„Autoscooter für Erwachsene“ : Elmshorner bereitet sich auf das Stockcar-Rennen in Langeln vor

Ulf Dibbern überprüft die Batterie es Polo: Mit dem Wagen will der 27-Jährige demnächst beim Langelner Stockcar-Rennen an den Start gehen. Zuvor muss das Auto aber umgebaut werden. Außerdem soll der VW weiß lackiert werden.
Ulf Dibbern überprüft die Batterie es Polo: Mit dem Wagen will der 27-Jährige demnächst beim Langelner Stockcar-Rennen an den Start gehen. Zuvor muss das Auto aber umgebaut werden. Außerdem soll der VW weiß lackiert werden.

Ulf Dibbern aus Elmshorn schraubt an seinem Polo, um ihn für das Rennen am 25. August fit zu machen.

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01. August 2018, 12:30 Uhr

Langeln/Elmshorn | „Da hinten gehen meistens die ersten Treffer rein“, sagt Ulf Dibbern. Der 27-Jährige steht neben einem VW Polo 86c, einem günstigen, aber robusten Kleinwagen aus den frühen 90er-Jahren, und zeigt auf einen der hinteren Kotflügel. Im Rennen zielten andere Fahrer genau auf diese Stelle, um den Wagen zu drehen und dafür Punkte zu erhalten. Rennen? Punkte? Mit einem alten Polo? Dibbern ist einer von zahlreichen Fahrern, die am Sonnabend, 25. August, am Stockcar-Rennen in Langeln teilnehmen. Etwa zehn Starter werden dort pro Lauf jeweils in fünf Klassen auf die Rennstrecke gehen. Jede Menge Blechkontakt ist dabei vorprogrammiert: Es gewinnt nicht der Fahrer, der als erster durchs Ziel rollt, sondern derjenige, der die meisten Punkte ergattert. Und die gibt’s unter anderem für das Drehen oder auf das Dach legen anderer Fahrzeuge. Und das bedeute vor den Rennen jede Menge Arbeit, sagt Dibbern.

Schubsen, drängeln, stoßen: Auf der Piste geht es mitunter hart zur Sache.
Foto: Siegfried Schilling
Schubsen, drängeln, stoßen: Auf der Piste geht es mitunter hart zur Sache.

Das Stockcar-Rennen in Langeln sei wie Autoscooter für Erwachsene, erzählt der Elmshorner lachend. Seit neun Jahren sei er bereits dabei und damit schon „ein alter Hase“. Eine Woche vor dem Rennen gehe es so richtig los: Dann verwandle sich der Polo in ein waschechtes Stockcar. „Alle Scheiben müssen raus“, sagt Dibbern. Auch Plastik- und Zierteile, Griffe, Radkappen und vieles mehr müssten verschwinden. „Es bleiben nur Blech, das Lenkrad und vier Reifen.“ Da, wo mal die Fenster waren, werden Gitter montiert, damit nichts in die Fahrgastzelle eindringen kann. Außerdem ist ein Überrollkäfig Pflicht. „Und dann fehlt noch eine ordentliche Stoßstange vorn und hinten.“

Alle Maschinen parat

Auf den Umbau ist der Elmshorner bestens vorbereitet. „Ich habe Eltern, die das mitmachen“, sagt er schmunzelnd. Und als gelernter Schlosser „ist Metall mein Leben“. In der Werkstatt auf dem Gelände des Hofes stehen alle notwendigen Maschinen parat. Zudem werde er von der Firma Kock, bei der Renn-Mitorganisator Patrick Kühn arbeitet, gesponsert. „Die finanzieren das ein bisschen. Aber ich verdiene damit nix. Letztlich kostet alles eher.“ Für Auto und Material rechne er in der Regel mit Kosten zwischen 300 und 500 Euro, 150 Euro seien für ihn die Obergrenze beim Fahrzeug. Häufig wechsle aber auch ein Wagen, der keinen Tüv mehr bekomme, für eine Kiste Bier den Besitzer.

