Barmstedt : Ein Denkmal voller Geheimnisse

In stundenlanger Arbeit hat der Barmstedter Jan Teegen die Inschriften der Sandsteinplatten des Barmstedter Kriegerdenkmals am Computer wieder lesbar gemacht. Mit dem bloßen Auge lassen sich die Buchstaben kaum noch entziffern.
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In stundenlanger Arbeit hat der Barmstedter Jan Teegen die Inschriften der Sandsteinplatten des Barmstedter Kriegerdenkmals am Computer wieder lesbar gemacht. Mit dem bloßen Auge lassen sich die Buchstaben kaum noch entziffern.

Ein Barmstedter hat die Inschriften der Steinplatten des Gedenksteins an der Chemnitzstraße in mühevoller Kleinarbeit entziffert.

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05. Dezember 2017, 17:30 Uhr

Barmstedt | Es führt ein etwas unscheinbares Dasein: Auf der Rasenfläche vor dem Gemeindehaus der Kirchengemeinde Barmstedt steht seit mehr als 135 Jahren ein Kriegerdenkmal. Es erinnert an die heimischen Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs in den Jahren 1870 und 1871. Das ist auf der restaurierten Frontseite des Denkmals auch einwandfrei zu lesen. An den übrigen drei Sandstein-Platten nagt jedoch der Zahn der Zeit. Die Namen, Dienstgrade, Wohnorte, Truppzugehörigkeiten und Sterbedaten der Gefallenen sind kaum noch zu entziffern. Mittels moderner Technik macht Jan Teegen von der Barmstedter Geschichtswerkstatt die Namen am Computer wieder lesbar. Seine Recherchen sind im neuesten Heft der Gruppe nachzulesen.

Im März 2016 hatte Teegen seine Recherchen zum Barmstedter Kriegerdenkmal begonnen. „Es zieht sich hin, bis man alle Quellen zusammengetragen hat“, so Teegen über seine Arbeit. Er glich vorhandene Textfragmente auf den drei Steinplatten mit Sterberegistern in den Barmstedter Kirchenbüchern und Verlustlisten ab. Per hochauflösender Fotos und Bildbearbeitung sei es im Anschluss möglich gewesen, die Daten zu bestätigen oder zu widerlegen und die Inschriften zum Großteil wieder lesbar zu machen. Zahlreiche Bilder habe er gemacht, wenn die Sonne richtig stand. Auch die Feuchtigkeit habe eine Rolle gespielt. „Dann ist es wesentlich besser zu erkennen“, so Teegen.

Spannend an der Arbeit seien die zahlreichen Unwägbarkeiten gewesen, auf die er während seiner Recherche gestoßen sei, berichtet Teegen weiter. In den Sterberegistern der Barmstedter Kirchenbücher seien Angaben von den Inschriften des Denkmals abgewichen. Ähnlich sei es bei den Verlustlisten gewesen: Dort fand Teegen beispielsweise einen Eintrag für Hartwig Hatje aus Hude im Kreis Itzehoe. Schleierhaft sei aber, warum die Person auf dem Kriegerdenkmal des Kirchspiels Barmstedt aufgeführt ist. Offensichtlich ist der Eintrag in der Verlustliste falsch, so Teegens Fazit. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es sich hier um den denselben Hartwig Hatje handelt, der laut Inschrift auf dem Denkmal aus Heede stammt“, schreibt der Heimatforscher. Das hätten weitere Nachforschungen ergeben. Die Listen seien damals nicht vor Ort entstanden, so könne durch den Fehler aus Heede Hude geworden sein.

Buchstabe für Buchstabe sei er bei den Sandstein-Platten vorgegangen, erzählt Teegen. Dabei sei er froh gewesen, dass die Fronttafel noch ohne Mühe zu lesen ist. Das sei dem ehemaligen Stadtbaumeister Gert Rittner zu verdanken, der sie im Herbst 2015 restaurieren ließ. „So hatte ich den entsprechenden Schriftsatz. Es handelt sich dabei um eine Art der Fraktur.“ Auch die Zeitungen dieser Zeit seien in Fraktur geschrieben worden.

An einer Inschrift auf der Südseite, die von August Heydorn aus Bullenkuhlen handelt, kam aber auch Teegen mit der professionellen Bildbearbeitung nicht mehr weiter. „Die Buchstaben kann man nicht identifizieren. Man bräuchte wohl einen Laser-Scanner zum Abtasten. Der ist aber sehr teuer und das Verfahren aufwändig.“ Sandstein sei sehr anfällig für Verwitterungen. Möglicherweise seien 1909 schon einige Inschriften nicht mehr lesbar gewesen, wie eine Postkarte von vor mehr als 100 Jahren nahelegt. „Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man es gar nicht mehr lesen kann“, so Teegen. Daher wünsche er sich, einen Sponsor zu finden, der Interesse daran hat, die Platten zu restaurieren. „Es wäre schön, wenn man das wieder lesen könnte.“

Aber selbst wenn alle Inschriften wieder zu lesen wären: Das Denkmal birgt laut Teegen noch weitere Geheimnisse. Unklar ist zum Beispiel, wann genau es errichtet wurde. Der Zeitraum lasse sich auf die 1870er-Jahre eingrenzen, so Teegen. „Der älteste Nachweis stammt aus dem Jahr 1880.“ Damals wurde in einer Ausgabe der Barmstedter Zeitung das Denkmal erwähnt. Auf der Spitze habe einst ein Reichsadler mit ausgebreiteten Schwingen gethront. Auf der Postkarte aus dem Jahr 1909 ist er deutlich zu erkennen. Seit dem Zweiten Weltkrieg gelte er jedoch als verschollen, berichtet Teegen. Dazu gebe es diverse Theorien: Der Adler könne weggeschafft oder von der englischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg heruntergeschossen worden sein. „Es gibt wenig Zeitzeugen. Das Rätsel wird wohl nie gelöst werden“, sagt Teegen. „Das macht ein Denkmal aber auch mysteriös.“

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