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Woche der digitalen Medien in Barmstedt : „Fast alle Jugendlichen werden mit Pornos konfrontiert“

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Etwas mehr Resonanz hätte er sich schon gewünscht, sagte Martin von Aspern: Zum Vortrag „Frühstück. Schule. Porno!“, den der Stadtjugendpflege im Rahmen der ,Woche der digitalen Medien’ organisiert hatte, waren am Montagabend in der Kommunalen Halle des Barmstedter Rathauses nur zehn Besucher erschienen.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2017 | 16:00 Uhr

„Ich hatte vor allem mit mehr Erwachsenen gerechnet“, sagte von Aspern mit Blick auf die sieben jugendlichen Zuhörer. Dabei gewinne das Thema Internet „immer mehr an Brisanz“, wie auch Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) zur Begrüßung feststellte. Die digitale Welt sei aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, „aber die Frage ist: Wie gehen wir damit um?“ So viele Vorteile das Netz auch habe, „so riskant ist es auch“, sagte sie. „Man fragt sich manchmal schon: Bestimme ich selbst, was ich dort tue, oder werde ich bestimmt?“

Pornografie gehöre „einfach dazu. Fast alle Jugendlichen werden damit konfrontiert, ob sie wollen oder nicht“, sagte Hanne Traulsen vom Elmshorner Verein ,Wendepunkt’, die im Wechsel mit ihrem Kollegen Holger Platte locker durch den Abend führte. Im Grunde gebe es zu Pornoseiten keine wirksame Zugangsbeschränkung. „Schon Kinder können sie oft problemlos öffnen.“ Was sie dort sehen, verstöre sie aber meist. „Laut einer Studie finden 74 Prozent der Kinder pornografische Inhalte unangehm“, so Traulsen. Jugendliche dagegen sähen sich Pornos nicht nur an, um sich sexuell zu stimulieren, sondern auch, um sich von den Eltern abzugrenzen, sich zu entspannen oder sich auf das ,erste Mal’ vorzubereiten. „Das ist bei Jugendlichen ein großes Thema“, so Traulsen. Insofern ersetzten Pornos auch zunehmend die klassischen „Aufklärer“ wie Schule und Eltern.

Interessant sei auch, dass Jugendliche ihren ersten Porno oft nicht allein, sondern mit anderen ansehen, sagte Platte. Dennoch sei das Thema „oft mit Ängsten besetzt und sorgt für Verunsicherung“. Die Darsteller gaukelten ein Idealbild vor, „dem die allerwenigsten von uns entsprechen“. Das könne Druck erzeugen, wie eine Zuhörerin bestätigte. „Wir hoffen aber, dass jeder Jugendliche durch Eltern und Lehrer stark und selbstbewusst gemacht wird“, sagte Platte. Ein weiteres Problem sei das Rollenbild, das Pornografie vermittle. „Männer müssen immer können und Frauen immer zur Verfügung stehen.“ Auch das könne bei häufigem Konsum zu falschen Vorstellungen und entsprechenden Verhaltensweisen führen.

Problematisch sei auch, dass Mädchen und Frauen sich oft nicht zu sagen trauten, dass sie Pornos mögen, sagte Platte. „Dann gelten sie gleich als Schlampen.“ Bei Jungen und Männern sei das ganz anders. „Da ist das normal.“ Auch diese Bilder gelte es zu hinterfragen.

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