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L75-Ausbau : „Es war ein riesen Chaos“ - Autofahrer von der Sperrung der Hamburger Straße überrascht

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Umleitung war zunächst nicht ausgeschildert.

Barmstedt | Die Sperrung der Hamburger Straße (L75) zwischen dem Schusterring und dem Hans-Dössel-Weg hat gestern zeitweilig zum Verkehrschaos in Barmstedts Süden geführt. Etliche Autofahrer fuhren bis an die Absperrungen heran – um dann zu wenden oder zu versuchen, die Baustelle über den Boettcherweg zu umfahren. Erschwerend kam hinzu, dass die Umleitungsschilder erst im Laufe des Vormittags aufgestellt wurden. „Da hat es offenbar einen Zahlendreher in der Anweisung für die Baufirma gegeben“, sagte Tilo Koller vom Ingenieurbüro Arndt Idc, der den Ausbau betreut. Die Schilder hätten gestern um 5 Uhr aufgestellt sein sollen, „doch als ich gegen 8.30 Uhr da war, stand noch nichts“. Die Folge sei „ein riesen Chaos“ gewesen, sagte Koller. Ortskundige hätten halbwegs Bescheid gewusst, aber viele Autofahrer hätten ihn angesprochen und gefragt, wo sie langfahren müssen. Er habe veranlasst, dass die Schilder aufgestellt werden – was bis mittags zumindest in Heede auch der Fall war. Die Schilder sollen allerdings „großräumig stehen“, sagte Koller und kündigte an: „Ich werde mir das morgen noch einmal angucken.“

Etliche Autofahrer, die von Norden kamen und vor der Absperrung umdrehten, versuchten anschließend, über den Dr.-Schroff-Weg oder den Sielberg zu fahren – beides Sackgassen. Viele derjenigen, die von Süden kamen, fuhren vom Schusterring in den Böttcherweg – ebenfalls eine Sackgasse – und versuchten dann, über das Betriebsgelände der Firmen Drehnorm und Grimm Ladenbau in den Sielberg zu fahren. Doch das misslang: Sie landeten vor einer Schranke. „Ein paar Lkw haben wir durchgelassen, weil die schlecht wenden können, aber Autos dürfen nicht durch“, sagte Grimm-Geschäftsführer Kai Tietgens. Es sei morgens „etwas chaotisch gewesen“, sagte er – was wohl auch an der fehlenden Beschilderung gelegen hätte: „Plötzlich war die Straße zu. Es wäre charmant, wenn es besser ausgeschildert wäre, vor allem für die nicht Ortskundigen.“ Die 43 Mitarbeiter seien über den Sielberg – ebenfalls eine Sackgasse – zur Firma gefahren. Trotz der Widrigkeiten sei er „froh, dass die Straße gemacht wird“, so Tietgens.

Auch Patrizia Sztanka, Vertriebsleiterin der Firma Drehnorm, die am Böttcherweg liegt, berichtete von zahlreichen Autofahrern, die auf dem Gelände wendeten. Viele der etwa 40 Mitarbeiter, die aus Richtung Norden kommen, müssten den weiten Umweg über Bevern und Heede in Kauf nehmen. „Eine Kollegin, die heute in der Innenstadt Post geholt hat, hat dafür statt zehn Minuten eine Stunde gebraucht.“ Sie selbst sei von der Baustelle etwas überrascht worden. „Eigentlich sollte es ja schon am Montag losgehen, und dann war noch nichts, und ich dachte, hach, das ist ja entspannt“, berichtete sie schmunzelnd – bis es dann gestern anders war. Laut Koller hatten sich die Arbeiten verzögert, weil der Abschnitt am Spitzerfurth am Freitag wegen des Wetters nicht fertig geworden sei. „Das wollen wir aber aufholen“, sagte er.

