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Barmstedt : Die Stadt will Ehrenamtler entlasten

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der Bund erhöht 2016 die Flüchtlingspauschale – Barmstedt plant eine neue Stelle. Deutschkursus für Frauen boomt.

Barmstedt | Die Flüchtlingswelle reißt nicht ab, wie auch die jüngsten Zahlen aus Barmstedt zeigen. „Als ich vor zwei Wochen bei der Einwohnerversammlung über das Thema informiert habe, hatten wir 75 Asylbewerber im Leistungsbezug. Jetzt sind es 88“, stellte Fachamtsleiter Uwe Dieckmann am Montagabend im Sozialausschuss fest. Unterbringen müsse die Stadt noch elf Personen mehr, wie Fachamtsmitarbeiter Heiko Lichy gestern auf Anfrage sagte. Denn zu denjenigen, die über das Sozialamt der Stadt Geld erhalten, kämen diejenigen, deren Asylantrag bereits anerkannt sei, die beim Jobcenter arbeitssuchend gemeldet seien und darüber Leistungen bezögen.

Problem: Die anerkannten Flüchtlinge blockierten häufig Wohnraum für die Neuankömmlinge, so Dieckmann. „Sie sind eigentlich gehalten, selbst nach einer Wohnung zu suchen“, sagte Lichy. „Doch sie finden oft keine, weil es zu wenige gibt oder Vermieter sie nicht wollen, weil ihre Duldung auf ein paar Jahre befristet ist.“ Da die Stadt aber Wohnraum für neue Flüchtlinge vorhalten müsse, „dreht sich das alles im Kreis“.

Für 2016 habe der Kreis die Prognose, wie viele Flüchtlinge Barmstedt zugewiesen werden, deutlich nach unten korrigiert, sagte Dieckmann: von 680 auf aktuell 340. Nach aktuellem Stand habe die Stadt „Reserven, um weitere 160 Flüchtlinge dezentral unterzubringen“. Doch das seien nur Möglichkeiten, wie Lichy einschränkte. „Es laufen viele Gespräche mit potenziellen Vermietern. Ob die Verträge am Ende wirklich unterschrieben werden, ist noch völlig unklar.“

Fest steht indes, dass die einmalige Pauschale, die die Kommunen für jeden Flüchtling vom Bund erhalten, im kommenden Jahr in zwei Schritten auf 2000 Euro erhöht wird. Für Barmstedt würde das – gesetzt den Fall, die Prognose trifft zu – etwa 750.000 Euro bedeuten. Die Mittel könnten unter anderem dazu verwendet werden, um die ehrenamtlichen Flüchtlingsbetreuer zu entlasten, sagte Dieckmann. „Sie stehen stark unter Druck.“ Die Stadt und das Amt Rantzau planten daher, gemeinsam eine neue Stelle für Beratung, Dolmetschen und ähnliche Aufgaben zu schaffen. Auch für Sprachkurse könnte das Geld eingesetzt werden – etwa für den Deutschkursus für Frauen, den der Verein für weibliche Diakonie anbietet und der „immer voller wird“, wie Mitorganisatorin Adelheid Ritter im Ausschuss berichtete.

2006 gegründet, hatte der Kursus zeitweilig mit einer zu geringen Teilnehmerzahl zu kämpfen. Doch das ist vorbei: „Wir haben im Durchschnitt zehn Frauen da, von denen jede zwei bis vier Kinder mitbringt“, so Ritter. Dadurch vergrößere sich auch der Aufwand für die Kinderbetreuung, die – ebenso wie der Deutsch-Unterricht – ehrenamtlich geleistet wird. Wegen der großen Nachfrage habe der Verein den Kursus vor kurzem von einem auf zwei Nachmittage erweitert, sagte Ritter. Für die Teilnehmerinnen, die aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammen und teilweise erst neu, teilweise aber auch schon länger in Barmstedt sind, sei er „Gold wert. Sie werden selbstbewusster und knüpfen neue Kontakte.“ Die Stadt bezuschusst den Kursus jährlich mit 900 Euro. Auch für 2016 bewilligte der Ausschuss diesen Betrag einstimmig.

Das Barmstedter Jugendzentrum soll im kommenden Jahr für den Programmetat 5000 Euro erhalten – 500 Euro mehr  als bisher. Einrichtungsleiter Martin von Aspern begründete das mit dem Mehraufwand durch die Wochenend-Öffnung.  Der Sozialausschuss stimmte der Erhöhung einstimmig zu. eme
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erstellt am 09.Dez.2015 | 00:34 Uhr

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