Barmstedt : Die AOK muss das Rathaus verlassen

Protest: Behindertenbeauftragte Edith Roppel will verhindern, dass die AOK ihr Angebot im Barmstedter Rathaus aufgeben muss. Dafür sammelt sie Unterschriften.
Protest: Behindertenbeauftragte Edith Roppel will verhindern, dass die AOK ihr Angebot im Barmstedter Rathaus aufgeben muss. Dafür sammelt sie Unterschriften.

Verwaltung benötigt den Raum, in dem die Krankenkasse Sprechstunden anbietet. Behindertenbeauftragte protestiert.

shz.de von
16. Mai 2015, 16:00 Uhr

Edith Roppel ist wütend. Sie habe „nebenbei“ erfahren, dass die AOK die Sprechstunden im Barmstedter Rathaus aufgeben werde, sagt Roppel, die sich als Behindertenbeauftragte für die Belange der Bürger aus Barmstedt und den Ämtern Rantzau und Hörnerkirchen einsetzt. Das Angebot solle enden, erfuhr sie, „weil das Rathaus den Raum braucht“. Aus ihrer Sicht ein Unding. „Die AOK-Sprechstunden sind immer voll. Kann die Verwaltung das wirklich nicht anders lösen?“, fragt sie sich.

Roppel will für die Sprechstunden im Rathaus kämpfen. „Keiner informiert die Bürger – dann muss ich ja was tun“, habe sie gedacht. Und Unterschriftenlisten angefertigt, die sie in mehreren Barmstedter Geschäften ausgelegt hat. „Als Bürger von Barmstedt und den Umlandgemeinden fordern wir Sie auf, die nötigen Schritte zu veranlassen, um einen Verbleib der Krankenkasse an den Sprechtagen zu gewährleisten“, heißt es auf den Bögen – und weiter: „Es stößt auf unser Unverständnis, dass der Service der AOK nur an dem Mangel eines geeigneten Raumes scheitern soll.“ Nach Abschluss der Aktion werde sie die Listen an Bürgermeisterin Heike Döpke überreichen, so Roppel.

Verwaltungssprecher Wolfgang Heins erklärte auf Anfrage, die Sprechstunden im Rathaus würden „im Einvernehmen mit der AOK“ eingestellt. Ausschlaggebend sei „ein dringender Platzbedarf im Bereich der Serviceleistungen für das Bürgerbüro und das Sozialamt“ gewesen. „Allein aus Datenschutzgründen müssen wir gewährleisten, dass unsere Kunden in Einzelbüros bedient werden“, so Heins. „Es darf nicht sein, dass im Kundengespräch private Daten abgefragt werden und Dritte das mithören.“ Hinzu komme, dass der Wartebereich im Erdgeschoss derzeit so eng sei, dass er als Rettungsweg nicht ausreiche, erklärte Heins. „Deshalb besteht von unserer Seite aus schon seit geraumer Zeit der Wunsch, hier Abhilfe zu schaffen.“

Als weiteren Aspekt führt Heins die Gleichbehandlung an: Mit der bisherigen Sprechstunde im Rathaus habe sich die AOK einen Vorteil gegenüber allen anderen Kassen gesichert. „Die müssen sich entsprechende Räumlichkeiten außerhalb des Rathauses suchen.“ Die AOK sehe ihr Serviceangebot zudem „als ausreichend an, wenn eines ihrer Büros in Elmshorn oder Pinneberg genutzt werden kann“.

AOK-Regionaldirektor Alf Jark sagte dazu auf Anfrage unserer Zeitung, das Unternehmen suche zurzeit nach einem geeigneten Raum, um die Sprechstunden weiter in Barmstedt anbieten zu können. „Wenn wir etwas Passendes, Bezahlbares finden, machen wir weiter – notfalls nach einer Sommerpause. Sonst nicht.“ Dann hätten Barmstedter aber die Möglichkeit, sich über Telefon oder Internet beraten zu lassen oder die täglich geöffneten AOK-Kundencenter in Pinneberg, Elmshorn, Norderstedt oder Kaltenkirchen zu besuchen. Für Ältere, räumt Jark ein, sei das allerdings „nicht unbedingt optimal“.

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