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„Unglaublich, wie lebensfroh sie ist“ : Ein Buch über das schwere Leben einer Frau aus der Region

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Karola Wellmann hat ein Buch über ihr schweres Leben geschrieben. Lesung beim Bingo-Nachmittag im Humburg-Haus.

Barmstedt | Karola Wellmann heißt nicht Karola Wellmann. Unter diesem Namen hat die Norderstedterin aber ihre Autobiografie „Manege des Lebens“ geschrieben. Sie selbst hätte kein Problem damit, ihren richtigen Namen zu nennen, sagt Wellmann. „Aber ich habe auch sehr offen über meine Familie und Bekannte geschrieben – die sollen keine Schwierigkeiten bekommen.“ Am Freitag, 15. April, wird Wellmann in Barmstedt während des Bingo-Nachmittags im Humburg-Haus aus ihrem Buch lesen.

„Es ist unglaublich, wie lebensfroh Karola nach all ihren Schicksalsschlägen noch ist“, sagt Seniorenbeiratschef Peter Servotka. Seine Ehefrau und er hatten Wellmann vor neun Jahren im „Arriba“ in Norderstedt kennengelernt, wo alle drei regelmäßig in die Sauna gehen. „Anke und Peter habe ich viel zu verdanken – sie haben mich in schweren Stunden immer wieder aufgebaut“, sagt Wellmann. Schwere Stunden hat sie in ihrem Leben einige erlebt: 1946 wurde sie in einer Nissenhütte in Hamburg geboren. Ihre Mutter lässt sie und ihren Bruder zunächst bei Pflegefamilien. Mit 15 wird Wellmann schwanger, mit 20 bekommt sie das zweite Kind. „Ich musste mich allein durchschlagen und für sie sorgen“, sagt sie. Später heiratet sie, aber die Ehe scheitert – genau wie die zweite. Mit ihrer Tochter gibt es Probleme, immer wieder bricht der Kontakt für lange Zeit ab. Ein weiterer Tiefschlag: Ihr Sohn fühlt sich in seinem Körper nicht wohl – er unterzieht sich einer Geschlechtsumwandlung. „Ich hatte ihn acht Jahre lang nicht gesehen. Und als ich ihn dann am Flughafen abholte, war ich völlig geschockt“, sagt Wellmann. Aus ihrem schlanken, durchtrainierten Jungen sei eine unförmige Frau geworden. „Das zu sehen, war hart. Aber man muss es akzeptieren. Und eine Mutter bleibt immer eine Mutter.“ Auch ihre Tochter habe ihr Buch gelesen, sagt sie, „und ich hatte befürchtet, dass sie verärgert ist“. Doch im Gegenteil: „Sie hat es ganz toll bewertet.“

Der Vorschlag, ihr Leben aufzuschreiben, habe ihr ein Therapeut vor sechs Jahren während einer Reha gemacht, sagt Wellmann. „Ich hatte das dann fünf Jahre im Kopf.“ Vor einem Jahr habe sie mit dem Schreiben begonnen. „Das war nicht so einfach. Man kommt wieder recht nah dran an die Erlebnisse.“ Daher habe sie auch nicht durchgehend geschrieben, „sondern immer, wenn mir danach war“.

Die Lesung in Barmstedt werde eine Premiere, so Wellmann. „Ich werde 15 bis 20 Minuten lesen. Schließlich wollen die Gäste auch Bingo spielen.“ Dabei wolle sie unbedingt mitmachen, kündigt sie an. „Ich habe es noch nie gespielt, aber das wird schon klappen“, sagt sie fröhlich. Servotka ist überzeugt, dass Wellmanns Buch gut ankommt. „Viele Senioren kennen die Zeit aus ihrem eigenen Leben. Und das Buch liest sich flott weg.“ Die Stadtbücherei habe es bereits bestellt, und auch im örtlichen Buchhandel sei es erhältlich.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 16:00 Uhr

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