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Barmstedter Zeitung

19. August 2017 | 13:59 Uhr

Barmstedt : Ein Wappen mit langer Geschichte

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Das Barmstedt-Wappen im „Pilz“ wurde aus den alten Linden vor der ehemaligen Knabenschule in der Schulstraße geschnitzt.

Barmstedt | Ein großes geschnitztes Barmstedt-Wappen hängt in der Gaststätte „Zum Pilz“, ehemals Waldschänke. Das Holz stammt aus Barmstedt. Der Künstler: Karl-Heinz Knickrehm. Das Holz wuchs einst in der Schulstraße, an der Linden am Weg vor der ehemaligen Knabenschule sowie der Realschule standen. Von den Klassenzimmern aus schauten Schüler und Pädagogen auf die prächtigen Laubbäume. Anfang der 50er-Jahre wurde Schotter auf der Fläche rund um die Bäume verteilt, um Bodenunebenheiten auszugleichen. Ab der Zeit, beobachteten die Lehrer, begannen die Linden zu muckern. „Das war Schlacke aus der Gasanstalt, den holten sich damals viele Leute“, sagt Museumsleiter Jochen Proll. Das Material war günstig zu erwerben. Proll weiß von einem Bauern, der seinen Grabenrand damit auffüllte und feststellte, dass im Umkreis das Gras verwelkt war. Bei etlichen Kunden galt die Schlacke als idealer Unkrautvernichter. Leider bekam das mit Schadstoffen behaftete Füllmaterial den Linden gar nicht. Sie trugen immer weniger Blätter und mussten schließlich aus Sicherheitsgründen gefällt werden – aus dem gleichen Grund übrigens wie auch die Hochzeits-Eichen am See.

Der damalige Junglehrer Helmut Pergande interessierte sich als Werklehrer für das weiche Naturmaterial. Er bat die Stadt darum, ihm das Holz zur Verfügung zu stellen. Die Stämme wurden im Sägewerk Grelck in der Feldstraße in passgerechte Stücke für den Werkunterricht gesägt und auf dem Schulboden der Knabenschule eingelagert. Der Hausmeister Knickrehm nahm sich einige Stücke Holz zum Schnitzen. „Wenn er Abenddienst hatte, weil in der Schule eine Veranstaltung war, schnitzte er im Hausmeisterraum an dem Barmstedt-Wappen“, erinnerte sich Pergande. „Er schnitzte mehrere Wappen und andere schöne Dinge und drechselte für mich im Werkraum der Schule einen Kerzenständer“, so seine Witwe Ellen Asmus. Eines der Wappen schenkte Knick-rehm dem Besitzer der Gaststätte „Zum Pilz“, Willi Derboven. Der hängte es in die Weinstube, dem Ursprungsraum der Gastwirtschaft. „Anfang des Jahrtausends wurde diese renoviert und die künstlerische Arbeit zog in den großen Speisesaal um“, sagte Sohn Martin Derboven.

Die ehemaligen Linden an der Schulstraße. (Foto: PT)
Die ehemaligen Linden an der Schulstraße. (Foto: PT)
 

Für Lehrer Pergande war mit dem Holzsegen ein Haken verbunden. Ihm wurde von der Stadt das Jahresbudget von 200 Mark für Werkunterricht gestrichen mit der Begründung, das Geld sei bereits für das Sägewerk Holz-Grelck ausgegeben worden. Pergande wandte sich an den SPD-Stadtrat Franz Nagel, der wie er aus Pommern stammte. Der intervenierte und Pergande erhielt doch noch die 200 Mark.

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erstellt am 17.Apr.2015 | 14:20 Uhr

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