Die nächste Meister-Generation

Ute Volquardsen (von links), Klaus-Hinrich Vater und Klaus-Peter Lucht überreichten gestern die Meisterbriefe an die erfolgreichen Lehrgangsabsolventen der „Grünen Berufe“ in Schleswig-Holstein.
Ute Volquardsen (von links), Klaus-Hinrich Vater und Klaus-Peter Lucht überreichten gestern die Meisterbriefe an die erfolgreichen Lehrgangsabsolventen der „Grünen Berufe“ in Schleswig-Holstein.

30 junge Führungskräfte aus ganz Schleswig-Holstein erhalten im Gartenbauzentrum Ellerhoop ihre Abschlusszeugnisse

Avatar_shz von
12. November 2019, 13:00 Uhr

Ellerhoop | „Dieser Termin ist für mich etwas ganz Besonderes“, sagte Ute Volquardsen, die seit Ende vergangenen Jahres Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ist. Ihr gegenüber saßen zahlreiche junge Menschen der „Grünen Berufe“, die gestern im Gartenbauzentrum in Ellerhoop ihre Meisterbriefe erhalten haben. Zusätzlich zu den 24 jungen Meistern aus ganz Schleswig-Holstein – 14 Gärtner in den Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau, Baumschule, Friedhofsgärtnerei und Zierpflanzenbau, acht Landwirtschaftsmeister sowie zwei Meister der Pferdewirtschaft Fachrichtung Klassische Reitausbildung – haben sechs Absolventen die Prüfung zum Agrarservicemeister bestanden.

Dass der gestrige Festakt einen hohen Stellenwert innerhalb der Branche hat, zeigte die Gästeliste: So waren etwa auch Klaus-Hinrich Vater, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel (IHK), und Klaus-Peter Lucht, Vizepräsident des Bauernverbandes Schleswig-Holstein, nach Ellerhoop gekommen. „Es ist Freitagnachmittag – und alle sind sie da“, kommentierte Volquardsen die Riege der Ehrengäste. In ihrer Ansprache betonte sie die Vielfältigkeit der Branche sowie die Herausforderungen, vor denen die jungen Kollegen stünden: Die rechtlichen Bedingungen in den Bereichen Umweltschutz, Qualitätsstandards, Tierwohl und Hygiene werden immer komplexer, dazu käme die fortschreitende Digitalisierung. Auch Auswirkungen von Klimawandel und Extremwetterlagen seien stets ein Thema. Und: „Sie sind das beste Aushängeschild für die Fachkräftewerbung“, sagte Volquardsen im Hinblick auf den Fachkräftemangel.

Klare Worte richtete Klaus-Peter Lucht an die Gäste – aber auch an die beiden Landtagsabgeordneten Peter Lehnert (CDU) und Kai Vogel (SPD), die unter den Gästen waren: „In den Grünen Berufen erleben wir gerade schwere Zeiten“, sagte Lucht. Und: „Viele von uns haben das Gefühl, dass sie nur Dresche bekommen.“ Konkret erwarte er von der Politik, dass die Interessen des Agrarsektors ernst genommen würden. Die Politiker sollten nach wissenschaftlichen Erkenntnissen richten und handeln – und nicht „nach irgendwelchen dahergeredeten Sachen“. Ohne es explizit zu benennen, spielte er damit auf den Agrarpaket der Bundesregierung und die geplanten Änderungen bei der Düngeverordnung an, die in den vergangenen Wochen zu Großdemonstrationen geführt haben. An die jungen Meister gerichtet sagte er, dass zum Unternehmertum auch gehöre, sich gesellschaftlich zu engagieren: „Man kann sich nicht nur auf die Straße stellen. Man muss sich auch dort, wo man gut ist, einbringen.“

Diese Worte waren Wasser auf die Mühlen von IHK-Präsident Vater: „Es ist en vogue geworden, dass wir in Deutschland jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf treiben. Wir können mit der Feinstaubdiskussion anfangen und mit der Düngemittelverordnung aufhören. Das muss aufhören.“ Nur sei er nicht für politische Statements nach Ellerhoop gekommen, sondern um den kommenden Generation der Unternehmer und Verantwortungsträgern ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben. So erfuhren sie, dass der IHK-Präsident selbst mal Landwirt werden wollte – und auch heute noch bei einem Freund ab und an selbst noch mal die Melkmaschine in die Hand nimmt.

Was ihn damals schon fasziniert und motiviert habe, sei der „Freiraum, Verantwortung zu übernehmen – für sich selbst und andere“. So ging er darauf ein, dass die jungen Meister vor ihm zugleich Unternehmer seien oder bald sein werden. Wichtig sei es, Entscheidungen zu treffen, sagte Vater – auch, wenn sie nicht immer gut ankämen – beispielsweise, wenn es darum gehe, Mitarbeiter entlassen zu müssen. Ebenso ermunterte er seine Zuhörer, Verantwortung an Mitarbeiter abzugeben. „Es gibt noch immer Chefs, die ihre Mitarbeiter zur Unselbstständigkeit erziehen“, berichtete er. Wer als Chef öfter sagt: „Alles muss man hier selbst machen“, sollte sich nicht wundern, wenn es dann auch genau dazu führe.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen