Abfall im Rantzauer See : Die Menschen sind schlimmer als die Gänse

Mit Hilfe eines Metalldetektors  fand Gunnar Labs (40) auf dem Seegrund jede Menge Müll.
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Mit Hilfe eines Metalldetektors fand Gunnar Labs (40) auf dem Seegrund jede Menge Müll.

Auf dem Grund des Gewässers liegt jede Menge Müll. Eine Entschlammung des Sees ist jedoch noch nicht in Sicht.

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04. November 2013, 12:00 Uhr

Es war ein stimmungsvolles Bild, das sich am Abend des 15. Juni während der „Party danach“ am Rantzauer See bot: Mehrere hundert Teelichte schwammen in der Dämmerung auf dem Wasser und tauchten den See in flackerndes Licht. Jetzt sind etliche der kleinen Aluminiumnäpfe wieder aufgetaucht: Sie liegen auf dem Grund des Sees, der nach dem Ablassen vor einer Woche noch recht „leer“ ist.

„Wir holen hier laufend Teelichte raus“, berichtet Gunnar Labs, der am Freitag mit einem Freund auf dem See unterwegs war und den schlammigen Grund mit Hilfe von Metalldetektoren absuchte. Die Geräte schlugen laufend an. Außer unzähligen Teelichten fanden die beiden Barmstedter einige Münzen – besonders aus dem Dritten Reich –, einen kaputten Zahnspiegel, Modeschmuck und diversen weiteren, metallhaltigen Abfall.

Labs und sein Freund stopfen den Müll in Tüten, um ihn später zu entsorgen. Auf dem Weg ans Ufer – vorbei an zwei Autoreifen und einem kaputten Zementrohr – hebt Labs noch eine verknickte Capri-Sonne auf. „Es wird immer alles auf die Gänse geschoben“, sagt er mit Blick auf den verdreckten See. „Aber die Menschen sind viel schlimmer.“ Vor allem im Uferbereich liege viel Müll, sagt Labs. „Hier müsste die Stadt mal durch.“ Jetzt sei die Gelegenheit günstig, den See von Unrat zu befreien und zu entschlammen.

Die Stadt will die wasserarme Zeit aber nur nutzen, um den Boden des Sees untersuchen zu lassen. „Ein Ingenieurbüro wird demnächst Proben nehmen“, teilte Peter Knaak (Verwaltung) während der Umweltausschusssitzung mit. Eine Entschlammung werde – wenn überhaupt – frühestens in zwei Jahren erfolgen. Wie teuer sie wäre, sei noch unklar. Während der Einwohnerfragestunde hatte auch See-Anwohner Henning Mohr angeregt, das Gewässer vom „vielen Schlick“ zu befreien. „Der Angelverein würde das sehr begrüßen“, sagte Mohr. Betroffen sei auch der Burggraben: Dort hätten sich „viele Äste, Laub und ähnliches“ angesammelt. „Das ist schon fast ein Hochmoor.“

Der Boden des Rantzauer Sees sei vor 20 Jahren schon einmal beprobt worden, sagte Mohr. Damals seien die Sedimente „so harmlos gewesen, dass sie auf den Wiesen hätten abgelagert werden können“. Die Belastung dürfte sich kaum geändert haben, vermutete er. „Wir haben hier ja in der Zwischenzeit keine neuen Chemiefabriken gebaut.“ Dennoch könnten sich die Werte geändert haben, sagte Knaak – „wie man an den Blaualgen sieht“.

Mohr regte weiterhin an, einen Schilfgürtel rund um den See anzulegen. „Dafür hatte ich vor Jahren schon mal 4000 Mark gespendet. Aber die wurden dann für bunte Blumen ausgegeben.“ Schilf würde helfen, die Belastung des Wassers durch Dünger, Kot und andere organische Substanzen zu reduzieren.

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