13. Teil unserer Luftbildserie : Ellerhoop: Hier spielt die Musik

Von oben wird deutlich, dass Ellerhoop wächst: Im Neubaugebiet Grothkamp (vorn) entstehen zahlreiche Einfamilienhäuser. Im Hintergrund ist der alte Dorfkern zu sehen.
Von oben wird deutlich, dass Ellerhoop wächst: Im Neubaugebiet Grothkamp (vorn) entstehen zahlreiche Einfamilienhäuser. Im Hintergrund ist der alte Dorfkern zu sehen.

Tania Jagla bringt mit dem „Knopf“ Kultur in die Gemeinde und will die Waldbühne wieder zum Leben erwecken.

Avatar_shz von
22. Oktober 2019, 16:00 Uhr

Ellerhoop | Im Zuge unserer Luftbildserie stellen wir zweimal pro Woche Orte aus der Region in den Mittelpunkt. Heute erzählt Tania Jagla, warum Ellerhoop ihr Zuhause ist.

In den letzten Jahrzehnten bildete in Ellerhoop das Gelände um die Grundschule und den Kindergarten den Ortskern.

Die Grundschule und der Kindergarten (Mitte) bilden das Zentrum der Gemeinde.
Hans-Joachim Kölln
Die Grundschule und der Kindergarten (Mitte) bilden das Zentrum der Gemeinde.
 

So nach und nach verschiebt sich die Dorfmitte Richtung Feuerwache und Dorfgemeinschaftshaus. Das hat auch etwas mit den Aktivitäten von Tania Jagla zu tun. Zusammen mit ihrer Familie bemüht sie sich seit einigen Jahren darum, Kultur in die Gemeinde zu bringen, und seit 2016 betreibt sie Das Knopf an der Dorfstraße.

Gemütlich eingerichtet: Tanja Jagla im Das Knopf, das sie mit ihrem Ehemann gebaut hat und betreibt.
Peter Jaster

Gemütlich eingerichtet: Tanja Jagla im Das Knopf, das sie mit ihrem Ehemann gebaut hat und betreibt.

 

 „Ich war immer schon viel im Kulturleben unterwegs und habe mich daran gestört, wie mit den Gästen umgegangen wird. Da habe ich gedacht, das kann ich besser, netter und aufmerksamer“, sagt Jagla und ergänzt: „Einen Laden mit Leben zu füllen und jeden Gast zu umsorgen, das fehlte mir immer. Ich spiele schon mein Leben lang gern Theater, und mein Mann Sven ist Hobbymusiker. Da kam bei uns eines Tages die Idee auf: Warum nicht eine eigene Bühne, und das im eigenen Ort?“

2015 hätten sie und ihr Mann mit dem Bau des Knopf begonnen und es 2016 eröffnet, erzählt Jagla.

Wir machen Live-Musik, Theater, Events und private Feiern – so viele Angebote, wie ein Knopf Löcher hat. Darum der Name Tania Jagla
 

Da die Internet-Adressen „Der Knopf“ und „Knopf“ schon besetzt gewesen seien, hätten sie ihr Haus „Das Knopf“ genannt. „Für mich ist es einer der schönsten Plätze im Ort“, sagt die Betreiberin. Und die Rückmeldungen zeigten ihr, dass es ankomme. „Die Besucher kommen aus Rissen, Wedel und sogar Neumünster, es hat sich etabliert.“

"Das hat mich zu Tränen gerührt"

Ein fester Termin im Knopf ist der Nikolaustag, an dem alle Kinder zum Kino mit Popcorn und Brause eingeladen werden. Und einmal im Monat seien Bewohner eines Seniorenheims zu Gast, sagt Jagla. „Nach dem Kaffeetrinken, zu dem ich plattdeutsche Geschichten lese, wird getanzt. Einmal hat mich ein 100-Jähriger zum Walzer aufgefordert, das hat mich zu Tränen gerührt“, erzählt die begeisterte Laienschauspielerin.

Das ist Ellerhoop

Vor 670 Jahren – 1349 – wurde die Gemeinde Ellerhoop erstmals erwähnt. Heute zählt das 10,8 Quadratkilometer große Dorf  1535 Einwohner. Um 1900 waren es erst 575, die überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren. 1948 stieg die Zahl durch den Flüchtlingsstrom auf 1330. 1912 wurde die Grundschule errichtet, 1907 gründete sich der MTV Ellerhoop, 1923 die Freiwillige Feuerwehr. Weithin bekannt ist die Gemeinde durch das Arboretum – einem etwa 17 Hektar großen Baumpark, von dem etwa 7,5 Hektar der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Ellerhoop liegt inmitten  landwirtschaftlich genutzter Flächen und ist durch Wanderwege mit dem Himmelmoor verbunden. Verkehrstechnisch ist die Gemeinde über die L110, die L75 und die alte B75 an Barmstedt, Elmshorn und die A23 angebunden.