Sie hoffe, „dass es schnell vorangeht“, sagte Sztanka. „So lange müssen wir uns da durchbeißen.“ Silke Kruse, die bei den Stadtwerken arbeitet, in Heede wohnt und täglich nach Barmstedt zur Arbeit fährt, hat aus der Not eine Tugend gemacht: Sie ist aufs Fahrrad umgestiegen. Es sei zwar etwas umständlicher, „weil man nicht mal eben schnell noch zum Einkaufen fahren kann“, aber „immer noch besser, als wenn ich mit dem Auto den riesen Umweg fahren müsste“. Kollegen aus Quickborn oder Norderstedt würden das notgedrungen in Kauf nehmen. „Und eine andere Kollegin stellt ihr Auto bei uns ab und steigt dann aufs Fahrrad um.“ Sie selbst sei die etwa 2,5 Kilometer lange Strecke schon am Montag geradelt, sagte Kruse, „weil es ja hieß, dass die Arbeiten dann schon anfangen sollten“. Das sei auch der Grund für das Chaos gestern gewesen, meint sie. „Viele haben wohl gedacht, gestern war ja frei, dann versuche ich es heute auch noch mal.“

Einige Autofahrer strandeten kurz vor der Baustelle auf der Aral-Tankstelle an der Hamburger Straße. „Es haben sich einige nach dem Weg erkundigt“, sagte eine Mitarbeiterin. Sie selbst habe auch einen „ziemlichen Umweg“ fahren müssen, „aber mit dem Fahrrad macht es bei diesem Wetter echt keinen Spaß“. Es sei zwar weniger los als sonst, „aber wir öffnen wie gehabt von 5 bis 22 Uhr“. Das vor kurzem neu eröffnete Bistro an der Hamburger Straße hingegen zog Konsequenzen: Gestern und heute ist es wegen der Baustelle geschlossen.

 

Heinz Brandt, Amtsdirektor des Amts Rantzau, der aus Hemdingen kommt, wurde gestern Morgen ebenfalls von der Baustelle überrascht. „Am Montag kam man ja noch durch, aber gestern sah ich dann schon aus der Ferne die Baken und stand dann quasi vor verschlossener Tür“, berichtete er. Er sei dann umgedreht und über Bevern gefahren. Das sei zwar weit, „aber der Ziegeleiweg ist ja nur für Anlieger frei“. Mit dem Fahrrad zu fahren, habe er sich zwar überlegt, sagte Brandt. „Aber das Problem ist, dass mein Fahrrad an der Ostsee steht. Und bei Regen würde ich es eh nicht machen.“ Mit dem Auto brauche er normalerweise „fünf bis sechs Minuten“, über Bevern sei der Weg etwa doppelt so lang. „Aber das lässt sich halt nicht ändern, da muss man mal durch.“ Demnächst habe er zwei Wochen Urlaub, „und danach überlege ich nochmal, wie es vielleicht doch mit dem Radfahren geht“. Ingenieur Koller geht davon aus, dass sich die Lage bald entspannt. „Das war heute der erste Tag. Das wird sich einspielen“, sagte er gestern.

Der innerörtliche Ausbau der L75 in Barmstedt hat Anfang April begonnen. Die Arbeiten sind in sechs Abschnitte unterteilt. Zuletzt war die Strecke zwischen dem Kreisel an der L110 und dem Ede-Menzler-Weg gesperrt. Er sollte am Freitag fertig sein, musste aber laut dem betreuenden Ingenieurbüro wegen des Wetters auf Montag verschoben werden. Seit gestern wird der Bereich zwischen Hans-Dössel-Weg und Schusterring saniert. Die Arbeiten sollen zwei Wochen dauern. Von Dienstag bis Montag, 8. bis 28. August, soll der Abschnitt zwischen dem Schusterring und der Hoffnunger Chaussee folgen. Seit gestern bis zum 6. September ist der Bereich zwischen Ede-Menzler-Weg und Kampstraße gesperrt. Die Umleitung erfolgt  über Hemdingen und Ellerhoop (L195/L110).
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erstellt am 26.Jul.2017 | 14:00 Uhr

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