Einwohnerversammlung : Flüchtlinge: Sparrieshoop packt an

Die Einwohnerversammlung in Sparrieshoop war mit rund 150 Besuchern sehr gut besucht.
Die Einwohnerversammlung in Sparrieshoop war mit rund 150 Besuchern sehr gut besucht.

Politiker stellen Betreuungskonzept während Einwohnerversammlung vor. Verwaltung rechnet für 2015 mit 35 bis 40 Flüchtlingen.

shz.de von
23. Januar 2015, 10:00 Uhr

Barmstedt | „Es gibt nicht die Asylbewerber und nicht das Asylverfahren. Alles sind individuelle Einzelfälle. Wir müssen vor Ort etwas tun“, sagte der Vorsitzende des Sparrieshooper Familienausschusses Aike Müller (CDU) am Ende der Einwohnerversammlung im Gemeindezentrum „Diekendeel“. Mit diesen Worten fasste er einen informativen Abend und  die positive Einstellung der Sparrieshooper in Sachen Asylbewerber zusammen.

Die Versammlung war Reaktion des Gemeinderats auf viele Bürgerfragen. Anlass war die öffentliche Suche des Kreises Pinneberg nach Gebäuden, die als Gemeinschaftsunterkünfte genutzt werden könnten. In Sparrieshoop stand die Einrichtung einer Gemeinschaftsunterkunft in der alten Sendefunkstelle in Sibirien zur Debatte.

Sparrieshoops Bürgermeister Günter Korff (SPD) erläuterte, dass sich die Gemeindevertretung seit Oktober mit dem Thema Unterbringung und Integration von Flüchtlingen Gedanken gemacht hat. Aus diesen Überlegungen heraus ist unter Federführung des Familienausschusses ein Konzept entstanden.

Bevor der Vorsitzende des Familienausschusses Aike Müller (CDU) auf Details einging, erläuterte der Amtsdirektor des Amtes Elmshorn-Land Roland Reugels Rechtsgrundlagen, die Flüchtlingssituation des Amtes sowie den Weg der Asylbewerber. Erste Station sei ist die Aufnahmeeinrichtung in Neumünster, schilderte Reugels. Eine zweite Station sollte in Form von Gemeinschaftsunterkünften bei den Kreisen liegen, anschließend erfolgt  für die Zeit des Asylverfahrens die Unterbringung in Städten und Gemeinden. Da der Kreis keine Gemeinschaftsunterkünfte bereit hält, erfolgt nach der Aufnahmestation sofort die Unterbringung in den Gemeinden. Für das Amt Elmshorn-Land rechnet die Verwaltung für 2015 mit 35 bis 40 Flüchtlingen. Die Menschen kommen überwiegend aus Kriegs- und Krisengebieten. Der Bürgermeister berichtete, dass die Gemeinde ein Haus mit drei Wohnungen erworben hat, um künftig Asylbewerber unterzubringen.

Aike Müller erinnerte in seinem Vortrag an das Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Sparrieshoop wuchs in zwei Jahren von 900 auf 1800. „Die Aufnahme von Flüchtlingen ist uns nicht fremd“, so Müller. Er berichtete von der Entwicklung des Konzeptes, das die Einbindung des Amtes und der Caritas  vorsieht. „Wir können diesen Weg nicht allein gehen. Wir brauchen professionelle Kräfte“, erläuterte Müller und ging besonders auf die Dolmetschertätigkeit der Caritas und das Verständnis für traumatisierte Flüchtlinge ein. Er bat die über 150 Anwesenden, sich vorzustellen, sie müssten innerhalb von zwei Stunden ihr Land verlassen und fänden sich nach einigen Wochen beispielsweise in Bagdad wieder. Fremde Sprache, unbekannte Schrift, kein Geld, keine Wohnung. Er schlug den Bogen zu Asylbewerbern, die nach Sparrieshoop kommen. Infos und Orientierung in der Sprache der Flüchtlinge, Hilfestellung, Deutschkurse und mehr haben  Müller und Kollegen dokumentiert und die Arbeit koordiniert. Er lud alle Sparrieshooper ein, sich am 18. Februar, 19.30 Uhr, im Gemeindezentrum über Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren.

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