Eine starke Gemeinschaft

Das Sportgelände des SV Hörnerkirchen  liegt am Rande von Brande-Hörnerkirchen. Auch der Nachbarort Bokel wird noch als Fußballstandort genutzt.  Fotos: Wittmaack
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Das Sportgelände des SV Hörnerkirchen liegt am Rande von Brande-Hörnerkirchen. Auch der Nachbarort Bokel wird noch als Fußballstandort genutzt. Fotos: Wittmaack

SV Hörnerkirchen feiert in diesem Jahr sein 111-jähriges Bestehen / Derzeit zählt der Verein etwa 800 Mitglieder

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12. August 2018, 16:00 Uhr

In diesem Jahr feiert der SV Hörnerkirchen sein 111-jähriges Bestehen. Wobei die markante Schnapszahl ein wenig mit Vorsicht zu genießen ist, denn genau genommen ist das heutige Konstrukt gerade einmal 17 Jahre alt. Bis 2001 dauerte es, dass sich die drei Vorgängervereine, der MTV „Gut-Heil“ Hörnerkirchen, der SC Grün-Weiß Bokel und der TC Hörnerkirchen/Westerhorn zusammen schlossen. Doch entscheidend ist das Gründungsjahr des MTV Hörnerkirchen, der 1907 von einer Gruppe sportbegeisterter Männer ins Leben gerufen wurde. Anders als das hundertjährige Jubiläum, das vor elf Jahren groß gefeiert wurde, wird der 111. Geburtstag eher im Stillen begangen.

Wichtige Stationen der Vereinshistorie sind belegt. Schon 1908 nahm der MTV in Itzehoe am 50-jährigen Stiftungsfest des dortigen Männerturnvereins teil. 1912 schaffte man sich – dem Zeitgeist gemäß – eine eigene Vereinsfahne an. Die Fahne ist noch heute, nachdem sie 1980 unter hohem Kostenaufwand restauriert wurde, im Besitz des SV Hörnerkirchen. Der Erste Weltkrieg konnte den Aufwärtstrend nur zwischenzeitlich stoppen, bereits 1919 feierte der MTV in Krempe anlässlich des ersten Gauturnfestes zahlreiche Erfolge. 1925 folgte der Umzug des Vereins von Dauenhof nach Hörnerkirchen, im gleichen Jahr ließ sich der Klub beim Amtsgericht als eingetragener Verein registrieren.


Kaum aktiv während der Kriegsjahre

Ab 1933 hinterließ die NS-Zeit ihre Spuren. Es gab Vorlesungen aus Hitlers Buch „Mein Kampf“, mehrere Sportler nahmen bereits 1934 an einem „Kraft durch Freude“-Fest teil, schon ein Jahr zuvor war der Turnverein geschlossen in die SA übergetreten. Während der Kriegsjahre bis in die Nachkriegszeit hinein kam der Sportbetrieb fast gänzlich zum Erliegen, von 1940 bis Oktober 1946 fanden keine Mitgliederversammlungen statt.

Nach dem Krieg wurde aufgrund der prekären Versorgungslage der Sportplatz von der Gemeinde den Kleingärtnern zugesprochen. Doch schon bald ging es wieder aufwärts, und auch neue Sportarten wurden zugelassen. 1949 nahm der Verein wieder an Punktspielen im Faust- und Korbball teil. Ein Jahr später errang man gar den Deutschen Vize-Meistertitel im Schlagball, bis heute einer der größten Erfolge eines Teams aus dem Amtsbereich Hörnerkirchen.

Auch der Nachbarverein Grün-Weiß Bokel kann auf eine spannende Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde der Verein am 30. Mai 1956 in der Gaststätte Bokeler Hof als reiner Tischtennisverein namens Bokeler Tischtennis-Club. Gestartet wurde mit gerade einmal fünf Mitgliedern.


Neue Bezeichnung für den Verein

Am 8. Juli 1959 nannte man sich in GW Bokel um – nicht ganz freiwillig allerdings. Inzwischen spielte man in Bokel auch Fußball, doch der Fußballverband beanstandete den alten Namen, der keinerlei Hinweis auf das Runde Leder enthielt sondern lediglich auf den kleinen Celluloidball. Um die Gemüter zu beruhigen, wählte man als neue Vereinsbezeichnung die Farben Grün (als Assoziation für die Tischtennisplatte) und Weiß (für den Tischtennisball). So blieb eigentlich alles beim Alten – doch das Gemecker verstummte.

Jüngster Stammverein ist der Tennisclub Hörnerkirchen, der sich im Dezember 1978 in Westerhorn als Tennisclub Westerhorn formierte. Im April 1980 konnte mit dem Bau zweier Tennisplätze begonnen werden, am 31. August folgte der offizielle Spielbeginn. Über Jahre hinweg plagten den jungen Verein finanzielle Sorgen, 1996 folgte die Namensumbenennung in TC Hörnerkirchen. Im selben Jahr wurden vier neue Ziegelmehlplätze hinter dem Landhaus Mehrens, das damals noch den Namen „Zur Tankstelle“ trug, eingeweiht. Zwei Jahre später entstand gleich nebenan eine Tennishalle, die noch immer in Betrieb ist.

Als es 2001 zur Verschmelzung der Nachbarvereine kam, hatte der MTV über 750 Mitglieder, der TC Hörnerkirchen rund 140, und GW Bokel etwa 400 Mitglieder. Während einer außerordentlichen Versammlung am 4.  Dezember 2000 stimmten die Mitglieder des MTV der Umbenennung in SV Hörnerkirchen zu. Am 26. März 2001 folgte die Aufnahme der beiden anderen Vereine unter das neue gemeinsame Dach. Die offizielle Verschmelzung des Trios datiert auf den 1. Juli 2001.

Eine Liebeshochzeit war es übrigens nicht, zu ausgeprägt war lange Zeit das Konkurrenzdenken. Doch das ist längst Vergangenheit. Heute ist der SV Höki, wie er liebevoll genannt wird, tief im sportlichen Alltagsleben der vier Amtsdörfer im Norden des Kreises Pinneberg verwurzelt. Das belegen nicht zuletzt die aktuell rund 800 Mitglieder. Nachzulesen ist die Geschichte des Vereins in der von Heimatforscher Helmut Trede verfassten Chronik.

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