Mit Kommentar : Es bleiben die Schäden und der Müll

In der Barmstedter Innenstadt wurde nahe des Schusterjungen ein Mülleimer in die Luft gesprengt. Auch Telefonzellen sind während der Silvesternacht beschädigt worden.
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In der Barmstedter Innenstadt wurde nahe des Schusterjungen ein Mülleimer in die Luft gesprengt. Auch Telefonzellen sind während der Silvesternacht beschädigt worden.

Bilanz der Silvesternacht in Barmstedt: Zerstörte Automaten, Mülleimer und Telefonzellen. Die Bauhof-Mitarbeiter müssen nach Neujahr stundenlang aufräumen.

shz.de von
03. Januar 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Gesprengte Zigarettenautomaten, zerstörte Telefonzellen und haufenweise Müll: Die Silvesternacht hat in Barmstedt deutliche Spuren hinterlassen. Die Polizei musste rund um den Jahreswechsel zu zahlreichen Einsätzen ausrücken, berichtete Stationsleiter Sascha Schmidt. Verletzte aufgrund von Pyrotechnik habe es aber keine gegeben.

Gestern waren dann vor allem die Mitarbeiter des Barmstedter Bauhofs gefordert: Ihre ersten Arbeitsstunden im neuen Jahr mussten sie damit verbringen, das Stadtgebiet von Raketen- und Böller-Resten zu befreien. Gerade auf dem Marktplatz hatten sie dabei jede Menge zu tun. „Es war so ein gewaltiger Dreck“, sagte Stadtsprecher Wolfgang Heins über das Ausmaß des Mülls, der nachts hinterlassen worden war. Beschädigungen am Rathaus habe es aber nicht gegeben.

In Teilen der Stadt gab es dafür umso größere Schäden: In der Bahnhofstraße (wir berichteten) und am Holstenring wurden laut Polizei Zigarettenautomaten gesprengt. Das Landeskriminalamt (LKA) habe die Ermittlungen wegen Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen aufgenommen, berichtete die Barmstedter Polizei. Die Schäden seien nicht durch handelsübliche Pyrotechnik entstanden, so Stationsleiter Sascha Schmidt. Gestohlen worden dürften eine bislang unbekannte Menge an Bargeld und Zigaretten sein, teilte die Pressestelle der Polizei mit. Wer Hinweise zu den Taten oder auf verdächtige Personen geben kann, wird gebeten sich bei der Barmstedter Polizei unter der Rufnummer (0 41 23) 68 40 80 zu melden.

Weiterhin wurden am Bahnhof und am Roissy-en-Brie-Platz Telefonzellen beschädigt, so Schmidt weiter. An der Ecke Bahnhofstraße/Reichenstraße sprengten Unbekannte einen Mülleimer in die Luft.

Am Silvesterabend löste zudem ein Autofahrer gegen 22.30 Uhr eine Verfolgungsjagd aus, nachdem er wegen einer Verkehrskontrolle in der Königstraße angehalten worden war. „Als die Kollegen ausstiegen, fuhr er plötzlich weiter“, so Schmidt. Über den Kreisel an der Seestraße, durch den er entgegen der üblichen Fahrtrichtung gefahren sei, ging die Fahrt laut Polizei mit überhöhtem Tempo bis in die Innenstadt und die Straße Am Markt. Dort stieg der Fahrer aus und verschwand in einem Gebäude. Er muss nun mit mehreren Anzeigen rechnen. „Eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer gab es nicht“, so Schmidt. Grund dafür sei aber lediglich das schlechte Wetter gewesen, aufgrund dessen viele Menschen an Silvester im Haus geblieben waren.

Drei Minuten vor dem Jahreswechsel gab es einen weiteren Einsatz für die Barmstedter Polizei. Um 23.57 Uhr waren mehrere Streifenwagen wegen einer Auseinandersetzung in die Innenstadt gerufen worden.

Friedlicher sei Silvester in den Dörfern rund um Barmstedt verlaufen. Dort habe es keine Einsätze gegeben, so Schmidt.

Kommentar: So können wir nicht "feiern"

Dichter Rauch zieht durch die Straßen. Explosionen wummern durch die Stadt. Raketen werden aus der Hand abgeschossen. Eine davon fliegt  waagerecht durch die Luft und trifft eine Häuserwand, wo sie  explodiert. Wer bei diesen Szenen an die Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg denkt, liegt falsch. Alles hat sich so abgespielt – aber in der Silvesternacht auf dem Barmstedter Marktplatz und an vielen anderen Orten in Deutschland.

Die Szenen, Schäden und der Müll zeigen: Wir müssen dringend über Silvester reden – und darüber, ob wir weiter so „feiern“ wollen. Als Vorbild könnten  die Niederlande mit städtisch organisierten Feuerwerken und großflächigen Zonen dienen, in denen keine Pyrotechnik erlaubt ist. Die Idee kann nicht eins zu eins  übertragen werden. Aber es wäre der Anfang einer Debatte.

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