 

Gut erinnert sie sich auch noch an ihren ersten Theaterauftritt in der Grundschule in Bokholt-Hanredder. Sie spielte einen dicken Pfannekuchen so eindrücklich, dass ihr der damalige Schulleiter Walter Rathmann den Originaltext zur Hochzeit schenkte. In der niederdeutschen Ellerhooper Bühne führt Jagla Regie und leitet die Kindergruppe.

Neue Dorfmitte für alle Generationen

Jaglas Haus der Kultur liegt gleich neben der „neuen“ Dorfmitte mit Sportplatz, Beachvolleyball-Plätzen und einem überdachten Treffpunkt für die Jugend. Neben der Senioren-Boule-Bahn sind erste Geräte des Kinderspielplatzes aufgebaut. „Es ist ein Platz für alle Generationen. Ob Sportler, Grundschule, Halfpipe oder die Sonntags-Fußballer: Hier kommen alle zusammen“, sagt Jagla. Abends auf der Terrasse zu sitzen und beim Training zuzusehen, dahinter der Sonnenuntergang: „Schöner geht es für mich nicht.“

Das ist Tania Jagla

Tania Jagla  wurde 1971 in Hamburg geboren. Mit ihrem Ehemann Sven suchte sie einen Wohnort im Grünen und kam so über Elmshorn nach Ellerhoop. Die gelernte Bürokauffrau wohnt nunmehr seit 22 Jahren im Dorf. Ihre beiden Söhne, heute 18 und 20 Jahre alt, wurden dort geboren. Sich am Gemeindeleben aktiv zu beteiligen, ist für die Eheleute Jagla selbstverständlich. Während ihr Mann seit Jahren im Gemeinderat politisch aktiv ist, hat sie zwölf Jahre lang den örtlichen Schulverein geleitet. Heute führt sie mit Monika Krohn gemeinsam Regie in der niederdeutschen Ellerhooper Bühne und leitet die Kindergruppe. Plattdeutsch ist ihre Leidenschaft, und so spielt sie in Seestermühe in der Speeldeel ut de Masch und ist im November mit dem Stück  „Opstand in`t Huus Avendsünn“ zu sehen.

 

Und da sie eine Frau der Tat mit vielen Ideen ist, hat sie noch weitere Pläne für ihren Wohnort: Gemeinsam mit Gemeindearbeiter Oliver Schachtebeck will sie die Ellerhooper Waldbühne wieder zum Leben erwecken. „Das Areal mit See, Rodelberg und einer Bühne mit Sitzplätzen wird seit Jahren nicht genutzt und nicht gepflegt“, sagt Jagla. Früher sei dort in jedem Jahr am Vatertag der Treffpunkt für das ganze Dorf gewesen. Jagla erinnert sich:

Auf der Bühne gab es Musik, und an den Grillplätzen wurde gegrillt. Mit dem Schulverein haben wir ganze Waldstücke gerodet, damit die Kindern den Abhang herunterrodeln konnten. Tanja Jagla
 

Der See sei heute verpachtet, alles andere „verrottet und kaputt. Jetzt wollen wir eine Arbeitsgruppe bilden und es wieder herrichten. Ich kann mir gut vorstellen, auf der Bühne mit unserer Theatergruppe aufzutreten. Auch für Musik wäre es ein guter Ort. Ich sitze oft nach Feierabend am See und lasse den Tag ausklingen. Es ist einfach ein wunderschöner Ort.“

Hier finden Sie alle bisher erschienenen Teile unserer Luftbildserie

Prolog: Hans-Joachim Kölln - So entsteht unsere Luftbildserie

Teil 1: Jan Teegen - Auf den Spuren des alten Barmstedt

Teil 2: Bernd Penns - Sein Herz hängt am Rantzauer See

Teil 3: Siegfried Seidler - Eine Wohlfühloase an der Krückau

Teil 4: Susanne Vogt - Langeln: Ein Dorf, wie ein Dorf sein sollte

Teil 5: Friedrich Pommerening - Osterhorn: Landleben am Dreiländereck

Teil 6: Tim Hauschildt - Heede: Wo die Krückau ihren Lauf nimmt

Teil 7: Volker Kunrath - Bokel: Wo der Liethberg in den Himmel ragt

Teil 8: Wilfried Gülck - Bevern: Im Dorf halten alle zusammen

Teil 9: Corinna Hammen - Bullenkuhlen: Der besondere Charme dörflicher Ruhe

Teil 10: Rainer Ute Harms - Bilsen: Geschichten aus dem „bezaubernden Dorf

Teil 11: Frauke Marx - Westerhorn: Moor-Idylle und lauter nette Menschen

Teil 12: Werner Kock - Lutzhorn: Dorfidylle statt Großflughafen

Teil 13: Tania Jagla - Ellerhoop: Hier spielt die Musik

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen