Region Barmstedt : Dürre lässt Brandgefahr steigen

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Aufgrund der trockenen Witterung im Mai ist in Schleswig-Holstein vielerorts die Gefahr für Wald- und Flächenbrände gestiegen. Laut Feuerwehr habe man die mittlere Gefahrenstufe erreicht. Trotz der Dürre sei die Situation auf keinen Fall dramatisch, Wachsamkeit aber dennoch geboten.

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26. Mai 2018, 16:00 Uhr

Lutzhorn | Es war ein kleineres Feuer: Anfang der vergangenen Woche hatten Spaziergänger nahe Bevern einen Flächenbrand entdeckt, der sich aufgrund des Winds ausbreitete. Mit ihrem schnellen Einsatz verhinderten die Freiwilligen Feuerwehren aus Bevern, Bullenkuhlen und Ellerhoop einen größeren Brand. Schwieriger war aber die Wasserversorgung der Einsatzkräfte.

Der Fall zeigt: Die Gefahr von Flächen- und Waldbränden im Kreis Pinneberg ist aufgrund der trockenen Witterung da. „Wir haben eine mittlere Gefahrenstufe“, sagt Feuerwehrsprecher Michael Bunk. „Das wird sich auch nicht verändern. Es gibt aber keinen Grund, in Panik zu verfallen.“ Besonders gefährdete Regionen sind laut Bunk derzeit eher Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo der Deutsche Wetterdienst für viele Orte die höchste Gefahrenstufe (Stufe fünf) ausgerufen hat. Für den Kreis Pinneberg waren am vergangenen Freitag je nach Gebiet die Stufen drei und vier ausgerufen. In den kommenden Tagen sollte die mittlere Gefahr anhalten. Anders sieht es beim Graslandfeuerindex aus: Dort gilt überall in Schleswig-Holstein die zweithöchste Warnstufe, auch in den kommenden Tagen.

Extreme Trockenheit in SH

Hintergrund der Brandgefahr ist die extreme Trockenheit der vergangenen Wochen. Laut dem Wetterkanal kachelmannwetter.com ist im Mai vielerorts im Norden kaum Regen gefallen. Auch gebietsweise Schauer - Montag, Dienstag und Mittwoch könnte es in der Region Barmstedt Gewitter geben -  würden an der Situation nichts ändern. Die letzten Niederschläge in der Region wurden laut dem Portal am 18. und 19. Mai registriert. Die beiden Barmstedt am nächsten gelegenen Wetterstationen sind Weddelbrook und Quickborn. Diese verzeichneten 0,1 und 0,2 Millimeter Regen. Große Ausnahme im Mai war am 10. Mai das heftige, aber lokal begrenzte Unwetter über Quickborn, bei dem an der Station an die 60 Millimeter Regen fielen.

Größere Waldgebiete und weite Grasflächen: Besonders die Region zwischen Heede, Langeln, Lutzhorn, Bokel, Heidmoor und Kaltenkirchen ist im frühen 20. Jahrhundert häufig von schweren Waldbränden getroffen worden. In der jüngeren Vergangenheit gab es dort aber keine Zwischenfälle. Dennoch sind die Feuerwehren wachsam: „Es gibt keine bestimmten Vorsichtsmaßnahmen“, sagt Bunk. „Aber es gibt Konzepte, wie im Fall X reagiert werden soll.“

Feuerwehren sind vorbereitet

Die entsprechenden Wehren – zum Beispiel die Lutzhorner Wehr – seien in diese Konzepte eingebunden, so der Feuerwehrsprecher weiter. Das ist auch für Außenstehende sichtbar. Im vergangenen Juni übten etwa 200 Einsatzkräfte der Feuerwehr aus den Kreisen Pinneberg und Segeberg zwischen Lutzhorn, Heede und Langeln drei Stunden lang das Vorgehen bei einem Waldbrand. Auch aktuell sei man auf der Hut, berichtet Lutzhorns Wehrführer Dirk Steckmeister. „Es sieht trotz der Dürre ganz gut aus. Trotzdem ist die Situation scharf zu beobachten.“

