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50 Jahre FWG Lutzhorn : Die starke Gemeinschaft

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Die Freie Wählergemeinschaft Lutzhorn feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen. Ein geplanter Großflughafen führte in den 60ern zur Gründung der Gruppe.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Lutzhorn | Es sollte ein gigantisches Projekt werden, das das Gesicht der Region rund um Barmstedt komplett verändert hätte: der Flughafen Kaltenkirchen, der in den 60er-Jahren als Großflughafen für Hamburg auch auf Lutzhorner Gebiet geplant war. Siedlungen innerhalb der Bebauungszone hätten aufgegeben müssen. Doch dagegen formierte sich Widerstand: Am 10. Januar 1966 wurde in der damaligen Gastwirtschaft von Johann Behrens die Freie Wählergemeinschaft (FWG) Lutzhorn gegründet. Sie ist seit dieser Gründung die einzige politische Kraft in der Gemeinde geblieben. „Im Sinne einer lebendigen Demokratie will die Freie Wählergemeinschaft einen möglichst großen Kreis der Bürger der Gemeinde für die gemeindlichen Aufgaben interessieren“, schreibt Lutzhorns ehemaliger Bürgermeister Werner Kock in der Chronik der FWG. Dabei soll ein nach demokratischen Grundsätzen ausgewählter Kreis von Männern und Frauen zur ehrenamtlichen Mitarbeit herangezogen worden.

Einer der Lutzhorner, der sich in der FWG engagiert, ist der derzeitige Vorsitzende Harm Hölscher. „Die Wählergemeinschaft ist ungemein wichtig für Lutzhorn“, sagt er. Man sei komplett unabhängig, es gebe keinen übergeordneten Kreis- oder Landesverband. Vor 50 Jahren sei die Verhinderung des Flughafenbaus das Thema der Wählergemeinschaft gewesen. „Das Großprojekt hätte für die Region enorme Konsequenzen bedeutet“, sagt Hölscher. Der Flughafen hätte den Grunstückspreisen stark geschadet. „Lutzhorn wäre nicht mehr dasselbe Dorf gewesen“, so der Vorsitzende.

Flughafenplanung erschüttert den Ort

Kock berichtet, dass in den ersten Vorstand der FWG Otto Mohr als Vorsitzender, Hans Pingel als Stellvertreter, Horst Böhlke als Schriftführer und Egon Heins als Kassierer gewählt wurden. „Wir wollten eine Gemeinschaft werden, in der sich alle Bürger der Gemeinde wiederfinden. Das sind auch die Grundideen, die in der Satzung stecken.“ Nachdem der erste Vorstand feststand, sei aus der Versammlung heraus die Gemeindevertretung für das Jahr 1966 gewählt worden. In den Jahren danach habe die Flughafenplanung immer im Vordergrund der politischen Veranstaltungen gestanden, erzählt Kock. Zunächst habe sich Resignation in der Gemeinde breitgemacht. „Einige große Bauernhöfe wurden aufgegeben und die Familien umgesiedelt“, heißt es in der Chronik. Doch mit der längeren Planungsdauer habe es immer mehr Gegner dieses Vorhabens gegeben.

In den 80er-Jahren kam dann überraschend das Aus für das Großprojekt, das die Gemeinde fast 20 Jahre in ihren Bann gezogen hatte. Andere Themen gerieten mehr in den Vordergrund – wie beispielsweise der Straßen- und Wegebau, berichtet Kock. „Jedes Haus sollte an eine feste Zuwegung angeschlossen werden“, sagt er. „Da haben wir in den ganzen Jahren immer dran festgehalten und viel Geld in den Wegebau investiert.“ Feste Straßen seien gerade in der Streulage Lutzhorns wichtig. Ein Streitpunkt sei die zentrale Trinkwasserversorgung gewesen. Die Wählergemeinschaft und besonders die aus ihr heraus gewählten Gemeindevertreter hätten während dieser Zeit vor vielen Herausforderungen gestanden, so der ehemalige Bürgermeister.

Erhalt der Schule war ein wesentlicher Punkt

Auch der Erhalt der heutigen Grundschule sei immer ein wesentlicher Punkt der FWG gewesen. Große Investitionen gab es zum Beispiel in den 80er-Jahren: 1983 begannen die Bauarbeiten für eine neues Gemeindezentrum und neue Schulklassen. „Unter der Regie des damaligen Bürgermeisters Hans Kruse traten jeden Sonnabend freiwillige Bürger zum arbeiten und mithelfen an“, so Kock. 1986 seien die Arbeiten beendet gewesen. Neue Schulklassen, kindgerechte Sanitäranlagen und ein großes Gemeindezentrum waren entstanden. Rund 1,5 Millionen Mark waren verbaut worden. „Die Historie der FWG ist auch immer die jüngere Geschichte Lutzhorns gewesen“, fasst Kock die vergangenen 50 Jahre zusammen.

Und was bringt die Zukunft? Auf der jüngsten Jahreshautpversammlung gab Lutzhorns Bürgermeister Hans-Jürgen Kublun einen Ausblick auf die Herausforderungen. Der Breitbandausbau von der Grenzhöhe aus über die Reihe zum Ortskern hin sei geplant. „Wenn alles gut läuft, beginnen die Arbeiten noch im Mai oder Juni“, so Kublun. Weitere Wege-Unterhaltungsarbeiten ständen ebenfalls auf dem Programm. Und auch das Thema Fracking sei immer noch nicht ganz vom Tisch, ergänzt Hölscher. Auch für das gesellschaftliche Leben in Lutzhorn sei die FGW sehr wichtig, sagt der Vorsitzende. „Heute organisieren wir viele Events wie den Bingo-Abend. Aber auch die Kandidaten für die Gemeindevertretung stellen wir zusammen. Am Ende geht es uns allen ums Dorf.“

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