zur Navigation springen

Sparrieshoop : Der Weg der Rose: Blick in die Kordes-Zucht

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Von der Idee bis zur Produktion einer neuen Sorte können manchmal mehr als zehn Jahre vergehen. Viel Handarbeit und Geduld sind gefragt.

shz.de von
erstellt am 12.Sep.2015 | 14:30 Uhr

Sie ist die Königin der Blumen und seit Menschengedenken der Inbegriff von Liebe und Romantik – die Rose. Wer einen Strauß Rosen verschenkt, kann sich sicher sein, die richtige Wahl getroffen zu haben. Die Auswahl an Sorten, Blütenfarben und -formen und Größen ist vielfältig. So hat allein in diesem Jahr die Firma W. Kordes Söhne aus Klein Offenseth-Sparrieshoop zehn Schnittrosensorten auf den Markt gebracht. Aber bis eine Rose soweit ist, dass sie vermarktet werden kann, ist es ein langer Weg.

Die Anforderungen an moderne Schnittrosen sind groß. Sie sollen lange haltbar und transportfähig sein. Wichtig sind auch die Produktionseigenschaften, wie der Ertrag pro Quadratmeter Anbaufläche und die Kulturdauer. Ein weiteres wichtiges Kriterium sind die Blüteneigenschaften wie Größe der Blume und deren Form sowie die Blütenfarben, die starken Trends unterworfen sind. Duft und Stiellänge sind weitere Punkte.

„Mit diesen Vorgaben setzen wir uns am Jahresende zusammen und überlegen, welche Rosensorten wir im nächsten Jahr in das Kreuzungsprogramm aufnehmen wollen“, sagt Dr. Britta Feuerhahn, seit 2009 Rosenzüchterin bei der Firma W. Kordes Söhne, und zusammen mit ihrem Kollegen Matthias Bleker zuständig für die Züchtung von Schnittrosen. Dieser Bereich unterteilt sich in die klassischen Schnittrosen, die im Gewächshaus kultiviert werden, die Feldschnittrosen sowie die Summerhouse Rosen, die in einem Folienhaus angebaut werden und somit keinen Witterungsbedingungen ausgesetzt sind.

Der langwierige Prozess der Rosenzucht beginnt mit der Auswahl der Sorten, die als Mutter- und/oder Vaterpflanzen in die Kreuzungen eingebunden werden sollen, um das angestrebte Zuchtziel zu erreichen. „Ein wichtiges Hilfsmittel in dieser ersten Planungsphase ist das Kreuzungsbuch, in dem der Werdegang sowie die Eigenschaften jeder unserer Rosenzüchtungen vermerkt ist. Heutzutage können wir glücklicherweise auf eine sehr gut konzipierte Datenbank zurückgreifen“, so Feuerhahn.

Wenn das Konzept steht, beginnt das Handwerk. Die Rosenblüte ist zwittrig, das heißt, in der Blüte befinden sich sowohl die weiblichen als auch die männlichen Bestandteile. Würde man die Rosenblüte sich selbst überlassen, so wäre es durchaus möglich, dass eine Selbstbestäubung stattfindet. Dies möchte man bei gezielten Kreuzungen jedoch vermeiden. Deshalb ist jede Menge Handarbeit angesagt, bevor der Pollen der ausgewählten Vaterpflanze zum Einsatz kommt. Die Blütenblätter der Mutterpflanze werden entfernt, anschließend werden die Pollensäcke abgetrennt, in einer Glasschale gesammelt und getrocknet. Der Pollenstaub, der bis dahin in den Pollensäcken eingeschlossen war, wird dadurch freigesetzt und kann für die Bestäubungen verwendet werden. Die Blüte ist nun kastriert, eine Selbstbestäubung kann nicht mehr stattfinden. Erst dann wird der getrocknete Pollen der gewählten Vaterpflanze auf die befruchtungsfähige Narbe der ausgewählten Mutterpflanze aufgebracht – und zwar mit dem Finger. Die bestäubte Blüte wird anschließend mit einem Klebeetikett markiert, auf dem die Vatersorte mit einem Nummerncode verzeichnet ist.

Nach mehreren Wochen werden die reifen Hagebutten geerntet, nach ihrem Nummerncode sortiert und die Saatkörner daraus entnommen. Danach beginnt die Aussaat im Gewächshaus. Im Frühjahr des folgenden Jahres sind die ersten Pflanzen mit Blüten auf den Saatbeet zu sehen und die Selektion nach den vorgegebenen Zuchtzielen kann beginnen.

Insgesamt können die Rosenzüchter in Sparrieshoop auf einen Pool von etwa 10.000 Mutterpflanzen zurückgreifen, etwa 60 Prozent davon (5600 Pflanzen) sind Schnittrosen. Diese 5600 Mutterpflanzen verteilen sich auf 300 verschiedene Sorten. Etwa 2500 Kreuzungskombinationen werden durchschnittlich jährlich durchgeführt, bis zu 90  000 Blüten müssen dann per Hand bestäubt werden.

