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Papier-Schmidt in Barmstedt : „Er stand in der Tür und rief: ‚Hier ist Feuer!‘“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Ein Nachbar half dem Eigentümer aus dem brennenden Gebäude. Die Kripo beschlagnahmte die Brandruine.

Barmstedt | „Ich habe nur die Sirenen gehört und mich noch gewundert, wo die alle hinfahren“, sagt Nicole Vester (Name geändert). Als die Martinshörner immer näher kommen und um 16.45 Uhr vor ihrem Haus an der Gebrüderstraße verstummen, rennt sie vor die Tür – und sieht: überall Feuerwehr. Und Qualm, der aus dem Dach des benachbarten Papiergroßhandels quillt. „Erst war es fast nichts. Dann ging es auf einmal richtig los“, sagt Vester. Kurz darauf steht ein riesiger Rauchpilz über dem Gebäude. Explodierende Eternitplatten fliegen wie Konfetti durch die Decke.

„Anfangs war die Lage unklar“, sagte Barmstedts Wehrführer Uwe Schinkel später. „Es gab Verrauchungen, aber kein offenes Feuer. Irgendwann qualmten die Platten.“ Die Einsatzkräfte fuhren die Drehleiter aus, um das Feuer von oben bekämpfen zu können. Nach den Feuerwehren Barmstedt und Lutzhorn, die zuerst am Einsatzort eintrafen, wurden die Wehren aus Groß Offenseth und Bokholt-Hanredder zur Unterstützung gerufen. Später wurden eine zweite Drehleiter aus Quickborn sowie die Wehren aus Hemdingen und Bevern angefordert. Insgesamt waren etwa 130 Brandbekämpfer im Einsatz.

Die Polizei – die mit zwei Beamten vor Ort war – hatte alle Hände voll zu tun, die zahlreichen Schaulustigen zurückzuhalten. „Katastrophentourismus“, stellte der ebenfalls anwesende Kreiswehrführer Bernd Affeldt fest. Schwächte aber ab: „Das hatten wir schon schlimmer.“

Nach zweieinhalb Stunden hatten die Einsatzkräfte den Brand schließlich unter Kontrolle. „Zurzeit steigt nur noch weißer Rauch auf“, meldete Feuerwehrsprecher Dennis Renk um 19.15 Uhr. Es sei „ein Bild wie aus dem Zweiten Weltkrieg“ gewesen, meinte ein Anwohner, der gegen 18.30 Uhr nach Hause gekommen war, vor der Absperrung stehen blieb und sich über das riesige Aufgebot an Feuerwehrautos, Rettungswagen und Einsatzkräften wunderte.

Firmeneigentümer Roland Schmidt war in seinem Büro, als das Feuer ausbrach. „Ich hatte telefoniert, als es plötzlich merkwürdig roch“, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Erst sei es „nur ganz leichter Qualm“ gewesen. Er habe daraufhin nach dessen Quelle gesucht – und sei im Vorraum fündig geworden. „Da kam es durch die Decke.“ Geholfen wurde Schmidt – der auf einen Rollator angewiesen ist – von einem Nachbarn. „Er stand an der Tür und rief: ,Hier ist Feuer’“, erzählte Günter Krohn, der gerade im Garten arbeitete. Ein anderer Nachbar habe Schmidt daraufhin aus dem Gebäude begleitet und die Feuerwehr alarmiert.

Wie das Feuer entstanden sei, könne er sich nicht erklären, sagte Schmidt, der den Betrieb 1958 von seinem Vater übernommen hatte. Und wie es mit dem zerstörten Gebäude – die Polizei schätzt den Schaden auf 100.000 Euro – weitergehe, wisse er auch nicht. „Aber wir können unser Geschäft auch woanders machen.“

Barmstedts Bürgervorsteher Christian Kahns (FWB) war um 17 Uhr gerade nach Hause gekommen, als er von seinem Sohn – der beim THW aktiv ist – erfuhr, was passiert war. „Da bin ich in meine Klamotten gesprungen und hergefahren, um mir ein Bild von der Lage zu machen“, berichtete er – und habe erleichtert feststellen können, „dass niemand zu Schaden gekommen ist“.

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erstellt am 14.Mai.2014 | 10:09 Uhr

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