zur Navigation springen
Barmstedter Zeitung

14. Dezember 2017 | 11:18 Uhr

"Erstmal will ich Abstand gewinnen"

vom

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2013 | 01:14 Uhr

Barmstedt | 19 Jahre lang hat Nils Hammermann die Barmstedter Verwaltung geleitet. Heute hat er seinen letzten Arbeitstag, bevor er sich abends mit einem Empfang im Humburg-Haus von zahlreichen Wegbegleitern verabschiedet. Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der 56-Jährige auf seine Zeit als Bürgermeister zurück.

Frage: Herr Hammermann, warum wollten Sie Bürgermeister von Barmstedt werden? Hammermann: Ich hatte dieses Amt zunächst nicht angestrebt. In der Position des büroleitenden Beamten fühlte ich mich sehr wohl. Als Personalchef hatte ich die vorherigen Bewerber durch das Haus geführt, aber selbst Bewerber zu werden, kam mir nicht in den Sinn. Als mein Vorgänger Burkhard Repenning 1993 gehen musste, wurde ich von verschiedenen Seiten gefragt, ob ich mir die Nachfolge vorstellen könne. Diesem Wunsch habe ich schließlich zugestimmt. Die fachlichen Voraussetzungen hatte ich mir in der Kreisverwaltung erworben, wo ich 19 Jahre lang in verschiedenen Ressorts Wissen und Erfahrung aneignen konnte. Außerdem war ich im Barmstedter Rathaus bereits heimisch. Wie war der Einstieg? Am 19. März 1991 wurde ich vom damaligen Magistrat zu einem Vorstellungsgespräch um den Posten des büroleitenden Beamten eingeladen. Einer der Mitbewerber und ich standen im strömenden Regen vor dem Rathaus, bis wir endlich eingelassen wurden. Mit einem Kaffee wartete ich bei der Sekretärin Bärbel Priem, bis ich aufgerufen wurde. Nach kurzer Zeit verschwand mein Mitbewerber, und ich wurde vom Magistrat zügig gefragt, wann ich anfangen könnte - der Kaffee war noch nicht einmal kalt. So wurde ich büroleitender Beamter bei der Stadt. Im April 1994 wählte mich die Stadtvertretung dann zum Bürgermeister. Am ersten Arbeitstag wurde ich vom Bauhof mit einem geschmückten Vespa-Car abgeholt und zum Rathaus gefahren. Mit den Kollegen klappte die Zusammenarbeit auf Anhieb. Wie verstanden Sie Ihr Amt? Meine Tür war stets für alle Bürger offen. Ich habe mir Sorgen, Nöte und Ratschläge angehört, auch außerhalb der Sprechstunden. Das Rathaus hat nach meiner Auffassung Dienstleistungscharakter. Dazu gehören unter anderem Trauungen zu jedem gewünschten Termin und bürgerfreundliche Öffnungszeiten. Ansonsten gibt die Politik die Entscheidungen vor, die Mitarbeiter im Rathaus kümmern sich um die verwaltungsmäßige Abwicklung und sorgen dafür, dass die Beschlüsse umgesetzt werden. Wie sieht das in der Praxis aus? Dazu gehören viele Gespräche, Telefonate, Fahrten zur Landesverwaltung nach Kiel, um auch mal Dampf aus einer Sache zu nehmen wie beim Bau des Gymnasiums, auch beschwichtigende Worte, der Versuch, Leute an einen Tisch zu bekommen, wenn es mal hakt, und auch viel Schreiberei - alles, um das gemeinsame Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Welche Entscheidungen waren aus Ihrer Sicht gut, welche weniger? Die Sanierung der Innenstadt mit dem verkehrsberuhigten Bereich, die Modernisierung der Schulen und Sporthallen und der Umzug des Rathauses waren wichtige Entscheidungen. Den Standort für die Marktsäule würde ich nicht noch einmal mittragen. Ich hatte sie mir größer vorgestellt. Nicht immer sind Entscheidungen richtig, aber wichtig ist, dass überhaupt welche getroffen werden. Was konnten Sie nicht leiden? Bürokratische Spitzfindigkeiten. Wenn Dinge nicht vorankamen, ärgerte es mich. Ich arbeite handlungsorientiert, zielgerichtet und manchmal auch pragmatisch. Ihr Resummée? Den Schritt ins Bürgermeisteramt habe ich nie bereut. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich war mit Leib und Seele Bürgermeister, es war eine schöne Zeit, und mein Leben war, auch wenn ich nicht im Ort wohnte, doch nach Barmstedt ausgerichtet. Das Amt hätte ich ohne die Unterstützung meiner Familie nicht so gut ausüben können. Das Privatleben hat sich immer den Themen der Stadt Barmstedt untergeordnet. Für das große Verständnis bedanke ich mich bei meiner Frau und den Kindern. Es haben sich wertvolle Freundschaften entwickelt. Mit Michael Schönfelder [FWB-Fraktionschef und von 2003 bis 2013 stellvertretender Bürgermeister, Anm. d. Red.] verbinden mich 19 Jahre gemeinsames Arbeiten und ein gewachsenes Vertrauensverhältnis. Auf ihn konnte ich mich immer verlassen. Gegenwind gibt es immer, aber der Rückhalt in der Bevölkerung und in der Politik tat gut und war eine Bestätigung der Arbeit in der Verwaltung. Wie sieht Ihr Leben danach aus? Ich werde mich in Ruhe umorientieren, neue Herausforderungen suchen und wieder mehr Sport treiben. Die Jugend ist mir wichtig, deshalb bin ich Gesamtjugendleiter im Liether Sportverein. Aber zunächst will ich nach 41 Dienstjahren von meiner jetzigen Tätigkeit Abstand gewinnen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen