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Barmstedter Zeitung

28. Juli 2017 | 10:42 Uhr

Barmstedt : Die Exotin im Rantzauer See

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Im Barmstedter Mühlenteich neben der Schlossinsel Rantzau ist eine Gelbwangenschmuckschildkröte aufgetaucht. Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation Sparrieshoop, ist darüber alles andere als erfreut.

Barmstedt | Ungewöhnliche Bewohnerin im Rantzauer See: Bei sonnigem Wetter sitzt auf dem im Wasser treibenden Baumstamm im Mühlenteich seit kurzem eine Schildkröte. Wie Christian Erdmann, Leiter der Wildtierstation Sparrieshoop, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, handelt es sich um eine Gelbwangenschmuckschildkröte, die ursprünglich aus Nordamerika stammt. „Die hat jemand hier ausgesetzt“, vermutet Erdmann.

Die Haltung exotischer Tiere nehme leider zu – und oft setzten überforderte Besitzer sie dann aus, sagte Erdmann. „Das wird immer mehr.“ Auch das Tierheim Süderstraße in Hamburg, mit dem Erdmann kooperiert, beklagte jüngst das Phänomen – die Exotenstation sei voll, hatte dessen Leiter Sven Bernhardt gesagt (unsere Zeitung berichtete). Vor allem Wasserschildkröten aus Amerika würden ausgesetzt. Wie Bernhardt, sieht auch Erdmann einen wesentlichen Grund darin, „dass es für die Exotenhaltung keine gesetzlichen Einschränkungen gibt“. Jeder könne in Tierhandlungen, Futterhäusern oder auf Reptilienbörsen Arten wie Schlangen, Schildkröten, Eidechse, Leguane oder gar Krokodile erwerben. „Und sie kosten auch nichts mehr.“ Das „Verramschen dieser Exoten gehört verboten“, fordert Erdmann.

Die Barmstedter Schildkröte sollte – wenn möglich – eingefangen werden, rät Erdmann. Die jetzigen Temperaturen seien für die Art zwar kein Problem – „in strengen Wintern sterben die Tiere jedoch“. Ein weiteres Problem sei, dass die Exoten heimische Amphibien fressen. Fraglich wäre nur, was nach einem Einfangen mit der Schildkröte passiert. Denn seine Station sei „platzmäßig nicht mehr in der Lage, diese vielen ausgesetzten Tiere aufzunehmen, da wir dafür nur sehr wenig finanzielle Unterstützung vom Ordnungsamt bekommen“, wie Erdmann erklärt. Von Privatpersonen nehme die Station daher generell keine Tiere mehr an.

Stadtsprecher Wolfgang Heins erklärte auf Anfrage, bei Fundtieren arbeite das Ordnungsamt der Stadt mit dem Tierheim Elmshorn zusammen. „Wir liefern die umgehend dorthin. Hier haben wir ja keine Möglichkeit, sie unterzubringen.“ Das Tierheim erhalte für jedes Tier eine Kostenpauschale. Schildkröten seien in den vergangenen Jahren nicht abgegeben worden, sagte Heins. „Das Exotischste waren vor ein, zwei Jahren zwei Bartagamen“ – ein in Australien verbreitetes Schuppenkriechtier. Woher er die Tiere hatte, habe der Abgebende aber nicht mitgeteilt, sagte Heins.

Die See-Anwohner Reimer und Annelie Mohr, die die Schildkröte im Mühlenteich entdeckt hatten, hatten dort bereits im vergangenen Jahr eine Schildkröte gesichtet. „Ob es dieselbe ist, weiß ich allerdings nicht“, sagte Annelie Mohr. Die Schildkröte lässt sich derweil von neugierigen Blicken nicht stören. Sie liegt wie angegossen auf dem Stamm und lässt ihren Panzer von der Sonne bescheinen.

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erstellt am 17.Mai.2017 | 18:00 Uhr

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