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Barmstedter Zeitung

18. Oktober 2017 | 22:57 Uhr

„Die Kapazitäten sind begrenzt“

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Barmstedts Bürgermeisterin Heike Döpke sieht Flüchtlingszustrom als größte Herausforderung in 2016 / Haushaltslage bleibt schwierig

shz.de von
erstellt am 08.Jan.2016 | 00:36 Uhr

Die Betreuung der Flüchtlinge hat das vergangene Jahr in Barmstedt geprägt und werde auch 2016 die größte Herausforderung bleiben, so Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos). Rückblickend auf 2015 bedauert sie, dass die Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Rantzau nicht umgesetzt wurde. Das Interview führte Elisabeth Meyer.

Am meisten gefreut hat mich im vorigen Jahr:

Der 875-jährige Geburtstag der Stadt Barmstedt. Zum einen, weil sich so viele Barmstedter an der Planung, Vorbereitung und der Durchführung beteiligt haben. Vereine und Verbände haben bei ihren Veranstaltungen das Motto „875 Jahre Barmstedt“ aufgenommen. Es gab viele neue Ideen, die mit Erfolg umgesetzt wurden, unter anderem die Offenen Gärten, die Marktmusik, der Kaffeenachmittag auf dem Marktplatz, der Motorradgottesdienst, Lesungen, Kinoabende und ein Theaterstück. Über die positiven Rückmeldungen habe ich mich von Herzen gefreut.


Am meisten enttäuscht hat mich:

Dass sich unser Wunsch, eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Rantzau zu bilden, trotz guter Zusammenarbeit in vielen Bereichen bislang nicht erfüllt hat.

Die schwierigste Aufgabe war:

Seit Mitte 2015 steigt die Zahl der Menschen, die in Deutschland Zuflucht suchen, monatlich sehr stark an. Die Aufnahme der Flüchtlinge, ihre Unterbringung und Versorgung war die größte Herausforderung und wird es sicher auch 2016 bleiben. Ich bedanke mich bei allen, die dazu beigetragen haben, dass wir diese Aufgabe bislang so gut bewältigt haben.

Gut gelungen ist aus meiner Sicht:

Wie gesagt, die Aufnahme der Flüchtlinge. Außerdem waren für den Zweckverband Alters- und Pflegeheim Barmstedt/Rantzau Maßnahmen zu ergreifen, um die jährlichen Fehlbeträge deutlich zu reduzieren. Mit einer erfolgreichen Pflegesatzverhandlung und dem Abschluss einer Anwendungsvereinbarung zum Tarifvertrag Soziale Dienste erreichen wir, das das Jahresergebnis 2015 weit unter dem im Wirtschaftsplan festgestellten Fehlbetrag von rund 305  000 Euro liegen wird. Die Sanierung der ehemaligen Knabenschule wurde termingenau abgeschlossen, ebenso wie der erste Bauabschnitt für die Umgestaltung der Außenanlagen der Grund- und Gemeinschaftsschule.

Verbesserungswürdig war:

aus meiner Sicht nichts.


Das kurioseste/lustigste Erlebnis war:

Die Einlösung des Wetteinsatzes nach der verlorenen Stadtwette bei der NDR- Sommertour. Das war der Tanz im Sumoringer-Kostüm auf der Bühne zusammen mit unserem Bürgervorsteher.


Die größte Herausforderung im neuen Jahr ist:

Es ist zurzeit nicht absehbar, wie sich die Flüchtlingszahlen entwickeln werden. Ich erwarte jedoch, dass wir weiterhin eine hohe Anzahl von Flüchtlingen in Barmstedt aufnehmen. Sie brauchen Wohnraum, Sprachkurse und Unterstützung in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Es gibt ein hohes ehrenamtliches Engagement. Verwaltung und Ehrenamt arbeiten gut zusammen. Die Belastungen sind jedoch hoch, und die Kapazitäten nicht unbegrenzt verfügbar.

Wie ist Barmstedt aufgestellt beziehungsweise sollte sich entwickeln in Bezug auf

- Wohnungsbau:

Unsere Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Durch die Flüchtlinge besteht ein noch höherer Bedarf an Wohnraum. Auch bei Einfamilienhäusern ist die Nachfrage zurzeit höher als das Angebot. Das Ziel kann daher nur sein, möglichst schnell Baugebiete auszuweisen. Für junge Familien und Senioren muss Wohnen bezahlbar sein.


– Haushaltsentwicklung/ Schulden:

Die Stadt erwartet für das Jahr 2016 und die folgenden Jahre hohe Fehlbeträge. Sie wird daher weitere Konsolidierungsmaßnahmen ergreifen müssen. Die Möglichkeiten sind jedoch begrenzt. Zum einen sind viele Ausgaben nicht beeinflussbar, und die Einnahmen müssten deutlich steigen. Steuern und Gebühren sind bereits erhöht worden. Zudem soll Barmstedt als Wohnort weiterhin attraktiv bleiben.

- Gewerbe:

Auch, um die Einnahmesituation zu verbessern, will die Stadt seit Jahren ein neues Gewerbegebiet ausweisen. Barmstedt gehört nach dem Gewerbeflächenentwicklungskonzept für die Landesentwicklungsachse A  23/B  5 allerdings nicht zu den zentralen Gebieten. Das erschwert die Ausweisung. Wir werden aber nicht nachlassen, dieses Ziel zu erreichen.


– Kinderbetreuung/Schulen:

Barmstedt ist gut ausgestattet. Die Schulen sind saniert und in einem guten Zustand. Wir können alle Schulformen anbieten. Durch das Konzept „Hand und Herz“ wird eine Betreuung der Kinder vor Schulbeginn und nach Schulschluss am Nachmittag angeboten.

Mein größter Wunsch für 2016 ist:

Dass wir die Flüchtlingskrise gemeinsam mit den politischen Vertretern und den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern gut bewältigen.

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