Derzeit seien die Knicks einseitig trocken, so Steckmeister weiter. Auf der einen Seite stünden grüne Grashalme dazwischen und nichts sei welk, auf der Sonnenseite hingegen sei schon verdächtig viel welkes Gras zu sehen. Wichtig sei – gerade bei den kräftigen Windböen – für die Feuerwehr: „Brände sollten schnellstens gemeldet werden, um sie zu bekämpfen“, sagt Steckmeister. Denn wenn der Wind die Flammen erst einmal in den Wald gedrückt habe, werde es sehr gefährlich.

Güllefass mit Wasser gegen Brände

Die Lutzhorner Wehr ist auf die Brandgefahr individuell vorbereitet. Zum einen besitzt die Wehr ein Tanklöschfahrzeug, zum anderen kann auch ein mit Wasser gefülltes Güllefass eingesetzt werden. Das Fass könne auf zwei verschiedene Arten genutzt werden, ergänzt Bunk. Zum einen könne so eine große Menge Wasser an die Einsatzstelle transportiert und über Pumpen den Einsatzkräften zum Löschen zur Verfügung gestellt werden. „Oder man fährt über das nicht mehr lodernde Feuer“, berichtet Bunk, und lösche damit.

Auch der Faktor Mensch ist wichtig, um Feuer erst gar nicht entstehen zu lassen. Bei Aufenthalten in der Natur gebe es Regeln, die einzuhalten seien und auf die auch der Landesfeuerwehrverband am Donnerstag noch einmal hinwies. Offenes Feuer und Rauchen sei in den Wäldern absolut verboten, das gelte ebenso für Grillfeuer. Bei Autos sei darauf zu achten, dass heiße Katalysatoren Gras in Brand stecken könnte, so Bunk. „Glasflaschen sollten nicht weggeworfen werden, weil das Glas als Brennglas wirken kann.“ Waldstraßen und Feldwege müssen freigehalten werden, weil sie im Notfall als Rettungswege dienen. Komme es doch zu einem Brand, sei sofort die Leitstelle unter 112 zu informieren. Bei der Ortsangabe helfen laut Bunk sogenannte Rettungspunkte, deren Koordinaten in den jeweiligen Leitstellen hinterlegt sind.

Waldbrände zerstörten hektarweise Wald bei Lutzhorn

Schlimme Waldbrände hatten laut Heimatforscher Helmut Trede aus Bokel vor allem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in der Region Barmstedt gewütet. In seinem Buch „Vom Gefangenenlager zum Weltflughafen“ hatte er sich mit dem Thema beschäftigt. 1893 hatte das preußische Militär bei Schießübungen in der Lentföhrdener Heide das ausgetrocknete Moorgelände in Brand geschossen. 250 Hektar Fläche gingen in Flammen auf, 2500 Soldaten bekämpften den Brand. 1911 wurden bei einem Feuer 1200 Hektar Wald zwischen der Försterei Hasselbusch und Lutzhorn vernichtet. Angeblich soll der Brand aus „Unvorsicht“ enstanden sein.

Weitere Feuer zerstörten 1912 im Nordosten von Lutzhorn 335 Hektar Wald und 1917 bei Lentföhrden und im Hasselbusch etwa 540 Hektar Wald. „Insgesamt brannten in den 25 Jahren um die vorletzte Jahrtausendwende also mindestens 1600 Hektar Wald nieder, ein immenser Schaden“, schreibt Trede. Feuerwehr und Militär konnten die Brände kaum löschen, die Arbeit einer ganzen Förstergeneration wurde vernichtet.

In den vergangenen Jahren hat es keine großen Waldbrände in Schleswig-Holstein gegeben. Die Statistik des Bundes weist für 2016 und 2015 keine Waldbrandflächen aus, für 2014 eine Fläche von 0,3 Hektar und für 2012 und 2013 liegt der Wert wieder bei null.

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