In zwei Jahren wird neu geprüft : Erfolgreich integriert: Muhammad Azizi darf vorerst in Barmstedt bleiben

Beate Raudies (links) und Heike Döpke setzten sich dafür ein, dass Muhammad Azizi in Deutschland bleiben darf.
Beate Raudies (links) und Heike Döpke setzten sich dafür ein, dass Muhammad Azizi in Deutschland bleiben darf.

Der 32-Jährige aus Afghanistan lebt seit 2013 in Barmstedt. Hier studiert er Sozialökonomie in Hamburg.

shz.de von
29. Mai 2018, 16:00 Uhr

Barmstedt | Große Freude bei Muhammad Azizi: Der 32-jährige Afghane, der seit vier Jahren in Barmstedt lebt, darf vorerst in Deutschland bleiben. Die Härtefallkommission des Landes habe seinem Antrag auf ein dauerhaftes Bleiberecht im März zugestimmt, wie Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) und die Elmshorner SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies am Montag während eines Pressegesprächs berichteten. Die Erleichterung über die positive Entscheidung war Azizi deutlich anzumerken. Für ihn gehe eine lange Zeit der Ungewissheit zuende, sagte er. „Ich war immer von der Abschiebung bedroht.“

Lebenslauf und Engagement überzeugt

Bevor die Kommission über Azizis Fall beriet, hatte das Bundesamt für Migration (Bamf) bereits zwei seiner Anträge auf ein Bleiberecht abgelehnt, berichtete Raudies. In seiner Verzweiflung wandte Azizi sich schließlich an Döpke. „Ich wusste nicht mehr weiter und bin deshalb im Januar in ihre Sprechstunde gegangen“, sagte er. Sie habe die Entscheidungen des Bamf nicht nachvollziehen können, sagte Döpke. „Herr Azizi lebt seit mehr als vier Jahren in Barmstedt, ist hier gut integriert und engagiert sich als Dolmetscher in der Flüchtlingshilfe“, berichtete sie. Zudem habe er sich „von Anfang an um eine gute Integration bemüht, schnell Deutsch gelernt und ein Studium aufgenommen“, wie Raudies ergänzte. Sie hatte durch Döpke von dem Fall erfahren und den Antrag an die Härtefallkommission unterstützt. „Er hat mich durch seinen Lebenslauf und sein Engagement überzeugt“, sagte sie. Die positive Entscheidung sei dennoch nicht selbstverständlich gewesen, erklärte sie: „Die Kommission lehnt auch mal jemanden ab.“

Azizi stammt aus Kabul, wo er mit seinen Eltern und Geschwistern lebte. Doch das Leben in Afghanistan sei „sehr begrenzt“, sagt er. Seine Lage sei zudem bedrohlich geworden, weil er im Rahmen seiner Arbeit bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auch für internationale Organisationen tätig gewesen sei – was in Afghanistan sehr riskant sei. 2012 beschloss er zu fliehen.

Deutschkurs auf eigene Kosten

Im Dezember 2012 kam Azizi in Deutschland an. Zunächst lebte er drei Monate lang in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster, anschließend acht Monate in der Asylbewerberunterkunft in Langeln. „Da habe ich immer nach Deutschkursen gefragt“, erzählte er. Doch so einfach sei es nicht gewesen, und schließlich habe er auf eigene Kosten an seinem ersten Kursus teilgenommen.

Ende 2012 zog Azizi nach Barmstedt um. Auch mit Hilfe seiner deutschen Freunde verbesserte er schnell seine Sprachkenntnisse, so dass er bald ehrenamtlich als Dolmetscher im „Leuchtturm“ und für die Elmshorner Caritas arbeiten konnte. Seit kurzem studiert er in Hamburg Sozialökonomie – und jobbt nebenbei für einen Pizzadienst, um etwas Geld zu verdienen.

Zwei weitere Jahre darf Azizi jetzt bleiben; dann wird über seinen Aufenthaltsstatus neu entschieden. Er wolle gern in Deutschland bleiben, sagt er. „Mein Bruder und meine Schwester leben auch hier.“ Sein nächstes Ziel ist aber ein anderes: Er will seinen Führerschein machen. Die theoretische Prüfung hat er bereits bestanden.

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