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Nach 29 Jahren : Die Wingst-Fahrten stehen vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der BMTV findet für die beliebten Ferienausflüge keine Betreuer mehr. Kleine Hoffnung für nächstes Jahr bleibt.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2015 | 12:00 Uhr

Barmstedt | Sind die beliebten Wingst-Fahrten des BMTV bald Geschichte? „Wir sind in diesen Sommerferien wohl das letzte Mal gestartet“, bedauert Martha Heinecke, die lange Jahre als Betreuerin dabei war und seit sechs Jahren die Ferienaktion leitet. Seit 40 Jahren fahren die Gruppen in die Ferien, 1976 ging es zum ersten Mal in die Wingst, regelmäßig dorthin fahren die BMTV-Gruppen per Rad seit 29 Jahren. Wie es weitergeht, ist nun offen: Mindestens vier jetzige Betreuer würden familien- und ausbildungsbedingt ausscheiden, und es sei schwer, neue zu finden, so Heinecke. Allerdings: „Wenn sich Betreuer für die Fahrt im kommenden Jahr melden, besteht eine Chance“, sagt sie.

Der stellvertretende BMTV-Vorsitzende Joachim Baasch bedauert das drohende Aus der beliebten Wingst- Fahrten. „Die Nachfrage ist ungebrochen, es wäre sehr, sehr schade, wenn diese Tradition abbricht“, sagt er. Der Verein unterstütze auf jeden Fall die Bemühungen der diesjährigen Betreuer, Nachfolger heranzuholen, ob jünger oder älter. „Wir können sie jedoch nicht per Vorstandsbeschluss herbeizaubern“, so Baasch. Betreuer Peter Kahns, der ebenfalls berufsbedingt ausfällt, sagt: „Wir benötigen mindestens sechs Freiwillige, die sich im Sommer zwei Wochen Zeit nehmen können.“ Interessierte können sich an die Vorstandsmitglieder wenden. Die Geschäftsstelle des BMTV ist unter 04123-3896 zu erreichen.

Seit 1975 radeln Kinder mit Betreuern in die Ferien. Unzertrennbar mit dem Ereignis verbunden sind Elke und Etsch Kunde, die den Urlaub für Kinder und Jugendliche bis 2009 leiteten. Elke Kunde war damals in der Jugendarbeit des Vereins tätig und später Jugendbetreuerin. Die erste Tour führte nach Burg auf Fehmarn. „In zwei Tagesetappen radelten wir dorthin“, so Kunde. Auf der Insel schwärmten ihr die Herbergseltern von einer Herberge in der Wingst vor. So machte sich 1976 die Radgruppe auf nach Niedersachsen. Ein Jahr später ging es gemeinsam mit dem Elmshorner MTV nach Burgwedel an der Schlei. Nach Hörnum und Wyk war der Zug das Transportmittel. „Wo wir auch waren, in der Wingst war es am schönsten“, so Kunde. „Mit dem Herbergsvater Peter Tabel entwickelte sich in den 29 Jahren eine Freundschaft“, sagt sie.

Ganz genau erinnert sie sich an die Katastrophenfahrt bei Regen im Jahr 1992. Das Wetter war zu dieser Zeit sehr schlecht. „Als wir am Anleger ankamen, hatte die Fähre den Betrieb wegen Hochwasser eingestellt“, so Kunde. Die Vereinsbusse seien noch über die Elbe gekommen, die Gepäckwagen mussten über Stade ausweichen. „Aber meine kleinen Radler standen da und kamen nicht weiter“, sagt Kunde. „Ich konnte die Reederei überreden, uns überzusetzen. An Land gelangten die Kinder, indem die Belegschaft der Fähre sie auf die Räder setzten und so erhöht auf das Festland schoben.“ Ihr selbst habe das Hochwasser bis zu den Schultern gereicht

Als sie 2008 für ihr Lebenswerk im Sport geehrt wurde und von der Sparkasse 700 Euro erhielt, wusste sie genau, wie sie das Geld einsetzen wollte. Für ihre Wingst-Kinder. „Ich mietete sieben Pferdekutschen und unternahm mit der gesamten Gruppe eine Wattfahrt von Cuxhaven nach Neuwerk“, berichtete sie. Nach ihrer letzten Wingst-Fahrt war sie bei der Ankunft in Barmstedt von vielen Ehemaligen und Betreuern empfangen worden. „Es war eine tolle Zeit, ich möchte die vielen Fahrten nicht missen“, so Kundes Fazit.

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