Ulf Dibbern am Steuer seines VW Polo: Mit dem Wagen will der 27-Jährige demnächst beim Langelner Stockcar-Rennen an den Start gehen. Zuvor muss das Auto aber umgebaut werden. Außerdem soll der VW weiß lackiert werden.
Christian Uthoff

Ulf Dibbern am Steuer seines VW Polo: Mit dem Wagen will der 27-Jährige demnächst beim Langelner Stockcar-Rennen an den Start gehen. Zuvor muss das Auto aber umgebaut werden. Außerdem soll der VW weiß lackiert werden.

Trotz des großen Spaßes, der ihm der Rennsport mache, achte er sehr genau darauf, dass sich die Kosten im Rahmen bewegen, betont Dibbern. Teile wie die Stoßstangen aus den Vorjahren verwende er wieder. Auch sei er mit demselben Auto ein Jahr später wieder an den Start gegangen, wenn die Schäden nicht zu groß waren. „Bis die Schrottpresse uns scheidet“, sagt Dibbern.

Gegenseitiger Respekt

Im Fahrerlager herrsche unter den Fahrern viel gegenseitiger Respekt und es gebe untereinander Hilfsangebote, betont der Elmshorner. Auf der Strecke gehe es aber mitunter hart zur Sache. „Ein gewisses Risiko ist schon dabei“, erläutert Dibbern. „Das ist Rennsport. „Da macht man auch lieber mal eine Stütze mehr in den Käfig des Autos rein. Das ist dein Schutz gegen die anderen Fahrzeuge.“ Auf keinen Fall dürfe man an der falschen Stelle sparen, betont Dibbern. Ziel des Rennens ist es, so viele Punkte wie möglich zu sammeln. Jeder Fahrer habe dafür seine eigenen Tricks. Letztlich gehe es aber nicht unbedingt um den Sieg, sondern um die Ehre und darum, gemeinsam Spaß zu haben.

Die Rennstrecke hat ungefähr die Form eines Ovals. Die Zuschauer stehen in sicherem Abstand.
Foto: Stockcar-Team Langeln
Die Rennstrecke hat ungefähr die Form eines Ovals. Die Zuschauer stehen in sicherem Abstand.

Erfahrung und Know-how habe er in den vergangenen Jahren viel gesammelt, berichtet Dibbern. Unter anderem war er schon mit einem Achtzylinder-Mercedes in der höchsten Klasse am Start. 270 PS hatte der Wagen, wobei man die Kraft auch auf den Boden bringen muss, wie Dibbern betont. Mit dem Polo startet er nun wieder in der kleinsten Klasse, denn „da macht es mir am meisten Spaß“. Die größeren Wagen seien automatisch schwerer und bräuchten längere Wege, um Fahrt aufzunehmen. „Beim Polo weiß ich auch, was ich machen muss.“ Und da sieht Dibbern auch ein kleines Problem für die Zukunft: In den neueren Fahrzeugen sei immer mehr Elektronik verbaut, wohingegen beim Polo noch jedes Kabel einzeln gezogen sei. Die Zahl dieser Wagen nehme aber ab. Was ein Elektronik-Problem für Schwierigkeiten mache, habe er selbst erlebt. „Einmal habe ich mit einem Porsche 924 – der Wagen war durchgefault – nur eine halbe Runde geschafft. Ich habe einen großen Crash gebaut und den Relaisschalter nicht gesehen. Der war danach kaputt.“ Da das Bauteil nicht überbrückbar war und ein Ersatzteil in diesem Augenblick nicht griffbereit war, musste er das Rennen aufgeben. „Es spielen eine Menge Faktoren mit rein“, sagt der Elmshorner. „Auf jeden Fall muss man Glück haben.“ Im vergangenen Jahr habe er Rang zwei im Zerstörungsrennen belegt, 2016 in seiner Klasse gewonnen.

Unterstützung von den Schrauber-Jungs

Unterstützt wird Dibbern von seinem Team. „Meine Schrauber-Jungs sind schon heiß. Die machen da alles freiwillig.“ Und auch die Veranstalter lobt Dibbern: „Es wird von Jahr zu Jahr schwerer, das Event auszurichten. Es gibt mehr Auflagen und immer mehr Aufwand. Aber sie machen das klasse. Sie bringen Leben ins Dorf und sorgen für Stimmung.“

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