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Barmstedter Zeitung

18. Oktober 2017 | 08:41 Uhr

Barmstedt : Die große Schau der kleinen Tiere

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Zwei Tage drehte sich in der kleinen Turnhalle an der Chemnitzschule alles um die schönsten Kaninchen in der Region um Barmstedt

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 00:34 Uhr

Die Süßen mit den Hängeohren heißen Zwergwidder. Wer sie als grau bezeichnet, outet sich allerdings gleich als Ignorant: „perlfehfarbig“ heißt der Farbschlag bei den Fachleuten. Und die waren reichlich vertreten in der kleinen Turnhalle an der Chemnitzschule in Barmstedt: Am Sonnabend und Sonntag präsentierte der Kaninchenzüchterverein U 16 Barmstedt und Umgebung seine schönsten Tiere.

Für die Experten gehörte der Star des Wochenendes zur Rasse „Russen-Rexe“. Rexe sind Kaninchen mit kurzen Fell – 17 bis maximal 22 Millimeter –, das sich besonders weich anfühlt. Der Champion guckt aus blauen, rotumrandeten Augen in die Welt, sein Körper ist weiß, Füße, Ohren und eine Maske im Gesicht dunkelbraun. 98 von 100 möglichen Punkten sprachen ihm die Preisrichter zu. „Sowas habe ich noch nie gesehen“, staunte Ausstellungsleiter Günter Iburg aus Kölln-Reisiek, der seit vielen Jahren Schauen betreut. Damit meinte er nicht den Russen-Rex, sondern die hohe Bewertung.

„Sieben Haare sind ein Büschel“

Vereins-Schriftführer Lothar Kind aus Sparrieshoop demonstriert, wie streng die Richter gucken: Auf dem Tisch sitzt ein Kaninchen der Rasse „Havanna“ mit dunkelbraunem Fell, gezüchtet von seiner Tochter Ann-Kathrin. Kind streicht gegen den Strich durchs Fell, über der Hüfte findet er ein weißes Haar, bei näherem Hinsehen sind da noch mehr. „Sieben Haare sind ein Büschel“, und damit fliegt das Kaninchen aus der Wertung. Was das Tier selbst wohl nicht stört, aber seinen Züchter. Wie ein Rassekaninchen auszusehen hat, steht in einem dicken Ordner, den der Zentralverband deutscher Rasse-Kaninchenzüchter (ZDRK) herausgibt. Kaninchen züchten ist ein Hobby, das eine hohe Frustrationstoleranz erfordert.

Es ist eine Art Spiel, bei dem man nie ans Ziel kommt: „Irgendwas finden sie immer“, sagt Carsten Tanck aus Bokholt-Hanredder, Vorsitzender des Barmstedter Vereins, über die strengen Maßstäbe der Preisrichter. Tanck hat es sich besonders schwer gemacht, gemeinsam mit seiner Frau Brigitte züchtet er Dalmatiner Rexe. Das sind kurzhaarige Kaninchen – Rexe – mit dem Tupfenmuster von Dalmatinerhunden. Wenn in einem Wurf von acht oder neun Jungtieren drei mit konkurrenzfähigem Muster vorkommen, bei denen die dunklen Flecken gleichmäßig verteilt sind, freut sich Tanck schon über die gute Ausbeute. Die übrigen Tiere verschenkt er meistens – an Liebhaber oder Mäster. Andere Züchter müssen länger abwarten, ob ihre Jungtiere ausstellungsreif werden: „Helle Großsilber werden schwarz geboren, die silberne Färbung kommt erst später“, erklärt Tanck. Damit die Sache nicht zu einfach wird, gibt es übrigens auch Kleinsilber in der Farbe schwarz.

Der Nachwuchs ist stark im Kommen

138 Kaninchen in 18 Rassen oder Farbschlägen wurden in Barmstedt präsentiert. Besonders stolz ist der Verein auf seinen regen Nachwuchs: Sechs Jugendliche stellten am Wochenende ihre Tiere aus, insgesamt sind von 38 Mitgliedern zehn unter 18. Und die Barmstedter arbeiten weiter in dieser Richtung: Bevor die Ausstellung eröffnet wird, laden sie jedes Mal eine Kindergartengruppe ein. Die Jungen und Mädchen dürfen sich dann ihre Lieblingskaninchen aussuchen und den Preisrichtern vorstellen. Beim Bauernmarkt am kommenden Sonntag werden die Züchter mit einem Streichelstand vertreten sein, und beim Kinderfest sind sie auch immer dabei.

„Die Kinder haben viel Interesse“, stellt Carsten Tanck fest: „Sie werden oft von den Eltern geblockt.“ Denn die Kaninchen müssen an 365 Tagen im Jahr versorgt werden, sie leben an die zehn Jahre lang und müssen einzeln gehalten werden, allerdings mit Kontakt zu Artgenossen, die etwa in Riech- oder Sichtweite gehalten werden.

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