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Auftritt in der Kulturschusterei : „Erdogan macht auch kein Yoga“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kerim Pamuk begeistert das Publikum in Barmstedt mit Anekdoten über Türken, Deutsche und Drohnen-Eltern.

Barmstedt | „Muss man alles gut finden, nur weil es neu ist?“ Das hinterfragt Kabarettist Kerim Pamuk in seinem Programm „Selfies für Blindschleichen“, das er auf Einladung des Kulturvereins Pfiff am Freitagabend im Barmstedter Humburg-Haus präsentierte. „Er baut Brücken auf eine Weise, die jeder versteht“, kündigte Rolf Klose den mit sehr viel Humor ausgestatteten Künstler an. Mit einem Augenzwinkern erzählte Pamuk über Infektionen, die die Kinder aus dem Kita-Alltag mit nach Hause bringen, von „Mami-Drohnen“, die über den Köpfen ihrer Kinder schweben, und wie die Geburtstagsfeiern der Kleinen zu einer Leistungsschau werden. „Geburtstage sind die Cebit der Eltern“, erklärte er nüchtern.

„Früher lernten die Kinder von uns. Heute lernen wir von unseren Kindern“, stellte Pamuk fest – denn anstatt zurück zu hauen, habe sein Sohn bei einem Schulstreit Yoga gemacht. „Damit komme ich nicht klar. So sind wir Türken nicht. Erdogan macht auch kein Yoga in seinem Palast“, so Pamuk, der die Reaktion seines Sohnes als „Integrationsschatten“ interpretierte.

Pamuk fand gekonnt die Übergänge von einem Thema ins nächste. Er verglich Türken und Japaner beim Museumsbesuch und stellte fest, dass die Japaner keine Kunstbanausen seien, da sie die Sehenswürdigkeiten fotografierten und nicht nur Selfies machten wie die Türken. Ausführlich erörterte Pamuk das Leben mit einem Smartphone und wie sich dadurch die Welt verändert habe. Er lebt den Traum von einem handyfreien Tag. „Dann habe ich morgens gute Laune und keinen Kreislauf“, rief er.

„Es gefällt mir sehr. Er hat alles gut beobachtet. Es ist tiefgründig und regt auch zum Nachdenken an“, meinte Sabine Jülich, Leiterin der Barmstedter Stadtbücherei. „Unerschöpfliche Themen, aktuell und sehr unterhaltsam“, fand auch Gudrun Heinrich aus Hamburg. „Er ist sehr authentisch“, sagte der Elmshorner Holger Jermies, und auch die Barmstedterin Ute de Jong war begeistert: „Er nimmt seine türkische Seite genauso auf die Schippe wie die deutsche. Mit viel Gefühl trifft er genau den Punkt, ohne verletzend zu sein.“

Ohne Zugaben ließen die 80 Zuschauer Kerim Pamuk nicht gehen, und so präsentierte der Kabarettist noch einige Anekdoten aus seinem neuesten Buch: „Der Islam, Das Islam, Was Islam?“ Dem Publikum verriet er noch, dass er nicht – wie die meisten Menschen – immer jung bleiben möchte. „Ich will ein alter Sack von 80 werden. Da freue ich mich drauf. Wenn meine Kinder sich dann um mich kümmern müssen, wenn ich ausbüxe und alles verlege“, sagte er schmunzelnd und bedankte sich beim Pfiff-Team, dass er wieder in Barmstedt auftreten durfte.

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