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Sportstätten in Barmstedt : Die Vereine sollen zahlen

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Ausschuss empfiehlt Einführung einer Nutzungsgebühr. 6,50 Euro pro Jahr und volljährigem Mitglied. Beitragserhöhungen noch unklar.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2015 | 12:30 Uhr

Barmstedt | Es führt wohl kein Weg mehr daran vorbei: Der BMTV, der SSV Rantzau und der FC Heede werden ab 2016 für die Nutzung der Barmstedter Sportanlagen zahlen müssen. Zumindest der Sport- und Kulturausschuss hat diesen Beschluss am Montag mehrheitlich verabschiedet. Am kommenden Dienstag, 13. Oktober, haben die Stadtvertreter das letzte Wort – was voraussichtlich ähnlich klar ausfallen wird.

Für die betroffenen Vereine bedeutet die Entscheidung, dass sie – zunächst bis 2021 – für jedes erwachsene Mitglied jährlich 6,50 Euro zahlen müssen. Dem BMTV (1005 erwachsene Mitglieder) entstehen dadurch Kosten in Höhe von 6533 Euro. Der SSV Rantzau (269) muss knapp 1750 Euro aufbringen, der FC Heede (69) knapp 450 Euro. Der Stadt entstehen so Mehreinnahmen von insgesamt etwa 8700 Euro.

Was die Einführung der Gebühren für die Mitglieder bedeutet, ist noch nicht klar. Der BMTV werde versuchen, eine Beitragserhöhung zu vermeiden, sagte der stellvertretende Vorsitzende Joachim Baasch. „Wir hatten gerade erst zwei Erhöhungen und werden versuchen, das aus unserem Etat zu finanzieren.“ Der SSV habe eine Anhebung „bisher nicht in Erwägung gezogen, aber wir werden noch darüber sprechen, wie wir die Kosten decken können“, sagte Schriftführer Hans-Jürgen Scharlach. Den Sportlern im FC Heede könnte eine Beitragserhöhung drohen. „Es ist eventuell damit zu rechnen“, sagte Vereinschef Ernst-Martin Albrecht. Für eine definitive Aussage sei es aber noch zu früh. „Wir müssen gucken, wie unser Haushalt aussieht.“

Während der Sitzung in der Kommunalen Halle war die Anspannung spürbar. Zwar saßen nicht – wie zu Beginn der Diskussionen – mehrere Dutzend Zuschauer im Raum, doch den drei Vertretern der Vereine war ihr Unmut anzusehen – und auch die Politiker wirkten eher bedrückt und rissen sich nicht gerade um Wortbeiträge. Den Anfang machte Christian Schönfelder (FWB) mit dem Hinweis darauf, dass das Gemeindeprüfungsamt der Stadt aufgebe, über die Gebühr 20  000 Euro einzunehmen. Daher werde er zustimmen – „obwohl ich persönlich dagegen bin, weil die Vereine auch viel soziale Arbeit leisten“. Zu seiner Entscheidung beigetragen habe auch, „dass die Vereine dem jetzt gefundenen Kompromiss mittragen“. Er hoffe zudem, so Schönfelder, „dass wir ihn in fünf Jahren wieder aufheben können. Auch, wenn ich weiß, dass sowas immer schwierig ist.“

Auch die SPD-Vertreter stimmten dem Beschluss zu. Patrick Laas (SPD) erklärte, an der Sanierung des Haushalts sollten sich alle beteiligen, „nicht nur die Steuerzahler“. Zugleich dankte er den Vereinen für ihre Kompromissbereitschaft – ebenso wie die Ausschussvorsitzende Petra Krämer (SPD), die hervorhob, „dass die Vereine diesen Vorschlag gemacht hatten und damit auf uns zugegangen sind“.

Der Beratung im Ausschuss waren drei Gesprächsrunden zwischen den Vereinen, der Politik und der Verwaltung vorausgegangen. „Wir mussten die Sache in Bewegung bringen“, sagte dazu BMTV-Chef Wolfgang Starr. Die Stadt habe erwartet, dass die Vereine sich an den Kosten beteiligen. „Da wollten wir auch zeigen, dass wir willens sind, etwas beizutragen.“ Erfreulich seien die Mehrkosten natürlich nicht, „aber wir müssen in den sauren Apfel beißen“.

Mit dem jetzt gefundenen Kompromiss sind die Vereine weit von der ursprünglichen Forderung entfernt: Die Verwaltung hatte anfangs vorgeschlagen, dass sie sich mit 21.500 Euro an den Kosten für die Sportstätten beteiligen sollten – was etwa 16 Euro pro erwachsenem Mitglied bedeutet hätte. Für Strom, Wasser und Heizung in den sechs städtischen Sporthallen werden laut Verwaltung  jährlich 340.000 Euro fällig. Die Nutzungsgebühr sei nötig, damit die Fehlbedarfszuweisungen des Landes nicht gekürzt werden, hatten die Befürworter argumentiert. Die Gegner hatten auf die gesellschaftliche Bedeutung und das ehrenamtliche Engagement der Sportvereine hingewiesen. So richte beispielsweise der BMTV den Stadtlauf und das Ede-Menzler-Turnier aus, und der SSV halte seine Plätze auch mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher in Schuss, wie Hans-Jürgen Scharlach betonte. „Und für die Jugend engagiert sich jeder Sportverein.“

Der desolate Haushalt lasse der CDU keine andere Wahl, „als dem Beschluss zuzustimmen“, sagte Robert Petersen. Die Grünen sähen es ebenso, bekräftigte Claus-Peter Jessen. „Gar nichts geht gar nicht.“ Anders sieht es die BALL. „Es wurde lang und breit diskutiert und jetzt ein Kompromiss gefunden“, sagte Herbert Flick. Das sei aber für seine Fraktion „kein Grund, anders abzustimmen, als wir es vor der Wahl versprochen haben“. Die damals gegebene Zusage, den Sport zu fördern, gelte nach wie vor. „Wir werden der Gebühr daher nicht zustimmen.“

Auf Unverständnis stieß bei den Vereinen der Umstand, dass auch passive Mitglieder sowie Tänzer oder Schachspieler zahlen sollen – die die Hallen und Plätze so gut wie nie nutzen. „Sie fragen sich, was das soll“, sagte Scharlach. Dadurch solle der Verwaltungsaufwand so gering wie möglich gehalten werden, erklärte Schönfelder. „Denn es ist schwierig zu   überprüfen, wer genau die Hallen wann nutzt.“

Die Tennisgemeinschaft Barmstedt wird die Nutzungsgebühr nicht zahlen müssen. Laut Verwaltung nutzen die Spieler lediglich an vier Monaten im Jahr einen Teil der Sporthallen an der Schulstraße. „Eine Beteiligung an den Kosten wäre daher unverhältnismäßig“, so Hinnerk Goos (Fachamt).

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