportangebote nicht nutzen. Die Freie Wählergemeinschaft spendet 400 Euro.

shz.de von
erstellt am 13.Jan.2016 | 16:15 Uhr

Barmstedt | Willkommene Unterstützung für das Barmstedter Willkommens-Team: Die Freie Wählergemeinschaft (FWB) hat den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern 400 Euro gespendet. „Das Geld stammt zum größten Teil aus unserem Punschverkauf an Heiligabend“, sagte Fraktionschef Michael Schönfelder. 288 Euro hätten sie innerhalb von drei Stunden an ihrem Stand vor dem Rathaus eingenommen. „Anders als im vorigen Jahr war das Wetter gut, und in der Stadt war viel los“, sagte Schönfelder. Den restlichen Betrag stockte die FWB aus eigenen Mitteln auf.

Sie würde das Geld gern für die Teilnahme junger Flüchtlinge am kulturellen Leben verwenden, sagte die Migrationsbeauftragte Andja Zdravac-Vojnovic. Gerade werde ein Ausflug ins Hamburger Miniatur-Wunderland geplant, ergänzte Joachim Baasch. „Dafür brauchen wir zum Beispiel Geld für die Flyer.“ Die endgültige Entscheidung über die Verwendung der Spende werde die Teamleitungsrunde fällen, erklärte Zdravac-Vojnovic. Die etwa 65 Ehrenamtler engagieren sich in den fünf Bereichen Sprachkurse, Beratung, Sport, andere Aktivitäten und Begleitung im Alltag. Vor allem für letzteres würden noch Mitstreiter gesucht, sagte Baasch. „Wegbegleiter haben wir zu wenig.“

Hauptaufgabe und langfristiges Ziel der Arbeit sei die Integration der Flüchtligne, betonte Baasch. „Sie müssen in unsere Gesellschaft eintauchen. Das ist ein weiter Weg, und Sprachkurse allein reichen dafür nicht.“ Schwierig sei es vor allem mit Menschen aus anderen Kulturkreisen, ergänzte Zdravac-Vojnovic. Zudem hätten manche Flüchtlinge übersteigerte Erwartungen, „wodurch unsere Ehrenamtler schon mal ausgebremst werden“.

Auch religiöse Überzeugungen könnten zur Herausforderung werden, so Baasch: So sei es schwierig, Frauen an Sportangeboten teilnehmen zu lassen. „Wir hatten einen Schwimmkursus ins Leben gerufen, zu dem beim ersten Mal auch Frauen kamen“, berichtete er. Mehrere Männer hätten sich geweigert, zusammen ihnen daran teilzunehmen. „Sie haben uns erklärt, die Frauen wären dann entehrt.“ Letztlich seien die Frauen wieder nach Hause gegangen – ein Problem, das leider bei vielen Sportarten auftrete, so Baasch. „Das haben wir noch nicht lösen können.“ Sie sei aber weiter am Ball, einen Kursus für Frauen anzubieten, sagte Elke Kunde, die den Schwimmunterricht leitet – und keine Probleme mit den Männern hat. „Die haben mich von Anfang an respektiert.“ Um die Frauen an den Sport heranzuführen, „wollen wir es jetzt über die Schulen versuchen. Da müssen wir mit den jungen Mädchen anfangen.“

Spaß im Hallenbad: Beim BMTV lernen die Flüchtlinge schwimmen – bisher allerdings nur Männer. (Foto: Pergande)
Spaß im Hallenbad: Beim BMTV lernen die Flüchtlinge schwimmen – bisher allerdings nur Männer. (Foto: Pergande)
 

Einige der männlichen Flüchtlinge müssten lernen, „dass auch Frauen was zu sagen haben“, sagte Zdravac-Vojnovic. „Das ist aber ein Prozess.“ Insgesamt aber, betonte sie, sei die Zuwanderung „eine Bereicherung für uns alle, und es ist beeindruckend, was in Barmstedt an Unterstützung geleistet wird“. Als nächste Projekte plant das Willkommens-Team eine Fahrradwerkstatt einzurichten und interkulturelle Gärten anzulegen.

Das Barmstedter Willkommensteam lädt  Flüchtlinge aus der Region – vor allem Familien mit Kindern – für kommenden Sonntag, 17. Januar, zu einem Besuch des Miniatur-Wunderlands in der Hamburger Speicherstadt ein. „Anlass  ist ein Angebot der erfolgreichsten deutschen Dauerausstellung, sich bei ausgewählten Zielgruppen für 1,25 Millonen Besucher im vorigen Jahr zu bedanken“, so Mitorganisator Joachim Baasch. Somit seien der Eintritt und die Bahnfahrt für Flüchtlinge  frei. Interessierte werden gebeten, sich namentlich per E-Mail unter leuchtturm@barmstedt.de oder direkt im Integrationszentrum, Reichenstraße 6, anzumelden. Näheres auch unter 04123-9369644.
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