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Barmstedter Zeitung

17. Oktober 2017 | 06:42 Uhr

Barmstedt : Es wird an den Schulen gespart

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Gymnasium und GGS müssen auf moderne Medienausstattung verzichten. Politik streicht auch weitere Wünsche.

shz.de von
erstellt am 21.Jan.2016 | 14:15 Uhr

Barmstedt | Maler- und Renovierungsarbeiten an der Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) und am Gymnasium: gestrichen. Zusammenlegung des Verwaltungstrakts an der GGS: gestrichen. Umsetzung der Medienkonzepte an beiden Schulen: gestrichen. Die Barmstedter Politik setzt an den weiterführenden Schulen den Rotstift an. Insgesamt summieren sich die Kürzungen auf etwa 115.000 Euro, wovon der Großteil auf die Medienkonzepte (65.000 Euro) und die Zusammenlegung der Verwaltung (11  000 Euro) entfällt. Der Schulausschuss hat den Sparvorschlägen, die die Verwaltung mit dem Arbeitskreis zur Haushaltskonsolidierung erarbeitet hat, während seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich zugestimmt. Die BALL lehnte sie ab.

Für die Wünsche der Schulen sei kein Geld da, erklärten die Politiker – wobei sich die Debatte vor allem am Wunsch von GGS-Leiter Bernd Poepping entzündete, die Verwaltung im C-Gebäude zusammenzulegen. Zurzeit sitzen die drei Sekretärinnen, zwei Schulkoordinatoren und Poepping im B-Gebäude, während vier weitere Koordinatoren ihre Büros im C-Gebäude haben. „Für uns bedeutet das weite Wege und den Verlust von Arbeitszeit“, sagte Poepping. Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) wies zudem darauf hin, dass Arbeitssicherheit und Datenschutz im Sekretariat nicht gewährleistet seien. „Auf dem Fußboden liegen Kabel, und wer den Raum betritt, sieht sofort, was auf den Bildschirmen steht.“ Das müsse geändert werden – allerdings „kostenneutral“.

Für einen Umzug sei kein Geld da, sagte Ernst-Reimer Saß (CDU). „Das muss die Schule akzeptieren. Und wenn ich mir andere Schulen im Kreis ansehe, haben wir hier erste Sahne.“ Zwar seien Poeppings Argumente nachvollziehbar, „aber wir können es uns im Moment einfach nicht leisten“, sagte auch Christian Schönfelder (FWB).

Ohne Diskussion abgelehnt wurde das Medienkonzept, das Poepping und Gymnasiumsleiter Jan Skendzic dem Ausschuss präsentieren wollten. „Wir verzichten darauf, weil es eh nichts bringt“, sagte Poepping. Die GGS würde gern interaktive Tafeln und Laptop-Wagen anschaffen. Am Gymnasium sollten bis 2020 alle Klassenräume mit Beamern ausgestattet werden. Daran hätte sich der Förderverein mit 3  500 Euro an den Gesamtkosten von 18  000 Euro im ersten Jahr beteiligt, sagte Skendzic. „Wir werden jetzt gucken, inwieweit wir das erstmal ohne Stadt hinkriegen“. Das sei aber im Grunde nicht die Lösung. „Auf Dauer geht es hier um den Schulstandort Barmstedt. Und wenn das so bleibt, haben wir hier zwar eine schöne Schule, sind aber wegen der schlechten Ausstattung unattraktiv.“ Auch das Ministerium fordere eine moderne Ausbildung der Schüler. „Dazu müssen wir einen gewissen Standard einhalten.“

Gymnasiumsleiter Jan Skendzic zeigt das Telefon, das sich Sekretärin Sabine Kubel mit ihrer Kollegin teilen muss. Die Politik bewilligte 1000 Euro für eine neue Anlage. (Foto: Meyer)
Gymnasiumsleiter Jan Skendzic zeigt das Telefon, das sich Sekretärin Sabine Kubel mit ihrer Kollegin teilen muss. Die Politik bewilligte 1000 Euro für eine neue Anlage. (Foto: Meyer)
 

Ohne die Umsetzung des Medienkonzepts werde die GGS „abgehängt“, fürchtet auch Poepping. „Wir können uns den Entwicklungen nicht verschließen. Was geht denn heute noch ohne Handy und PC? Wenn wir nur mit Kreide arbeiten, sind wir die letzten Dinosaurier.“ Über die Empfehlung des Arbeitskreises, Mittel für die Geräte aus Haushaltsresten selbst anzusparen, können beide Schulleiter nur müde lächeln. „Von unseren 20.000 Euro pro Jahr müssen wir Mobiliar ersetzen, Lehrmittel anschaffen, und, und, und“, sagte Poepping. „Was bleibt da noch übrig, um es anzusparen?“

„Im Ansatz“ habe er dafür Verständnis, dass die Stadt sparen müsse, sagte Skendzic. „Der Haushalt ist klamm, und natürlich müssen sie irgendwo streichen.“ Aber es sei fraglich, „ob man die Dinge gleich komplett vom Tisch wischen muss. Man hätte ja auch Abstriche machen können.“ Poepping zeigte sich noch enttäuschter. „Ich sehe keine Bereitschaft der Politik mehr, sich mit unseren Wünschen auseinanderzusetzen. Jede Innovation wird im Prinzip abgebügelt“, sagte er. Bisher habe die Stadt die Schulen immer unterstützt. Jetzt habe sich die Stadt offenbar „von der Förderung der Schulen verabschiedet“.

Mit zwei weiteren Anträgen hatte Skendzic Erfolg: Dem Gymnasium werden 1000 Euro für eine neue Telefonanlage und 8000 Euro für eine Begutachtung der Fenster genehmigt. „Ich habe nur ein altes Telefon, und die beiden Sekretärinnen müssen sich sogar eins teilen“, sagte Skendzic. Neue, mobile Telefone seien auch für den Hausmeister und den Sanitätsdienst sinnvoll – und für „den Amokfall“. Bezüglich der Fenster habe der Hausmeister festgestellt, „dass sie eigentlich zu schwer für die Halterung sind. Und wenn mal jemandem eins auf den Kopf fällt, möchten wir die Verantwortung nicht übernehmen.“

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