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Flüchtlingsunterkunft in Barmstedt : Die Anwohner fordern eine Entschuldigung

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Nach dem Wirbel um die Flüchtlingsunterkunft an der Feldstraße fühlen sich die Anwohner von SPD und BALL diskreditiert.

Barmstedt | Emotionaler Auftritt im Hauptausschuss: Jürgen Stiebling, Verwalter der Wohnungen An der Alten Mühle, hat von SPD und BALL gefordert, sich für die „grotesken und falschen Aussagen“ gegenüber den Mietern zu entschuldigen. „Wir wurden von zwei Parteien diskreditiert“, sagte er während der Einwohnerfragestunde. Wie berichtet, hatten die Anwohner im Zusammenhang mit der geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Feldstraße ihre Sorgen geäußert, dass es zu Problemen kommen könnte und sie Angst um ihre Kinder hätten. SPD und BALL hatten das als überzogen und unbegründet gewertet. „Allein die Behauptung der SPD, wir würden Kindesmissbrauch befürchten, ist grotesk“, sagte Stiebling. Er erwarte „eine Entschuldigung für diese Unverhältnismäßigkeit“. Zudem habe die Hausverwaltung „keine Stimmung gemacht, sondern beruhigend auf die Mieter eingewirkt. Wir geben nur die an uns herangetragenen Sorgen weiter.“

Günter Thiel (BALL) und Jürgen Busse (SPD) hielten Stiebling vor, selbst Anlass für die Reaktionen gegeben zu haben. „Wenn Sie so etwas sagen, müssen Sie mit einer Retourkutsche rechnen“, sagte Busse. „Sie haben die Sache mit Formulierungen wie ,schwierige Menschen’ angemischt“, sagte Thiel. Es sei aber „gut, dass darauf in Barmstedt so ein Gegenwind entstanden ist“.

Auch THW-Mitglied Thilo Möller zeigte sich verärgert über die Anwohner. Deren Aussage unter dem Lärm vom benachbarten TWH-Gelände zu leiden. mache ihn „stinksauer“, sagte er. „Denn die Häuser sind erst nach dem THW gebaut worden.“ Sichtlich aufgewühlt, verließ Stiebling kurz darauf den Saal.

Auch SPD-Ortsvereinschef Stefan Bolln sieht keinen Grund, sich zu entschuldigen. „Wofür? Dass wir uns vor unschuldige Menschen stellen? Wenn die Anwohner selbst sagen, dass sie Angst um ihre Kinder haben, müssen sich couragierte Parteien dagegenstellen“, sagte er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Ängste seien jedenfalls „völlig aus der Luft gegriffen“. Mit dem einstimmigen Beschluss im Bauausschuss, die Unterkunft zu bauen, hätten alle Parteien „deutlich gezeigt, was wir wollen“, sagte Bolln – der die Anwohner dazu einlädt, sich mit der SPD an einen Tisch zu setzen. „Damit Ruhe einkehrt und dieser schiefe Zungenschlag da rauskommt.“

Wie wichtig es sei, in Barmstedt eine Willkommenskultur für Flüchtlinge zu schaffen, betonte Henning Behrens (CDU), als es um das Aufgabenprofil für die ehrenamtliche Migrationsbeauftragte ging, die die Stadt einsetzen will. Über das Thema Aufnahme von Flüchtlingen „wird ja in sozialen Netzwerken kontrovers diskutiert“, sagte Behrens. „Es sollte jeder wissen, dass sie hier willkommen sind, und deshalb gehört dieser Punkt auch mit in das Profil.“ Das verabschiedeten die Politiker einstimmig (siehe Info-Kasten), so dass die Stelle, die mit 250 Euro pro Monat dotiert ist, jetzt ausgeschrieben werden kann.

Die Stelle sieht folgende Aufgaben vor:

  • Beratung und Unterstützung der für Barmstedt zugewiesenen Migranten bei Problemen des täglichen Lebens und bei Behördenangelegenheiten
  • Beratung und Unterstützung von Institutionen (Verwaltung, Unterstützergruppen, Helferorganisationen, Bildungseinrichtungen und freie Träger)
  • Vermittlung von Kontakten zu Vereinen, Organisationen und zum nachbarschaftlichen Umfeld
  • Aufbau einer Willkommenskultur für Migranten
  • Ansprechpartner und Schnittstelle für Migranten, Verwaltung und Politik.
  • Die/Der Migrationsbeauftragte gibt der Verwaltung und dem Sozialausschuss regelmäßig Auskunft über die aktuelle Situation in ihrem/seinen Aufgabengebiet.
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erstellt am 26.Nov.2014 | 10:00 Uhr

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