Barmstedter Hallenbad : "Ein Schlag ins Gesicht"

Teilnehmer der Freitagsgruppe wollen Elke Kunde als Übungsleiterin für ihre Wassergymnastik im Barmstedter Hallenbad behalten.
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Teilnehmer der Freitagsgruppe wollen Elke Kunde als Übungsleiterin für ihre Wassergymnastik im Barmstedter Hallenbad behalten.

Die Stadtwerke wollen die Stunden von Übungsleiterin Elke Kunde reduzieren. Ihre Gruppen protestieren mit einer Unterschriftenaktion.

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06. November 2013, 12:00 Uhr

Aufregung im Barmstedter Hallenbad: Die Senioren-Schwimmer sind empört darüber, wie mit „uns Alten und einer verdienten Mitarbeiterin der Stadtwerke umgegangen wird“. Gemeint ist Elke Kunde (72), die fünf Wassergymnastikkurse für Senioren in der „Badewonne“ gibt. Vor kurzem musste sie ihre beiden Freitagsgruppen abgeben. Die Donnerstags- und die Abendgruppe sollen auslaufen, wenn eine Kollegin im Frühjahr aus der Babypause kommt.

Kunde hatte die Wassergymnastikkurse für Senioren vor 30 Jahren aufgebaut – mit großem Erfolg. „Die Ankündigung von Stadtwerkeleiter Fred Freyermuth am Beckenrand, dass Elke die Freitagsgruppen abgeben muss, ist für uns ein Schlag ins Gesicht“, meint Hildegard Schwebke (77) aus Henstedt-Ulzburg. Man müsse doch Fristen setzen und nicht „zack, zack, weg“. Die Argumente von Freyermuth seien aus der Luft gegriffen. „Er sagte, dass er eine Aufsichtspflicht gegenüber Elke habe, etwa, dass sie ausrutschen könnte“, sagt Erika Bretheuer – und wundert sich: „Rutscht Elke nur freitags vom Beckenrand?“

Und wo seien Kundes junge Kollegen – die laut Freyermuth eine Chance bekommen sollen – gewesen, als Elke wegen Vertretungen mehr als 90 Überstunden aufgebaut habe? Die Senioren setzten ein Schreiben auf, in dem sie ihrem Ärger Luft machten und das sie jüngst – mit einer Unterschriftenliste versehen – Freyermuth und Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) überreichten. „Wir kommen aus Städten der Kreise Pinneberg und Segeberg, wo wir auch schwimmen gehen können, aber wir fahren wegen Elke nach Barmstedt“, so Maren Maaß aus Quickborn.

Die Gymnastikgruppen sind sich einig: „Wir sind zusammengewachsen. Wir möchten nicht auf Elkes Humor, ihre Einsatzbereitschaft, ihre Fürsorge uns gegenüber, ihr Verständnis und ihre kräftige Stimme, die wir im Wasser verstehen können, verzichten. Genausowenig wie auf ihre anderen Aktionen wie den Tag an Land und das Candlelight-Schwimmen.“

Für Kunde kam die Stundenreduzierung überraschend. „Es ist richtig, dass es vor sieben Jahren eine Vereinbarung über eine Stundenreduzierung gegeben hat, aber danach wurde nie mehr ein Wort darüber verloren“, sagt sie und erklärt: „Solange es mir gut geht, möchte ich gern weitermachen.“ Die Stunden seien für sie keine Arbeit, sie gebe sie auch nicht des Geldes wegen. „Die Senioren sind mir ans Herz gewachsen.“ Die Abgabe der Kurse sei schmerzhaft. „Ich war nie krank, meine Kurse sind mehr als voll. Ich bin in personellen Notfällen immer eingesprungen, habe 1985 mit zwei Kursen begonnen, habe das Aqua Walking eingeführt und organisiere ehrenamtlich Aktivitäten mit den Senioren neben den Kursen“, zählt sie auf. Ihr Alter als Kündigungsgrund anzuführen, betrachtet sie, die sich „fit wie ein Turnschuh“ fühlt, als diskriminierend. „Für den BMTV, bei dem ich zwei Schwimmgruppen leite, bin ich nicht zu alt.“

Die Stadtwerke sehen alles ein wenig anders. „Als Frau Kunde das Rentenalter erreichte, hatten wir vereinbart, ihre Stunden zu reduzieren“, so Freyermuth. Das sei ansatzweise auch geschehen. „Ihr Erfolg bei den Kursen war aber so immens, dass wir sie auch wegen der Umsatzerlöse immer weiter beschäftigt haben“, so Freyermuth. Der jetzt etwas plötzliche Schritt sei für ihn ein schwerer Angang gewesen und habe keinen wirtschaftlichen Grund. Seine Formulierungen den Senioren gegenüber seien unglücklich gewesen, räumt er ein und erklärt, er habe mit dem Begriff Fürsorgepflicht ausdrücken wollen, dass er es als Arbeitgeber nicht verantworten könne, Kunde aufgrund ihres Alters weiter zu beschäftigen.

Der etwas abrupte Schnitt sei nicht besonders einfühlsam gewesen: Diesen Schuh ziehe er sich an, so Freyermuth. Er legt großen Wert auf die Feststellung, dass die Wassergymnastik von der persönlichen Betreuung und den ehrenamtlichen Aktivitäten, die Kunde zusätzlich geleistet hat, zu trennen ist. „Eine derartige Fürsorge habe ich noch nie erlebt, aber sie geschah außerhalb des Dienstverhältnisses. Wir sind bereit, dieses Engagement zu unterstützen, wenn Frau Kunde es weiter pflegen will“, so Freyermuth.

„Wir sind nicht gegen jüngere Mitarbeiter. Aber was uns fehlen wird, sind Elkes persönliche Note und ihr Verständnis uns gegenüber“, so die Senioren. Das letzte Wort in der Sache ist aber noch nicht gesprochen: Die Parteien suchen nach einer einvernehmlichen Lösung.

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