Deutschland, ein Land in Dauerpanik

 Lutz von Rosenberg-Lipinsky stocherte in den „Wunden“ der Deutschen.
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Lutz von Rosenberg-Lipinsky stocherte in den „Wunden“ der Deutschen.

Lutz von Rosenberg-Lipinsky begeistert Pfiff-Zuschauer mit seinem Programm

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29. Juni 2015, 12:14 Uhr

Wer als auswärtiger Comedian oder Kabarettist durch Norddeutschland tingelt, muss sich mit einer grundsätzlichen Fragestellung befassen: Lachen die Menschen dort überhaupt? Für den Kabarettisten Lutz von Rosenberg-Lipinsky hat sich das bereits beantwortet, denn er löste mit seinem Solo-Programm „Angst macht Spaß“, einer Pfiff-Veranstaltung im Humburg-Haus, fröhliches und dauerhaftes Gelächter aus. In seinem Programm setzte sich der Hamburger Kabarettist satirisch mit der Mentalität der Deutschen auseinander – mit ihrer Humorlosigkeit, die er ihnen unterstellte, mit ihrer Meckerei, Besserwisserei – sowie ihrer Lust an der Panik, an Untergangsstimmung und Untergangsszenarien sowie vielleicht auch am Untergang selbst.


Die Deutschen sterben aus


Dabei nahm er sich einige Bundesländer wie beispielsweise Brandenburg vor, nicht gerade die fruchtbarste Region und eigentlich „entvölkert“. Die wenigen, die von dort kommen, sitzen im Parlament. Aber auch Politiker und Kirchenoberhäupter wie den Papst nahm er sich „zur Brust“. Und er setzte sich als Kabarettist mit dem Problem des Geburtenrückgangs in Deutschland auseinander, der, so glaubt er, unweigerlich zum Aussterben der Deutschen führt. Das wäre ein Verlust, denn spätere Generationen würden nicht mehr nachvollziehen können, wie „Humorlosigkeit geht“.

„Wir Deutschen meckern bei jeder Gelegenheit, selbst beim Aufwachen – eben weil wir aufgewacht sind“, stellte Rosenberg-Lipinsky fest, der mit einer weiteren Erkenntnis aufwartete: Selbst an den Weltuntergang glauben wir nicht, „weil es eh nicht klappt.“ Da verhielten sich die Griechen ganz anders. Seitdem sie vom bevorstehenden Weltuntergang gehört hätten, feierten sie durch. Bundeskanzlerin Angela Merkel, an der Rosenberg-Lipinsky als Kabarettist nicht vorbeikam, musste einige satirische Seitenhiebe einstecken. Sie galten insbesondere ihrem „Ideenreichtum“, den sie als Regierungschefin entwickelt hatte, sowie der „trendigen“ Mode, die sie trug. Der Islam allerding sei begeistert von der Pastorentochter, die den ersten Gottesstaat auf europäischem Boden errichtet habe – und das völlig ohne Blutvergießen.


Großer Spaß, wenn es schief geht


Mit dem Phänomen „German Angst“ scheint sich der Kabarettist besonders intensiv beschäftigt zu haben. Er glaubt, dass es den Deutschen Spaß bereitet, wenn etwas schief geht. Aber auch aus der Angst vor Krankheiten wie BSE zögen wir Lustgewinn: Wir leben in Dauerpanik. Aber wie es auch um uns Deutsche bestellt ist – allzu lange müssen sich die übrigen Völker keine Gedanken mehr um uns machen, denn wir sterben „in Ruhe“ aus.

Die glänzende Solo-Vorstellung des Hamburger Kabarettisten war sicherlich ein Highlight im Pfiff-Programm. Zurück bleiben wir mit der Frage, ob wir Deutschen wirklich so „schlimm“ sind.

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