zur Navigation springen

Schwein bleibt auf dem Speiseplan : Die Mensen bieten weiterhin alle Gerichte an

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

An den Speiseplänen in Barmstedt und Elmshorn Schulen wird sich nichts ändern. Muslimische Schüler können zu Alternativen greifen.

shz.de von
erstellt am 03.Mär.2016 | 12:30 Uhr

Barmstedt/Elmshorn | Von Verbot bis Pflicht: In der Diskussion um Schweinefleisch in Mensen haben Barmstedts Schulen pragmatische Lösungen gewählt. Sowohl am Gymnasium als auch an der Grund- und Gemeinschaftsschule werden Gerichte mit Schwein weiterhin angeboten. Für Schüler, die es aus religiösen oder anderen Gründen nicht essen, gibt es Alternativen. Beschwerden oder Diskussionen darüber habe es an beiden Schulen nicht gegeben, hieß es.

In Flensburger Schulen und Kitas ist es seit Kurzem verboten. Die Landes-CDU will es in Kantinen verpflichtend auf den Speiseplan setzen lassen, und deutschlandweit wird kontrovers über das Thema diskutiert: Soll in den Mensen aus Rücksicht auf muslimische Kinder kein Schweinefleisch mehr angeboten werden?

Auch in Elmshorn ist ein Schweinfleischverbot, wie es etwa die Stadt Flensburg ausgesprochen hat, undenkbar. „Das ist das völlig falsche Signal. Ein Verbot wird es in Elmshorn nicht geben“, betonte Bürgermeister Volker Hatje. An Elmshorns Kitas gibt es laut Stadtrat Dirk Moritz  auch seitens der Betreiber keine Vorgaben. Auch der Caterer, der die Mensen an den weiterführenden Schulen der Stadt betreibt, biete weiterhin Schweinefleisch an. Dort gebe  es täglich ein Gericht mit Schwein, eines mit Huhn oder Rind sowie ein vegetarisches Angebot. Ein Verbot würde zu Sozialneid führen, meint Moritz. „Ich halte das für unsinnig. Es trägt zur Ablehnung statt zur Akzeptanz der Flüchtlinge bei.“

Auch Claus-Dieter Weiß, Leiter des evangelischen Kindergartens in Hainholz, hält nichts von einem Verbot. In der Kita werden 115 Kinder aus 18 Nationen betreut. 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund. „Bei uns wird es immer  Schweinefleisch geben. Wir haben auch den deutschen Kindern Rechnung zu tragen“, so Weiß.

„Wir verwenden generell wenig Schwein und bei Hack nur Rind“, sagt Monica Madsen-Zimmermann, die in der Mensa der Grund- und Gemeinschaftsschule (GGS) arbeitet, in der täglich 70 bis 100 Essen ausgegeben werden. Außer den etwa zehn muslimischen Schülern, die regelmäßig in der Mensa essen, gäbe es auch andere Kinder, die kein Schweinefleisch essen würden, so Madsen-Zimmermann. „Darauf nehmen wir Rücksicht. Außerdem weisen wir die jüngeren Schüler, die kein Schwein essen dürfen, darauf hin.“

Alle Gerichte mit Schweinefleisch würden extra gekennzeichnet, so Madsen-Zimmermann. Für die anderen Speisen – die getrennt lägen – gebe es extra Löffel. Erleichtert werde die Umsetzung der muslimischen Regeln dadurch, dass eine Mitarbeiterin Muslima sei.

Keine Probleme oder Beschwerden

Im Frühstücksbereich der Mensa werde grundsätzlich kein Schweinefleisch verwendet, so Madsen-Zimmermann. „Da haben wir Puten- und Rindersalami.“ Der Ersatz von Schweine- durch Rindfleisch sei aber auch eine Preisfrage. „Rind ist wesentlich teurer.“ Zudem gehöre „Schwein zu unserer Esskultur, und die meisten Schüler essen es auch“. Probleme oder Beschwerden muslimischer Eltern habe es bisher nicht gegeben, sagt sie. „Die Alternativen haben wir von uns aus angeboten. Ich denke, beide Seiten können damit gut leben.“

Auch am Gymnasium habe es keine Diskussionen oder Beschwerden über das Thema gegeben, wie Pressesprecher Mario Bäumer berichtet. „Wir haben 18 muslimische Schüler, und in Bezug auf verschiedene Essensbräuche herrschen bei uns ein harmonisches Miteinander und große Flexibilität.“ Mensaleiterin Antje Vajen, die täglich etwa 100 Essen ausgibt, sagt zu dem Thema: „Wir bieten alles an, wenn die Schüler auf uns zukommen und ihre Wünsche äußern – seit einiger Zeit gibt es deshalb zum Beispiel Brötchen mit Putensalami.“ Selbstverständlich würde sie auch für muslimische Schüler extra kochen, sagt Vajen. „Wir kochen ja auch für einige wenige Schüler glutenfrei.“ Der Wunsch nach Gerichten ohne Schwein sei bislang aber noch nicht an sie herangetragen worden. „Es gibt nur eine Schülerin, für die ohne Schwein gekocht wird, weil sie es nicht verträgt – es sind also keine religiösen Gründe.“ Montags allerdings werde immer darauf geachtet, dass ohne Schwein gekocht werde, so Vajen. „Dann hilft Aziz, einer der in Barmstedt lebenden Flüchtlinge, in der Küche mit, und er soll auch mit essen können.“

Die muslimischen Schüler selbst sähen das Thema „völlig unproblematisch“, so Bäumer. „Es gibt immer eine Alternative, wenn es mal Schwein gibt, zum Beispiel vegetarisches Essen“, sagen Mert (Klasse 12d) und Yasin (13e). Auch Ibrahim (13d) sieht es pragmatisch. „Wenn ich in der Mensa Fleisch essen will, frage ich einfach, ob es Schwein ist. Und wenn ja, esse ich eben etwas anderes.“

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen