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Barmstedt/Prisdorf : „Es laufen eindeutig zu viele bei Rot über die Gleise“

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Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Im Kreis Pinneberg steht besonders der Prisdorfer Übergang im Fokus.

shz.de von
erstellt am 14.Nov.2015 | 15:00 Uhr

Barmstedt/Prisdorf | Die Ampel schaltet auf Gelb, als sich die Frau mit ihrem Hund dem Bahnübergang in Barmstedt nähert. Vor der noch geöffneten Schranke bleibt sie kurz stehen. „Los jetzt“, sagt sie, als die Ampel auf Rot schaltet. Schnellen Schritts überquert sie mit ihrem Hund das Gleis – gerade noch, bevor sich hinter ihnen die Schranke senkt. „An den Bahnübergängen Nappenhorn und Brunnenstraße sind Schranken, und trotzdem sieht man Leute, die vor fahrenden Zügen um die Schranken laufen“, schreibt auch ein Leser dieser Zeitung.

Er reagiert damit auf einen Artikel in der Barmstedter Zeitung, der sich mit den neuen Schrankenanlagen am Bornkamp und an der Waldstraße/Beim Reihergehölz befasst. Auch Mütter mit Kindern würden Rotlicht und Schranken ignorieren. „Und am Ende ist wieder die Bahn Schuld“, schreibt er.

Wie groß ist das Problem der Rotlichtverstöße an Bahnübergängen? „Es ist kein Massenphänomen, aber es laufen eindeutig zu viele Menschen bei Rot über die Gleise“, sagt Polizeisprecherin Sandra Mohr. Und jeder Verstoß sei schwerwiegend. „Es ist ein Thema, das uns beschäftigt“, berichtet auch Christiane Lage-Kress, Pressesprecherin der AKN und der Nordbahn. „Unsere Fahrer melden uns regelmäßig Verstöße. Es ist uns ein Anliegen, dass sich die Verkehrsteilnehmer an die Regeln halten“, so Lage-Kress.

Polizei: Die Dunkelziffer ist riesig

Die Zahl der Rotlichtverstößen an Bahnübergängen im Kreis Pinneberg sei schwierig zu ermitteln, berichtet die Polizei. „Außerdem ist die Dunkelziffer riesig“, gibt Mohr zu bedenken. Auch die AKN führe keine Statistik, so Lage-Kress. „Wir tauschen uns aber mit der Polizei aus, die dann Schwerpunktkontrollen durchführen.“ Das war Anfang des Jahres zum Beispiel am Bahnübergang Kaltenkirchen-Süd der Fall.

Im Kreis Pinneberg stehe der Bahnübergang in Prisdorf besonders im Fokus, berichtet Polizeisprecher Nico Möller. Dort seien die Ermittler mit einem Videowagen im Einsatz. „Das hat sich herum gesprochen“, so Möller. Eine der Kontrollen führten die Polizisten am 3. März dieses Jahres in ziviler Kleidung durch. Das Ergebnis sei erschreckend gewesen, teilte die Polizei damals mit. In nur eineinhalb Stunden seien fünf Personen vor den Augen wartender Kinder und trotz geschlossener Schranke und Rotlichts über die Gleise gelaufen, so Mohr. Eine Frau sei nach dem Passieren der geschlossenen Schranke direkt vor den Gleisen beinahe gestürzt. Auf die Nachfrage der Polizeibeamten, was dabei alles hätte passieren können, entgegnete die Frau: „Das geht Sie doch nichts an, wenn ich dann tot bin.“ Jeder Verstoß war mit 350 Euro Bußgeld geahndet worden.

Gefahr für Passagiere des Zuges

Man bringe bei einem Rotlichtverstoß nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr, sagt Mohr. „Notbremsungen von Zügen sind gar nicht so selten, gerade bei der AKN.“ Dabei könnten Passagiere verletzt werden. Wenn es zum Unfall mit Fußgängern sowie Rad- oder Autofahrern komme, würden diese meist tödlich verlaufen, ergänzt Möller.

Nach Einschätzung von Lage-Kress sind Rotlichtverstöße an Bahnübergängen kein alleiniges Problem von Nebenbahnen – wie sich am Beispiel Prisdorf zeigt. „Wir versuchen, Verkehrsteilnehmer schon früh zu sensibilisieren – zum Beispiel mit Veranstaltungen in Schulen wie in Quickborn.“ Die Polizei kontrolliere stichprobenartig immer wieder Bahnübergänge, teils auch gezielt, so Mohr. Wie Mitarbeiter der AKN gehen auch Polizisten in Schulen, um über die Gefahr an Bahnübergängen aufzuklären. „Die Situation dort ist für Außenstehende nicht immer einsehbar“, sagt Lage-Kress zum Beispiel mit Blick auf die Geschwindigkeit des Zuges.

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