Bokel : Ein Zuhause im hohen Norden

Zwei Melkroboter sind auf dem Hof rund um die Uhr im Einsatz.
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Zwei Melkroboter sind auf dem Hof rund um die Uhr im Einsatz.

Die Voßbarg GbR in Bokel von Jan und Karen Hachmann ist der am nördlichsten gelegene Hof im Kreis Pinneberg.

shz.de von
28. Juni 2014, 15:00 Uhr

Im Kreis Pinneberg gibt es etwa 960 landwirtschaftliche Betriebe. In unregelmäßigen Abständen stellt die Barmstedter Zeitung Höfe in den Ämtern Rantzau, Hörnerkirchen und der Stadt Barmstedt vor. Im 21. Serienteil erzählen Jan (32) und Karen Hachmann (30) aus Bokel, welche Vor- und Nachteile ein Melkroboter hat – und wie sie sich auf dem nördlichsten Hof im Kreis Pinneberg kennengelernt haben.

Weniger als 100 Meter sind es von der Voßbarg GbR zum Mönkloher Graben, der den Kreis Pinneberg vom Kreis Steinburg trennt. Im nördlichsten Zipfel des Kreises betreiben Jan und Karen Hachmann ihre Milchviehwirtschaft und Rinderzucht. Abgeschieden liege der Hof dennoch nicht, berichtet Jan Hachmann: „Die Bahnlinie Hamburg-Kiel führt hier vorbei. Und die A 20 würde wohl zwischen Bokel und unserem Hof trassiert werden“, sagt der Landwirt.

140 Milchkühe stehen derzeit auf dem Hof. „Zu meiner Zeit als Kind hatten wir noch Schweine, aber die wurden schnell abgeschafft“, erzählt Manfred Delfs, Hachmanns Schwiegervater und früherer Betreiber des Hofs. „Die Priorität liegt auf der Milchviehwirtschaft.“ Im 16. Jahrhundert sei der Hof zum ersten Mal in Unterlagen erwähnt worden. Durch Einheirat habe er in den vergangenen Generationen immer wieder den Namen geändert. Heute heißt der Betrieb Voßbarg GbR und wird von Jan und Karen Hachmann in fünfter Generation geführt. Neben Milchviehwirtschaft und Rinderzucht hat sich die Familie der Ausbildung verschrieben: „Es ist schön, dass wir hier die Möglichkeit dazu haben“, sagt Hachmann.

Um mehr für die Tiergesundheit zu tun, hat die Familie 2008 zwei Melkroboter angeschafft. „Die Tiere können jederzeit zum Melken gehen und werden auch mehr als zweimal am Tag gemolken“, erläutert Jan Hachmann. Der Nachteil: „Ich bin 24 Stunden am Tag für den Roboter erreichbar“, berichtet der Landwirt. „Erst neulich war ein Magnetventil kaputt. Der Roboter hat mich um 3 Uhr in der Nacht angerufen.“ Die Zahl der Milchkühe solle noch bis auf 170 Stück erhöht werden, die erweiterten Stallplätze sollen Mitte Juli fertig sein. „Jeder packt auf dem Hof mit an“, so Jan Hachmann. „Wir sind ein reiner Familienbetrieb.“ Und Karen Hachmann ergänzt: „Der Zusammenhalt ist uns wichtig.“

Kennengelernt haben sich Jan und Karen Hachmann über Jans Bruder Nils Hachmann, der mittlerweile den Hof Hachmann in Bevern betreibt (Serienteil 14). „Mein Bruder hat hier in Bokel seine Ausbildung gemacht, darüber sind wir in Kontakt gekommen“, sagt Jan Hachmann. Passiert sei zu diesem Zeitpunkt aber noch nichts. „Als ich später auf der Suche nach einem Betrieb war, um mir etwas eigenes aufzubauen, hat mir ihr Vater diesen Betrieb angeboten“, erzählt der 32-Jährige. Am 1. Juli 2003 wurde die GbR gegründet, „das andere hat sich dann hier ergeben“, sagt Jan Hachmann mit einem Schmunzeln. Am 12. Dezember 2008 heiratete das Paar.

Wie es mit dem Hof in der in Zukunft weiter gehe, sei noch nicht genau zu sagen, so Hachmann. Lea (5) und Lilli (sechs Monate) sind die nächste Generation des Hofs. „Wir werden es den Kindern aber freistellen, ob sie ihn eines Tages übernehmen“, so Karen Hachmann. „Wir müssen schauen, wie die Entwicklung der Landwirtschaft weiter geht“, ergänzt Manfred Delfs. „Aber aufgrund der Einzellage haben wir hier eine gute Ausgangsposition.“

Daran würde auch die A 20 nichts ändern, so Jan Hachmann. „Irgendwo muss sie ja hin. Aber wir haben auch die Bahnlinie, und die nimmt man auch schon nicht mehr wahr.“ Flächen des Hofs würden beim Bau der Autobahn zwar nicht berührt werden, dennoch: „Wir verfolgen die Entwicklung genau.“

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