Die Stimme der Jugend

Kinder und Jugendliche sollen in Barmstedt ihre Wünsche an die Stadt formulieren.
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Kinder und Jugendliche sollen in Barmstedt ihre Wünsche an die Stadt formulieren.

Barmstedt möchte eine kinderfreundlichere Stadt werden / Damit das gelingt, werden Profis gefragt: die Kinder selbst

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02. September 2019, 19:00 Uhr

Barmstedt | „Warum gibt es in der Badewonne keine Rutsche?“ „Es gibt so viele Baustellen in Barmstedt, das nervt. Jeden Tag muss ich auf dem Weg zur Schule einen Umweg fahren. Wie lange noch?“ Diese und viele weitere Fragen hatten die Teilnehmer des Jugendforums auf dem Herzen, zu dem Barmstedts Stadtjugendpfleger Martin von Aspern vor Kurzem ins Jugendzentrum (Jukids) eingeladen hatte. An einer „Motzmauer“ klebten die Kinder Karten mit Hinweisen wie „Am alten Rewe-Markt liegen so viele Spritzen“, oder sie bemängelten den Zustand der Schultoiletten.

„Hier sind jeden Tag über 50 Kinder, die hier ihre Freizeit verbringen. Aus den Anregungen dieser Foren greifen wir besonders interessante Themen auf, bilden eine Projektgruppe und diese bearbeitet das Anliegen weiter. So war es auch bei der Skateanlage“, erklärte von Aspern. Seit Anfang des Jahres ist ein Auszubildender der Stadtverwaltung Gast auf dem Forum und berichtet, was im vergangenen Monat Thema im Rathaus war und was im nächsten Monat ansteht. „Wir arbeiten darauf hin, dass die Kinder sich mehr für ihren Ort und diese Einrichtung interessieren. Hier können sie sofort sagen, was sie stört. Wie sie Einfluss auf die Politik nehmen können, welche Möglichkeiten eine Bürgerfragestunde bietet, das müssen sie lernen“ so von Aspern.

Karsten Kruse, Auszubildender bei der Stadtverwaltung im dritten Lehrjahr, brachte den Kindern dann das schwierige Thema Haushalts- und Projektplanung nahe. „Wir können nur das umsetzen, was die Politik beschließt. Auf der letzten Sitzung wurde darüber abgestimmt, die Skateanlage zu bauen. Das ist auch ein Ergebnis eurer Mitarbeit. Wenn ihr wollt, dass die Politik mehr für Euch macht, müsst ihr zu den Sitzungen der Ausschüsse kommen. Die sind öffentlich und dort könnt ihr Fragen stellen. Das bewirkt viel mehr, als im ersten Moment zu sehen ist“ erläutert Kruse. Und noch eine gute Nachricht hatte er dabei: „In der Mensa der Gottfried-Semper-Schule gibt es ab November wieder ein Frühstücksangebot“. Zum Forum im Jukids meint Kruse: „Ich finde es wichtig, hier etwas zu machen. Hier stößt man auf offene Ohren. Je nach Interesse bei den Kindern kommen die Themen wie Haushalt oder Mensa-Frühstück eben unterschiedlich an“ sagte er. In der städtischen Einrichtung Jukids wird offene Kinder- und Jugendarbeitet gestaltet.

Nach Meinung von von Aspern ist dies wichtiger denn je, weil die Freizeit von Kindern immer mehr verplant, organisiert und kommerzialisiert wird. „Dies hier ist ein Angebot der Stadt Barmstedt, die meisten Angebote sind kostenfrei bis auf paar kleine Aktionen. Hier entscheiden die Kinder selber was sie machen möchten. Es gibt bestimmte Angebote wie Kochen, Sport, Spiel, Ausflüge oder kreative Gruppen wie die Töpferei im Keller, die an jedem Donnerstag sehr gefragt ist“ so von Aspern. Außer ihm zählen noch zwei Erzieher, eine pädagogische Mitarbeiterin und demnächst noch eine Sozialpädagogin zu den Betreuern. Gefragt sind sie neben der täglichen Arbeit hauptsächlich in der Fallarbeit, wo die Nähe zu den Kindern und Jugendlichen in vertrauliche Gespräche zu Sorgen und Nöten in der Familie, aber auch zur Berufsfindung oder Unterstützung bei einer Bewerbung mündet. „Wir gehen mit den Jugendlichen auch schon mal zu den Ämtern. Beim Thema Sucht gibt es eine enge Kooperation mit den Schulen. Auch wenn wir jeden Wochentag bis 20 Uhr geöffnet haben, verstehen wir uns nicht als Konkurrenz zu den Sportvereinen. Dort muss man Mitglied sein und Beitrag zahlen. Hier kommen die Kinder freiwillig und müssen nichts zahlen“ so von Aspern.

Dass das Konzept bei den Kindern ankommt, bestätigt Devin (11): „Ich find das alles gut hier und komme sehr gern. Zu Hause bin ich allein, hier treffe ich Freunde und wir können zusammen Billard spielen“. Auch Leon (14) ist fast jeden Tag im Jukids. „Wenn die von der Stadt kommen, interessieren mich nicht alle Themen, aber alles was mit Sport zu tun hat finde ich wichtig. Meine Eltern wissen wo ich bin und finden das gut, das ich hierher gehe“. Auch Jolina (13) ist oft in der Einrichtung zu finden, die Angebote interessieren sie weniger. „Ich bin durch eine Freundin hierher gekommen. Die Gemeinschaft ist einfach gut und daher bin ich gern hier. Einfach quatschen und abhängen“ so die Jugendliche. Nach der großen Resonanz in den Vorjahren wird das Forum mit Politikern der Stadt im November jetzt schon intensiv vorbereitet. Weitere Infos zum Jukids und auch das wöchentliche Programm ist zu finden im Internet auf der Webseite des Jukids.
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