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„Feuerwehr ist nicht uncool“ : Die Jugendwehr als Sprungbrett

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Der 18-jährige Jan Ferreira gehört seit einem Jahr der Einsatzabteilung in Elmshorn an.

von
erstellt am 23.Feb.2015 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Die Jugendwehren sind das wichtigste Instrument der Freiwilligen Feuerwehren zur Gewinnung von neuen Ehrenamtlern. Auch Jan Ferreira hat über die Nachwuchsförderung der Elmshorner Wehr den Sprung in die Einsatzabteilung geschafft. Der 18-Jährige ist von kleinauf von der Feuerwehr begeistert und stolz, seit 2014 selbst ein Teil von ihr zu sein. „Es ist ein tolles Gefühl, anderen Menschen helfen zu können“, sagt der Elmshorner über seine Motivation, dieses aufwändige Ehrenamt auszuüben. „Natürlich investiert man in Ausbildung und Einsätze viel seiner Freizeit. Aber man bekommt dafür auch viel zurück: Die Kameradschaft in der Truppe ist klasse und die Aufgabe macht mir einfach Spaß.“

Während andere Jungs als Hobby Fußball oder Handball wählten, wollte Jan Ferreira schon immer zur Feuerwehr. Als er endlich zehn Jahre alt war – und damit das Mindestalter für die Aufnahme in die Jugendwehr erreicht hatte –, meldete er sich sofort an. Doch erst einmal musste er lange warten. „Die Plätze sind heiß begehrt. Nach drei Jahren auf der Warteliste bin ich mit 13 dann endlich aufgenommen worden“, berichtet der 18-Jährige.

Die Ausbildung bei der Jugendwehr funktioniert, das hat der Elmshorner gleich bei seinen ersten Einsätzen gemerkt. „Auch als Neuling in der Einsatzabteilung kannte ich viele Abläufe schon“, sagt Ferreira, der zuletzt sogar Chef (Jugendgruppenleiter) der Jugendwehr war. Einmal pro Woche hatte er als Jugendlicher Dienst.

Weil er lieber Schläuche ausrollte als so wie viele seiner Freunde gegen Fußbälle zu kicken, hatte er nie Probleme. „Feuerwehr ist nicht uncool“, betont Ferreira. „Ich bekomme aus meinem Umfeld viel Lob für mein Engagement.“ Er betont aber auch, dass es immer noch viele Menschen gebe, die mit dem Begriff Freiwillige Feuerwehr nichts anfangen können. „Viele denken, wir wären hier in Elmshorn eine Berufswehr. Die Leute stutzen, wenn man ihnen erklärt, dass wir das alles ehrenamtlich in unserer Freizeit machen“, berichtet der Feuerwehrmann.

Die „große“ Wehr

Mittlerweile ist Ferreira ein Jahr in der „großen“ Wehr. Schon bei 70 Einsätzen war er dabei. „Das ging sofort los. Kaum hatte ich den Melder in der Hand, piepte er auch schon“, erzählt der 18-Jährige. Gemeinsam mit weiteren Kameraden rückte er zu einem brennenden Mülleimer aus. „Wenig spektakulär. Wir haben ein wenig Wasser raufgekippt, dann war das Feuer aus.“ Der junge Mann hat aber auch schon heftige Einsätze miterlebt. So war er rund 15 Stunden beim denkwürdigen Brand des Hochhauses in der Beethovenstraße im Einsatz und auch beim Feuer in der Eckermannstraße. Dort stand am 26. Januar 2014 ein Wohnhaus in Flammen. Der Einsatz verlief äußerst tragisch: Ein älterer Bewohner des Hauses konnte nicht mehr lebend gerettet werden.

Keine einfache Situation für einen Neuling. „Ich konnte das aber gut verarbeiten. Man darf solche Dinge nicht zu sehr an sich ranlassen“, sagt Ferreira. Von älteren Kameraden habe er viele Tipps bekommen. „Wir sind ein gutes Team und tauschen uns über so etwas aus.“ Zur Not steht den Einsatzkräften aber auch mit Pastorin und Feuerwehrfrau Britta Stender eine Seelsorgerin zur Seite.

Die Feuerwehr ist für Ferreira ein wichtiger Lebensinhalt. „Solange es meine Gesundheit zulässt, werde ich aktiv bleiben“, sagt der 18-Jährige. Er hatte sogar schon einmal den Gedanken, Berufsfeuerwehrmann in Hamburg zu werden. Das spielt aber zurzeit überhaupt keine Rolle mehr. „Mir macht das hier richtig viel Spaß. Als Berufsfeuerwehrmann wäre ich nur noch Feuerwehrmann. Mir gefällt es als Hobby sehr gut“, sagt Ferreira. Für den Elektriker-Azubi im dritten Lehrjahr steht ohnehin bald erst einmal die Prüfung an. Probleme mit seinem Arbeitgeber, der Otto Weich GmbH, wegen seines Ehrenamts hat er nicht. Im Gegenteil. „Mein Chef findet es gut, dass ich mich engagiere und stellt mich gern frei.“

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