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Brande-Hörnerkirchen : Flüchtlinge: Noch Hilfe nötig

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

In Hörnerkirchen gibt es viel Unterstützung und die Wege sind kurz – trotzdem wollen viele Migranten lieber in die Stadt.

Brande-Hörnerkirchen | Es gibt Themen, die werden in Windeseile riesengroß und ebben ebenso schnell wieder ab. Flüchtlinge und ihr Schicksal in der neuen Heimat gehören dazu. Noch vor zwei Jahren verging kaum ein Tag, an dem nicht groß in allen Medien darüber berichtet wurde. Inzwischen sind viele Grenzen dicht und so erreichen nur noch vergleichsweise wenige Menschen aus den Kriegs- und Krisengebieten Deutschland. Und doch gibt es sie nach wie vor, die Flüchtlinge, die sich in der Fremde ein neues Leben aufbauen wollen. Und die unzähligen Helfer, die ihnen dabei zur Seite stehen.

Im Amt Hörnerkirchen koordiniert die Flüchtlingsbeauftragte Marlis Winter ein 15- bis 20-köpfiges Helferteam. Einmal im Monat trifft man sich im Amtshaus zum Meinungsaustausch. „Eigentlich viel zu selten, bei allem, was hier ständig passiert“, sagt Winter. Jeder einzelne Helfer habe inzwischen „seine Nische gefunden“. Die einen helfen bei den Schularbeiten, die anderen geben Deutschkurse, betreuen einzelne Flüchtlinge oder packen bei Umzügen mit an. Außerdem muss „unendlich viel koordiniert werden“, wie Winter betont. Jobcenter-Gänge, Arztbesuche, die Kindergarten- oder Schuleingliederung – nichts passiert von alleine. Und viele Flüchtlinge „sind einfach auf Hilfe angewiesen“. Denn nicht jeder Asylsuchende sei hochgebildet. „Die schaffen es meist nicht allein“, weiß Winter aus Erfahrung.

Etwa 45 Flüchtlinge leben zurzeit im Amtsgebiet. Wobei die ländliche Gegend im Norden des Kreises Pinneberg nicht allen gefällt. „Viele wollen in die Stadt“, sagt die Flüchtlingsbeauftragte. Dabei sei die Eingewöhnung in ein neues Leben auf dem Land oft wesentlich einfacher. Die Wege sind kurz, die Helfer engagiert und zahlreich. „Mein Ziel ist es, die Menschen hier zu beheimaten“, sagt Winter. Doch zwingen könne man dazu natürlich niemanden.

Aus Afghanistan, dem Irak, Syrien, Armenien und dem Iran stammen „ihre“ Flüchtlinge. 13 Kinder seien darunter, ein 14. wird im Sommer geboren. „Der Großteil ist schon länger hier, sagt Winter. Wer eine Aufenthaltsgenehmigung bekomme, der „muss dann selbstständiger werden“. Die wenigen Neuankömmlinge würden meist im Zuge von Familienzusammenführungen kommen. Einzelne Flüchtlinge, die sich auf eigene Faust durchschlagen konnten, seien zuletzt „im November oder Dezember hier angekommen“.

Für alle Flüchtlinge werden in Hörnerkirchen Deutschkurse organisiert. An drei Tagen pro Woche kann die schwere Sprache gebüffelt werden. „Der eine lernt schneller, der andere langsamer“, sagt Winter. Genau diese individuellen Fähigkeiten gelte es zu berücksichtigen. Sonst würden einige Teilnehmer aus Überforderung abbrechen. Untergebracht sind die 45 Flüchtlinge in einzelnen Wohnungen, die über das gesamte Amtsgebiet verstreut liegen. So werde vermieden, dass die Neuankömmlinge unter sich bleiben.

Immer donnerstags lädt das Café Kunterbunt von 14.30 bis 16 Uhr im Gemeindesaal der Kirche Bürger aus Hörnerkirchen und Flüchtlinge zu einem Gesprächsnachmittag ein. Und einmal im Jahr geht es gemeinsam auf Tour. 2015 führte der Ausflug an die Nordsee, 2016 an die Ostsee. „Wo wir dieses Jahr hinfahren, steht noch nicht genau fest“, sagt Winter. Aber das Ziel müsse vor allem Anreize für die Kinder bieten.

„Unsere Arbeit fängt jetzt eigentlich erst richtig an“, fasst die Flüchtlingsbeauftragte die aktuelle Lage in Worte. Die Flüchtlinge müssten nun wirklich integriert werden und neben unzähligen freudigen Momenten würden die Helfer immer wieder auch Enttäuschungen erleben. Spaß mache die Arbeit als Flüchtlingsbeauftragte dennoch. „Aber man hat wirklich sehr, sehr viel zu tun“, gibt Winter zu.

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