Barmstedt : Die Hallennutzung bleibt kostenlos

Deutlicher Protest: Etwa 60 Sportler – die meisten in ihre Vereinstrikots gekleidet – verfolgten die Sitzung.
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Deutlicher Protest: Etwa 60 Sportler – die meisten in ihre Vereinstrikots gekleidet – verfolgten die Sitzung.

Ausschuss lehnt die Einführung von Sporthallengebühren ab – Argument: 20.000 Euro retten den Barmstedter Haushalt nicht.

shz.de von
21. Januar 2015, 10:00 Uhr

Barmstedt | Barmstedts Vereinssportlern bleibt eine Beitragserhöhung erspart: Der Sportausschuss hat sich am Montagabend dagegen ausgeprochen, für die Nutzung der Sporthallen Gebühren zu erheben. Eine andere Entscheidung hätte zur Folge gehabt, dass die Vereine die Mitgliedsbeiträge erhöht hätten, um die zusätzlichen Kosten – ingesamt etwa 20.000 Euro – finanzieren zu können. Die Entscheidung war knapp: Fünf Politiker (FWB, BALL, SPD) stimmten gegen eine Gebühr; vier (CDU, SPD, Grüne) dafür.

Die Politiker sahen sich heftigem Widerstand ausgesetzt: Zur Sitzung in der Kommunalen Halle hatten sich etwa 60 der insgesamt 3000 Sportvereinsmitglieder eingefunden. Die Vorstände von BMTV, SSV Rantzau und FC Heede hatten zudem mehrseitige Stellungnahmen verfasst, in denen sie ihre Argumente gegen die Gebühr darlegten. Am wichtigsten, so Joachim Baasch (BMTV), sei dabei die Bedeutung, die die Sportvereine für die Stadt und die Gesellschaft hätten. So begleiteten sie Jugendliche ins Leben und könnten sie davor bewahren, auf die schiefe Bahn zu geraten. „Das kann man nicht mit Geld aufwiegen“, sagte er. Die von den Vereinen ehrenamtlich organisierten Veranstaltungen wie das Ede-Menzler-Turnier, der Stadtlauf und die Fußball-Turniere des SSV – erhöhten zudem Barmstedts Attraktivität. „Diese Aspekte sollte sich durchsetzen. Das Thema ist nicht dafür geeignet, den Haushalt zu sanieren. Sie entscheiden heute vielmehr darüber, ob Sie unsere Arbeit anerkennen“, sagte Baasch.

Michael Schönfelder (FWB) unterstützte diese Sichtweise. „Die Nutzung durch die Vereine kostet uns zwar Geld für Wasser und Energie“, sagte er. Dass die Stadt dafür nichts kassiere, „ist für mich ein Dankeschön dafür, wie sehr sie sich für die Kommune engagieren“. Patrick Laas (SPD) sah es auch so: „Wenn die Sportvereine nicht ehrenamtlich aktiv wären, würde vieles wegfallen – zum Beispiel die Integration der Asylbewerber, die die Angebote kostenlos nutzen dürfen“, sagte er. Darauf wies auch Herbert Flick (BALL) hin, der noch nachschob: „Wir werden die Arbeit der Vereine ohne Wenn und Aber unterstützen.“

Die Befürworter einer Gebühr argumentierten mit der desolaten Haushaltslage der Stadt. „Wir werden Ende des Jahres 4,6 Millionen Euro Schulden haben“, sagte Ernst-Reimer Sass (CDU). „Bei fünf Millionen würden wir unter einen Rettungsschirm kommen. Dann würde uns von oben diktiert, was wir machen müssen, um mehr Einnahmen zu erzielen. Das möchte ich nicht!“ Die Sportvereine würden sich extrem engagieren, sagte er. „Das erkennt auch jeder an. Aber jetzt tragen die Kosten auch diejenigen, die nicht im Verein sind.“ Er plädiere dafür zu versuchen, „mit den Vereinen einen Kompromiss zu finden“.

Warnungen vor einem „Horror-Szenario“

Bürgermeisterin Heike Döpke (parteilos) schloss sich ihm an. Sie warnte vor einem „Horror-Szenario“, wenn die Stadt nichts unternehme, um die Verschuldung zu reduzieren. „Am Ende werden wir nicht mehr selbst entscheiden können, wofür wir unser Steuergeld verwenden.“ Daher sei die Verwaltung gezwungen zu prüfen, „wo wir Einnahmen generieren können“. Sie schätze die Arbeit der Vereine sehr, „aber lassen Sie uns auch an die Zukunft denken“. Ebenso wie Sass, schlug sie vor, einen auch für die Vereine tragbaren Kompromiss zu finden. Julius Röber (Grüne) erklärte, die Stadt müsse sparen. „Und dabei trifft es viele mehrfach: Hausbesitzer, Hundehalter – und jetzt vielleicht eben auch Sportler.“

Auch er sehe „die finanzielle Entwicklung der Stadt mit Grausen“, sagte Schönfelder. „Aber 20  000 Euro für Sportstättennutzung ändern am strukturellen Problem nichts. Und den Haushalt sanieren wir damit auch nicht.“ BMTV-Chef Wolfgang Starr war nach der Sitzung erleichtert. „Wir sind zufrieden“, sagte er.

Die Stadt Pinneberg hat vor kurzem unter heftigem Protest Sportstättennutzungsgebühren eingeführt, als sie wegen der prekären Haushaltslage unter den Rettungsschirm des Landes musste. Die Stadt Elmshorn erhebt für die Nutzung ihrer Sporthallen für Veranstaltungen am Wochenende Gebühren.
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