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Heeder Ziegeleiweg : Die beliebte, verbotene Abkürzung

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Etliche Autofahrer nutzen den Heeder Ziegeleiweg während des L75-Ausbaus als Umleitung. Die Polizei kontrolliert.

shz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 16:00 Uhr

Heede | Er ist etwa 1,5 Kilometer lang und spart viele Kilometer Umweg: Zahlreiche Autofahrer nutzen den Ziegeleiweg in Heede, um die Baustelle auf der Hamburger Straße (L  75) in Barmstedt zu umfahren. Problem: Erlaubt ist das nicht. Der Weg ist nur für Anlieger frei – und davon dürfte es in Anbetracht der geringen Bebauung nicht allzu viele geben. Die Polizei hat denn auch bei einer Kontrolle am Donnerstagnachmittag innerhalb einer Stunde 20 Autofahrer erwischt, die den Ziegeleiweg verbotenerweise als Abkürzung nutzten. „Und das waren nur die, die wir anhalten konnten“, sagte Barmstedts Stationsleiter Sascha Schmidt.

Am Dienstag und Mittwoch – den ersten beiden Tagen der Sperrung – hätten die Beamten noch versucht, Autofahrern auf dem Ziegeleiweg „durch Ansprache klarzumachen, dass sie da nicht durchfahren dürfen“, sagte Schmidt, der die Lage als „Verkehrschaos“ bezeichnete. Doch da die bloßen Gespräche offenbar „leider nicht gefruchtet haben“, machte die Polizei am Donnerstag ernst: Von 16.25 bis 17.25 Uhr hatten sich die Beamten am Anfange des Wegs – auf Höhe des Getränkemarkts Sass – postiert und die Autofahrer überprüft. Deren Reaktionen seien unterschiedlich gewesen, sagte Schmidt. „Die meisten wussten, dass sie da nicht durchfahren dürfen.“ Fast alle hätten sich einsichtig gezeigt und „wenig widersprochen, aber es gab auch welche, die ihrem Frust über die lange Umleitungsstrecke Luft machten und ihr allgemeines Unwohlsein kundtaten“. Manche hätten auch Ausreden gesucht, aber das sei selten gewesen, so Schmidt.

Die Beobachtung eines Anwohners, wonach überwiegend Auswärtige den Weg nutzen, müsse nicht zutreffen, sagte Schmidt. „Seit die Kennzeichen nicht mehr geändert werden müssen, kann man aus dem Nummerschild nicht mehr zwingend auf den Wohnort schließen.“ Ein „sehr großer Teil“ der Erwischten stamme aus der Umgebung. „Es sind durchaus Ortskundige“, so der Polizeichef. Dass der Ziegeleiweg auf Google als Umleitung ausgewiesen werde, wie ein Anwohner berichtete, sei kein Grund, das Verbot zu ignorieren: „Google ist als Navi ein schlechter Berater.“

Eine Zählung unserer Zeitung gestern Mittag ergab: Von 11.45 bis 12.10 Uhr waren 33 Fahrzeuge auf dem Ziegeleiweg unterwegs, darunter mehrere Transporter von Handwerksbetrieben, ein Wohnmobil mit Segeberger Kennzeichen und ein Paketdienst. Die meisten Fahrzeuge hatten ein Pinneberger Kennzeichen, es waren aber auch Hannover, Bad Oldesloe, Itzehoe, Güstrow und Rotenburg/Wümme vertreten. Der Wohnmobilfahrer wendete plötzlich auf einer Spurbahn und fuhr zurück – der Grund wurde kurz darauf klar: ein entgegenkommender Streifenwagen. Diejenigen, die am Donnerstag erwischt wurden, müssen mit einem Verwarngeld in Höhe von 20 Euro rechnen. Zudem kündigte Schmidt an: „Die Autofahrer müssen mit weiteren Kontrollen rechnen.“

Heedes Bürgermeister Reimer Offermann begrüßt die Kontrollen. „Sie werden auch auf unsere Bitte hin durchgeführt.“ Die Gemeinde habe damit gerechnet, dass es so kommt, und sich daher mit der Polizei, dem Ordnungsamt und dem Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr abgesprochen, die Straße als Anliegerstraße auszuschildern. Am Dienstag sei der Verkehr trotzdem „katastrophal“ gewesen. Den Ziegeleiweg komplett zu sperren, sei keine Option gewesen, sagte Offermann. „Es gibt ja nicht nur die Anwohner, sondern auch Pflegedienste, Müllabfuhr, Taxen und Handwerker, die die Häuser anfahren müssen.“ Dass die Banketten nach dem langen Regen aufgeweicht waren und kaputtgefahren werden, sei zwar nicht schön, aber auch nicht dramatisch, sagte Offermann. „Die werden später wieder glattgezogen, das geht schnell.“ Grundsätzlich sei die Straße aber nicht für den Umleitungsverkehr ausgelegt. „Deshalb hoffe ich, dass die Autofahrer die Hinweisschilder beachten und die offizielle Umleitung nutzen“, so Offermann.

Für die von der Sperrung der Hamburger Straße betroffenen Geschäftsleute bedeutet die Baustelle deutliche Umsatzrückgänge. „Bis Mittwoch ging es noch, aber jetzt ist hier kaum noch was los“, sagte ein Mitarbeiter von Getränke-Sass. Das Geschäft zu schließen, sei aber nicht möglich. „Wir liefern ja   auch aus.“ Die Öffnungszeiten einzuschränken, sei ebenfalls nicht geplant. „Wir öffnen weiter wie gewohnt.“

Stephan Trost, Inhaber des Bistros HH 62, das direkt neben der Baustelle liegt, überlegt dagegen, in der kommenden Woche später zu öffnen. „Eventuell erst ab 8 Uhr statt ab 6 Uhr“, sagte er. Am Dienstag und Mittwoch hatte er wegen der Baustelle komplett geschlossen. „Da war ja auf einmal ohne Vorwarnung die Sperrung, obwohl man mir noch gesagt hatte, dass eine Fahrbahn frei bleiben würde“, sagte er. Am Mittwoch und Donnerstag seien dann wieder Autos über die abgefräste Straße gefahren. Autofahrer hatten offenbar die Baken beiseite geschoben, wie Polizeichef Schmidt berichtete. „Wir haben sie wieder aufgestellt und die Leute darauf hingewiesen, dass sie nicht durch eine Baustelle fahren dürfen.“

An diesem Wochenende will Trost regulär öffnen. „Zur Not müssen die Kunden 50 Meter zu Fuß laufen“, meinte er. Ärgerlich sei die Baustelle – die noch bis Ende August dauern soll – für ihn aber so oder so. „Die Kosten laufen ja weiter.“ Doch er sei nicht der einzige Betroffene: „Es stöhnen hier alle.“

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