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Grundschüler verabschieden ihren Busfahrer : Ein bewegender Abschied mit „Gänsehaut“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Kaum jemand kennt seinen richtigen Namen, Kinder, Eltern und Lehrer nennen den Mann mit der flachen Mütze, die er sogar bei Hochzeitsfeiern trägt, nur „Teddy“.

Hemdingen | Emotional und mit vielen Tränen verlief die Verabschiedung der beiden vierten Klassen der Grundschule Hemdingen und aller Kinder in die Ferien sowie die von Busfahrer Teddy in die Rente in der Sporthalle an der Schule. Kaum jemand kennt seinen richtigen Namen, Kinder, Eltern und Lehrer nennen den Mann mit der flachen Mütze, die er sogar bei Hochzeitsfeiern trägt, nur „Teddy“.

„So heiße ich seit meinem fünften Lebensjahr, und das bleibt auch so“, stellt er klar. Teddy ist mit 63 Jahren in den Ruhestand gegangen. Sehr zum Bedauern der Schulkinder aus Hemdingen und den Umlandgemeinden, für die er seit vier Jahren der Busfahrer zur Schule und wieder nach Hause ist. Eigens für ihn hat eine Mutter ein Loblied auf ihn gedichtet, dass die Kinder während der Abschlussfeier vorsangen.

„Teddy erzählt gern einen Witz, macht Blödsinn mit den Kids, ist überall beliebt, hat alle Kinder lieb“, heißt es. Oder: „Teddy, der ist klein und zart, hat einen Bart, ist ein toller Mann, ist der, der Bus fahren kann.“ Er erhielt viele Geschenke. Kinder und Eltern umarmten ihn, es flossen Tränen. Er selbst kämpfte auch damit.

„Den Abschied heute kann mir niemand mit Geld bezahlen, das war Gänsehaut pur“, sagte er, als er seine Stimme wieder gefunden hatte. Seinen kleinen Fahrgästen war er Tröster, Problemlöser und einfach lieb. „Kinder sind treu, ihr Lächeln hat mir Kraft gegeben“, sagte er, der auch durchgreifen konnte. „Auf der Nase tanzte mir niemand herum“, so Teddy. Bei seltenem Lärm oder Streit im Bus hielt er an, stand auf, fixierte die Betreffenden und fragte: „Alles in Ordnung mit Euch, können wir weiterfahren?“ Höflichkeit war ihm wichtig. Er ließ auch mal Kinder wieder aussteigen, die wortlos an ihm vorbeigingen. „Wir üben das nochmal“, sagte er dann. „Die Schüler stiegen erneut ein und warfen mir grinsend ein ,Moin Teddy’ entgegen“, lachte er, der mit den Schulkindern einen Rhythmus hatte. Mittwochs war Naschitag, freitags Flüstertag, weil es ins Wochenende ging, und dienstags ließ er das bekannte Zwergenlied abspielen. Weiter gab es Geschichten und Witze von ihm.

Am Tag des Mauerfalls gen Osten unterwegs

„Es gab nie Stress, nur Freude“, so sein Fazit. Als er nach der Feier zu seinem Auto ging, begegnete ihm eine Gruppe Jugendlicher per Rad. „Wo ist Euer Helm“, rief er streng. In der Nähe stehende Eltern pflichteten ihm nickend bei. Teddy war seit seinem 21. Lebensjahr Busfahrer, später Fernfahrer im Lkw, wo er Motorenöle nach Süden, Norden und Osten transportierte. 1989 fuhr er als Fernfahrer am berühmten Tag des Mauerfalls über die Grenze gen Osten. „Das hatte mich richtig berührt“, sagte er. Jetzt im Ruhestand kann er seinem Hobby angeln und räuchern nachgehen. Und campen an der Ostsee. Bei der Abschlussfeier mit vielen Eltern wurden noch mehr scheidende aktive Personen von Schulleiterin Regina Knösel geehrt – wie die Schulelternbeiratsvorsitzende Tanja Seligmann, die jetzt keine Kinder mehr an der Schule hat.

Als Vorsitzende vom Schulverein schied Nicole Bröker aus. Mit einem Geschenk bedacht wurde die Schulbegleiterin Bianca Kalaczynski, die sich laut Knösel sehr eingesetzt habe. Schulsekretärin, Hausmeister, Frühstücksmütter, Büchereikräfte, Schwimmkräfte, Lesementorinnen, Elternvertreter – sie alle erhielten für ihre großartige Hilfe eine Ehrung. Mit Tänzen, Gesang und Flötenspiel verabschiedeten sich die Kinder von der Grundschule und in die Sommerferien.

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erstellt am 25.Jul.2017 | 16:00 Uhr

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