Verwahrgebühren bei Banken : Drei Dörfer zahlen Kredite zurück

Um Verwahrgebühren zu vermeiden, hatte das Amt Rantzau seinen angeschlossenen Gemeinden den Vorschlag unterbreitet, Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. Konten für die einzelnen Gemeinden und Verbände existieren nicht. Laut Kämmerei gibt es eine Amtskasse, die Konten laufen alle auf das Amt Rantzau.
Um Verwahrgebühren zu vermeiden, hatte das Amt Rantzau seinen angeschlossenen Gemeinden den Vorschlag unterbreitet, Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. Konten für die einzelnen Gemeinden und Verbände existieren nicht. Laut Kämmerei gibt es eine Amtskasse, die Konten laufen alle auf das Amt Rantzau.

Bokholt-Hanredder, Lutzhorn und Hemdingen tilgen etwa 376.000 Euro. Andere Gemeinden warten ab.

shz.de von
29. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Nach den letzten Sitzungen der Gemeindevertreter im Amtsbezirk Rantzau in diesem Jahr steht fest: Die Gemeinden Bokholt-Hanredder und Lutzhorn zahlen aufgrund drohender Verwahrgebühren bei Banken ihre Kredite zurück. Hemdingen wird einen Teil seiner Verbindlichkeiten abbezahlen. Das berichtete Carola Warncke, Kämmerin des Amts Rantzau. Hintergrund der Aktionen: Verschiedene Banken – darunter die Sparkasse Südholstein – haben inzwischen für die Aufbewahrung von Geld auf Konten Gebühren festgesetzt (wir berichteten). Seit dem 1. September gilt diese Regel auch für das Amt Rantzau. Und das bedeutet: Auf das Amt und die angeschlossenen Gemeinden und Verbände kommen bei einer Verwahrgebühr von 0,4 Prozent Kosten von mehreren zehntausend Euro im Jahr zu. Die Verwaltung hatte den Gemeinden daraufhin vorgeschlagen, Kredite zurückzubezahlen, um die Kontostände zu reduzieren.

Bokholt-Hanredder habe Verbindlichkeiten in Höhe von 230 000 Euro zurückgezahlt, berichtete Warncke. Die Gemeinde Lutzhorn zahle Kredite in Höhe von 136 000 Euro zurück, bei Hemdingen sind es etwa 10 000 Euro. „Beim Thema Verwahrgebühren hat es viele Diskussionen gegeben“, so Warncke über die Sitzungen der Finanzausschüsse und Gemeindevertretungen. Die Meinung vieler Räte sei allerdings gewesen: „Jetzt im Moment nicht.“ Das Thema könne später erneut diskutiert werden. „Sie haben eine Entscheidung zurückgestellt“, so Warncke.

Der Hauptausschuss des Amts Rantzau hatte sich beispielsweise während seiner Sitzung für diese Vorgehensweise ausgesprochen (wir berichteten). Eines der Argumente: Die derzeitigen Zinssätze für die Kredite seien niedrig und die Laufzeiten lang. Die Frage sei, ob es Sinn mache, Kredite zurückzahlen, wenn der Kreditmarkt in ein paar Jahren ganz anders aussehe, wie Heedes Bürgermeister Reimer Offermann ausführte. „Wenn wir neue Erkenntnisse haben, rufen wir das Thema wieder auf“, sagte der Hauptausschussvorsitzende Peter Lehnert.

Auch Warncke weist darauf hin, dass die zukünftigen Entwicklungen des Markts nicht vorhersehbar seien. „Im kommenden Jahr wird sich die Situation wohl nicht verändern, aber wie die Entwicklung weitergeht, weiß keiner.“

Der festgelegte Satz bei Verwahrgebühren liege derzeit immer noch bei 0,4 Prozent, so Warncke weiter. „Das wird monatlich abgerechnet.“ Sie gehe davon aus, dass das Amt mit seinen angeschlossen Gemeinden und Zweckverbänden in der aktuellen Lage nicht ganz 40 000 Euro pro Jahr zahlen müsse. „Aber wir kommen in die Nähe.“ Die Sparkasse Südholstein hatte die Verwahrentgelte mit der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) begründet. Die Banken müssten bei den Landesbanken mittlerweile Zinsen auf ihre Einlagen zahlen.

Das Thema zieht nicht nur im Amtsbezirk Rantzau Kreise: Auf Kämmerertagungen sei sie bereits darauf angesprochen worden, so Warncke weiter. „Andere Ämter haben ähnliche Probleme.“ In diesem Zusammenhang stünde auch ein Erlass des Innenministeriums. Dieser besage, dass die von den Verwahrgebühren Betroffenen auf die Sicherheit achten sollen. „Wir können das Geld nicht einfach hin und her schieben“, erläuterte Warncke.

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