50.000 bis 60.000 Hagebutten können anschließend geerntet und ebenfalls per Hand geöffnet werden, um die Saatkörner zu entnehmen. Bis zu 500.000 Saatkörner werden dann im zweiten Schritt in zuvor mit Wasserdampf sterilisierte Saatbeete ausgesät, rund 250.000 von ihnen keimen in der Regel. „Und dann beginnt die erste Selektion. Am Ende bleiben von den 250.000 kleinen Pflanzen rund 11.000 übrig“, sagt Britta Feuerhahn.

Cupcake heißt eine der Schnittrosenzüchtungen, die in diesem Jahr auf den Markt gekommen ist. Fünf Jahre dauerte es vom ersten Schritt bis zur Markteinführung. Entstanden ist eine wunderschöne Rose mit einer zart rosa Blüte. Bei den Kreuzungen im Jahre 2011 wurden 29 Bestäubungen der vorab ausgewählten spezifischen Kombination vorgenommen. 27 Hagebutten wurden geerntet und schließlich 130 Saatkörner ausgesät, von denen 94 im Frühjahr 2012 gekeimt hatten und als kleine Rosenpflanzen auf dem Saatbeet das erste Mal blüten. Bis zum Juli 2012 blieben von den 94 Pflanzen nur zwei Pflanzen übrig. Alle anderen entsprachen nicht den vorgegebenen Zuchtzielen und hielten der Selektion nicht stand. Im Oktober 2012 folgten weitere Selektionen, eine Sorte blieb übrig. Diese eine Pflanze wurde nun über Stecklinge vermehrt, um größere Mengen für weitere Beobachtungen zur Verfügung zu haben. Diese Form der vegetativen Vermehrung wird bei Schnittrosen vielfach angewendet, da in einem kurzen Zeitraum eine große Menge an Pflanzenmaterial produziert werden kann. Es folgten bis 2014 noch weitere Selektionen, Testungen bei Produzenten sowie insgesamt 18 Haltbarkeitstests in der Vase. „Erst wenn sich eine Sorte nach diesem umfangreichen Testprogramm bewährt hat, wird sie als neue Sorte in den Markt eingeführt“, sagt Britta Feuerhahn.

Während die Schnittrosen ausschließlich unter Glas angebaut werden, geht es für die Freilandschnittrosen nach der ersten Selektion im Gewächshaus auf das Versuchsfeld ins Freiland. Dort müssen sie sich über mehrere Jahre hinweg bewähren, bis auch sie auf den Markt kommen.

Diese Sorten werden auf Unterlagen veredelt, die einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der Pflanzen haben. Hierfür stehen spezielle Unterlagen zur Verfügung, die sich über Jahre für Rosen bewährt haben. Unterlagen und Sorte werden mit unterschiedlichen Veredlungsmethoden (unter anderem Okulation, Kopulation) so miteinander verbunden, dass eine Verwachsung stattfindet. Die Unterlagen verankern die Pflanze im Boden und geben spezielle Eigenschaften an die Sorte weiter.

Im Freiland müssen die Rosen den Witterungsbedingungen standhalten, sollten deshalb sehr gesund und robust sein. Neben den klassischen Edelrosen, sind hier vielfach Sorten mit besonderen Formen und Farben gefragt. So besteht für die Produzenten die Möglichkeit sich von dem klassischen Schnittrosensortiment abzusetzen. Zudem werden diese Rosen überwiegend regional vermarktet, haben keinen langen Transportweg zurückzulegen und sind schnell beim Verbraucher. 2015 hat Kordes Caracho Freelander nach sechs Jahren intensiver Testung in den Markt eingeführt. Die Knospen sind gelb und haben eine rote Flamme. Öffnet sich die Blume, so zeigt sie ihre wunderschöne nostalgische Form.

Um die Rosen vor widrigen Wetterverhältnissen zu schützen, wurden bei Kordes die Summerhouse Rosen entwickelt. Ein Folienhaus bietet Schutz vor Regen, Sturm und tiefen Temperaturen. Genau wie im Freiland werden hier die Sorten auf Unterlagen veredelt, bevor sie in großen Töpfen weiter kultiviert werden. Sieben Jahre Selektionen im Freiland und im Summerhouse waren nötig, bevor 2015 Pomponella Summerhouse auf den Markt kam. Diese Sorte besticht durch eine nostalgische Form ist zartrosa und hat zudem einen angenehmen Duft.

„Wir haben unsere genauen Vorstellungen, was wir mit jeder Kreuzungskombination erwarten. Da sich die Eigenschaften auch bei der Wiederholung der gleichen Kombinationen immer wieder neu mischen, bleibt es jeder Zeit interessant und wird nicht langweilig“, sagt Feuerhahn. „Unsere wunderschönen Schnittrosen bieten wir in verschiedenen Formen und Farben auf unserer Endverkaufsfläche an. Sie sind ganz frisch in den Gewächshäusern geschnitten und haben daher eine lange Haltbarkeit beim Endkunden“, ergänzt Wilhelm-Alexander Kordes, der bereits in der fünften Generation im Familienbetrieb tätig ist.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen