Stadtbücherei : Die Leser wünschen sich mehr Platz

Ausgenutzt bis auf den letzten Zentimeter: Leiterin Sabine Jülich vor den Regalen in der Stadtbücherei.

Ausgenutzt bis auf den letzten Zentimeter: Leiterin Sabine Jülich vor den Regalen in der Stadtbücherei.

Die Besucher bemängeln zu enge Gänge und hätten gern Sitzecken. Eine Expertin kritisiert die Arbeitsbedingungen.

shz.de von
31. Januar 2017, 17:00 Uhr

Barmstedt | Die  Barmstedter Stadtbücherei ist zu eng und hat zu wenig gemütliche Ecken: Das ist ein wesentliches Ergebnis der Nutzer-Umfrage, die Büchereileiterin Sabine Jülich vor Kurzem im Kulturausschuss vorgestellt hat. „Eine räumliche Vergrößerung ist mit Abstand der Punkt, den die Kunden sich nicht nur wünschen, sondern als Erstes in Angriff nehmen würden“, so Jülich. Empfehlungen zufolge benötigten Büchereien 60 Quadratmeter Fläche, um 1000 Medien zu präsentieren, sagte sie. „Wir haben hier 23.000 Medien auf 217 Quadratmetern.“ Etliche Kunden bemängelten, dass die Regale so dicht stehen, dass man mit einem Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator kaum dazwischen entlang komme.

Auch der „Gemütlichkeitsfaktor“ der Bücherei lässt laut der Umfrage zu wünschen übrig. 13 Prozent der Befragten finden die Räumlichkeiten „altmodisch“, acht Prozent „muffig“ und lediglich vier Prozent „modern“. „Ich fühle mich in die 70-80er zurückversetzt. Das ist schon fast retro“, schreibt etwa eine Nutzerin. „Da muss was passieren“, sagte Jülich. Vielen Nutzern fehlen  gemütliche Sitz- und Leseecken mit Sofas oder Sesseln und ein gesonderter Raum für Veranstaltungen wie Lesungen oder Gruppentreffen. Manche Nutzer wünschen sich darüber hinaus, dass Kaffee, Wasser oder Tee angeboten werden.  Auch die Kinderecke könnte gemütlicher sein, meinen manche Besucher.

Die Rampe zur Eingangstür ist seit einem Sturz gesperrt.
cutUthoff

Die Rampe zur Eingangstür ist seit einem Sturz gesperrt.

Ein weiteres Ärgernis seien die Toiletten, sagte Jülich. Es gebe lediglich ein Besucher-WC, wünschenswert seien  Toiletten für beide Geschlechter. Ebenfalls häufig  kritisiert wurde der Zugang zur Bücherei. Die Treppe von den Fahrradständern am Holstenring zum Eingangsbereich sei nicht behindertengerecht und auch für Mütter mit Kinderwagen kaum zu überwinden. Auch die Rampe zur Eingangstür  sei nicht optimal, so Jülich. Seit Kurzem ist sie zudem gesperrt: Nachdem am Donnerstag ein Kind über die schadhaften Stellen gestürzt war, hat die Stadt sie bis zur Reparatur gesperrt – die laut Jülich sowieso für dieses Jahr vorgesehen war.

Doch nicht nur die Nutzer, sondern auch die Mitarbeiterinnen der Bücherei  wünschen sich Verbesserungen. Bei einer sicherheitstechnischen Begehung sei festgestellt worden, dass ein Sozialraum und  Rettungswege fehlten, sagte Jülich. Außerdem sei das Mitarbeiter-WC so eng, dass bei einem Sturz erhebliche Verletzungsgefahr bestehe. Das gelte auch für die steile  Kellertreppe. Als prekär habe die Diplom-Ingenieurin Anja Steinmüller zudem den mangelnden Platz für drei Mitarbeiterinnen eingestuft. „Sie teilen sich zusammen acht Quadratmeter“, sagte Jülich. Das dadurch unausweichliche „verdrehte Sitzen“ führe zu „erheblichen Belastungen von Wirbelsäule und Gelenken“, schreibt Steinmüller und ergänzt: „Beeinträchtigungen der Mitarbeitenden werden vom Arbeitgeber ... in Kauf genommen. Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Dass sich in naher Zukunft etwas ändert, ist allerdings fraglich. Die Stadt habe kein Geld, „und die Bücherei ist nun mal eine freiwillige Leistung“, sagte Ernst-Reimer Sass (CDU). Sie sei aber „notwendig zur Volksbildung“, entgegnete Hans-Christian Hansen (SPD) – und Günter Thiel (BALL) ergänzte: „Wenn man eine Bücherei will, dann muss die auch vernünftig sein.“ Zudem habe die Stadt eine Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeiter.

Verwaltung soll neue Räume suchen

Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) erklärte, das Gebäude sei „ziemlich in die Jahre gekommen, wir müssen ständig investieren“. Die Frage sei, „wann das Ganze kippt“ und die Sanierungen und Reparaturen teurer würden als ein Umzug.  Michael Schönfelder (FWB) wies dagegen darauf hin, dass  erst vor vier Jahren der Fußboden erneuert worden sei. „Und damals hatten wir uns durchaus überlegt, dass das länger vorhalten muss als vier Jahre.“ Die BALL beantragte letztlich dennoch, die Verwaltung solle verstärkt nach neuen Räumen suchen –  was denn auch auf allgemeine Zustimmung stieß.

An der Umfrage, die Mitte September bis Anfang November dauerte, haben 208 Büchereinutzer teilgenommen – darunter 165 Frauen und 31 Männer. Auf zwölf Fragebögen war kein Geschlecht angegeben. Die Altersspanne reichte von 13 bis 83 Jahren, wobei die 40- bis 49-Jährigen am stärksten vertreten waren. 145 Teilnehmer wohnen in Barmstedt, 50 außerhalb. 13 machten zu ihrem Wohnort keine Angaben. Ziel der Umfrage sei es gewesen zu erfahren, wie zufrieden die Nutzer mit der Bücherei sind und wo es Veränderungsbedarf gebe, so Einrichtungsleiterin Sabine Jülich. Abgefragt wurden unter anderem die Öffnungszeiten, Räumlichkeiten, Medien und Veranstaltungen.
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