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Eine Flasche taucht wieder auf : Ein Stück Barmstedter Historie im Bokeler See gefunden

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Beim Abfischen des Bokeler Sees wird ein Stück Barmstedter Historie gefunden. Das Gefäß stammt aus einem Mineralwassergeschäft.

shz.de von
erstellt am 20.Apr.2016 | 12:15 Uhr

Barmstedt | Es ist ein Stück Barmstedter Historie, das Carsten Bohn (31) vor einiger Zeit aus dem Bokeler See zog. Bei seinem Fund handelte sich um eine ältere Flasche, die er nahe des Pavillons aus dem Schlick fischte. Über den Bokeler Heimatforscher Helmut Trede landete die Flasche schließlich vor Kurzem beim Barmstedter Stadthistoriker Peter Steenbuck. Und er stellte fest: Das Gefäß ist vermutlich mehrere Jahrzehnte alt und ein einzigartiges Stück Barmstedter Geschichte. Die Flasche stammt aus einem Barmstedter Mineralwassergeschäft an der Hamburger Straße, das Heinrich Riep 1906 gegründet hatte und das etwa bis nach dem Zweiten Weltkrieg Mineralwasser herstellte.

Bis die Flasche wieder in Barmstedt gewesen sei, habe es aber einige Zeit gedauert, berichtet Trede. Carsten Bohn aus Osterhorn habe seinen Fund seiner Mutter mitgegeben. „Sie hat auf der Flasche den Schriftzug ,Heinrich Riep‘ und ,Barmstedt‘ entdeckt und sie mir gezeigt.“ Er habe das Gefäß daher zur Stadt gebracht, so Trede. Wie lange die Flasche im Bokeler See gelegen hat, lasse sich nicht sagen, berichtet der Heimatforscher. Ebenfalls spekulieren könne man auch nur darüber, wie die Flasche nach Bokel kam und schließlich im See landete. „Es könnte sein“, so Steenbuck, „dass Riep die Bokeler Mühle beliefert hatte.“ Damals habe es dort schon eine Gastwirtschaft gegeben.

Dieses Foto zeigt Heinrich Riep vor seinem Mineralwassergeschäft an der Hamburger Straße.
Dieses Foto zeigt Heinrich Riep vor seinem Mineralwassergeschäft an der Hamburger Straße. Foto: Repro: Steenbuck
 

Steenbuck hat alles an Informationen zusammengetragen, was er über den Barmstedter Geschäftsmann herausfinden konnte. Begonnen habe die Geschichte um die Jahrhundertwende mit Johann August Rode, der von 1881 bis 1905 Barmstedter Bürgermeister war. Rode war aber auch zugleich Besitzer einer Apotheke an der Chemnitzstraße. Als Barmstedt 1895 Stadt wurde und damit die Aufgaben eines Bürgermeisters stark zunahmen, habe Rode Heinrich Riep als Hilfsmann eingestellt. Er soll ihn im Apothekenkeller in die Herstellung von Arzneimitteln, Krankenweinen, Mineralwässern und mehr eingewiesen haben, so Steenbuck.

Mit Hilfe importierter Zusätze aus den USA stellte Riep seine Getränke her.
Mit Hilfe importierter Zusätze aus den USA stellte Riep seine Getränke her. Foto: Steenbuck
 

Später sei die Privilegierte Apotheke an die Reichenstraße gezogen – in das Gebäude, in dem sie auch heute noch sitzt. „Riep hat sich selbstständig gemacht“, so Steenbuck weiter. Das Mineralwasser, das der Geschäftsmann verkauft habe, sei Pumpenwasser gewesen, das zum Teil mit diversen Zusätzen versehen war. In Rieps Nachlass war zum Beispiel synthetisches Lemon Juice Powder der Hilker & Bletsch Company entdeckt worden, das Riep aus Chicago bezog, um seine Getränke zu mischen. Das Pulver bestand unter anderem aus Zitronensäure und Maissirup. „Geben Sie zum Inhalt dieser Dose fünf Pfund Zucker und ausreichend kaltes Wasser hinzu, um auf eine Gesamtmenge von sechs Gallonen zu kommen“, heißt es auf der Packung. Werde das Getränk nach diesem Rezept hergestellt, würden jeweils zwölf Unzen davon etwa 42,5 Milligramm Vitamin C enthalten.

Auch eine Zuckerverbrauchsmeldung an den Verband der Mineralwasserindustrie aus dem Jahr 1949 existiert noch. „Darin musste angegeben werden, wie viel Zucker bei der Getränkeherstellung verbraucht worden ist und welche Mengen an Getränken dabei entstanden sind“, so Steenbuck. „Der Zucker war wohl rationiert.“

Das Geschäft sei bis nach dem Krieg weitergelaufen, berichtet er weiter. „Es war dann bald vorbei, da es später nicht mehr so funktionierte.“ Übrig geblieben vom Mineralwassergeschäft sind unter anderem Dokumente, Fotos und die Flasche. Sie wird voraussichtlich künftig im Barmstedter Rathaus ausgestellt werden.

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