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Nach Kollision auf dem Bahnübergang : Der Post-Fahrer missachtete das Blinklicht in Bokholt-Hanredder

vom
Aus der Redaktion der Barmstedter Zeitung

Jetzt steht die Unfallursache fest. AKN und Gemeinde führten Gespräche über Beschrankung.

shz.de von
erstellt am 25.Jul.2017 | 14:00 Uhr

Bokholt-Hanredder | Der Zusammenstoß eines Post-Fahrzeugs mit einem Zug der AKN auf dem Bahnübergang Kortenhagen in Bokholt-Hanredder ist laut Polizei offenbar auf Unachtsamkeit des Postwagenfahrers (31) zurückzuführen. „Er hat den Vorrang der Bahn missachtet“, sagte Polizeisprecher Nico Möller gestern im Gespräch. Da die Lichtsignalanlage in Ordnung gewesen sei, gehe die Polizei davon aus, „dass der Fehler beim Fahrer des Postwagens liegt. Es sieht nach Unachtsamkeit aus.“

Der 31-jährige Elmshorner war am Freitag auf dem Kortenhagen in Richtung Hauptstraße unterwegs. Um kurz vor 13.30 Uhr fuhr er auf den unbeschrankten, aber mit einem Andreaskreuz und Blinklicht gesicherten Bahnübergang. Dabei übersah er den von rechts kommenden AKN-Zug, der in Richtung Barmstedt fuhr. Durch den heftigen Aufprall sei der Post-Transporter „durch die Luft geworfen worden“, so Möller. Er habe einen Signalmast und ein Verkehrsschild umgerissen und sei schließlich auf dem Dach auf einem Feld gelandet. Der Fahrer wurde mit einem Rettungshubschrauber ins UKE Hamburg eingeliefert. „Er war schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt“, sagte Möller. Der AKN-Fahrer habe einen Schock erlitten und sei abgelöst worden, sagte Unternehmenssprecherin Christiane Lage-Kress.

Der Postmitarbeiter habe großes Glück gehabt, sagte Postsprecherin Maike Wintjen. „Es sah schlimm aus, ist aber noch glimpflich abgegangen.“ Der Schaden am Fahrzeug beträgt laut Möller etwa 35.000 Euro. Die Ladung – laut Wintjen sowohl Briefe als auch Pakete – sei umgehend gesichert und in ein anderes Fahrzeug umgeladen worden. „Wir versuchen jetzt, alles so schnell wie möglich zuzustellen“, sagte Wintjen. Am Freitag sei das aber nicht mehr möglich gewesen, und bei beschädigten Sendungen könne es „noch ein paar Tage dauern, weil wir den Empfänger oder Absender ermitteln müssen“.

Wie schnell der Post-Fahrer war, konnte Möller nicht sagen. Gerüchte, wonach er mit knapp 70 km/h unterwegs gewesen sein soll, wollte er nicht bestätigen. „Bisher liegen uns darüber keine Erkenntnisse vor. Das werden eventuell die weiteren Ermittlungen ergeben.“ Der AKN-Zug, der sich auf freier Strecke befand, habe dort höchstens 80 km/h fahren dürfen, sagte Lage-Kress. Er war laut Polizei durch die Kollision mit dem vorderen Radkranz entgleist und etwa 200 Meter hinter der Unfallstelle – kurz vor der Bedarfshaltestelle Bokholt – zum Stehen gekommen. Ob er dort hätte halten sollen, sei unklar, sagte Lage-Kress. „Das können wir nicht auslesen.“

Durch den Zusammenprall mit der AKN wurde der Posttransporter durch die Luft geschleudert. Er blieb in der Nähe des Bahnübergangs auf dem Dach liegen.
Durch den Zusammenprall mit der AKN wurde der Posttransporter durch die Luft geschleudert. Er blieb in der Nähe des Bahnübergangs auf dem Dach liegen. Foto: Ulf Marek
 

Die stark beschädigte AKN musste zur Reparatur nach Kaltenkirchen geschleppt werden. So lange war der Zugverkehr zwischen Sparrieshoop und Barmstedt eingestellt, die AKN beförderte die Fahrgäste mit einem Ersatzbus. „Leider haben wir nur einen bekommen“, sagte Lage-Kress. Das sei „bedauerlich, dafür bitten wir um Verständnis“. Um 22.12 Uhr sei der Betrieb wieder aufgenommen worden. Wie hoch die Schäden am Zug sind, stehe noch nicht fest. „Er wird jetzt in unserer Werkstatt untersucht“, sagte Lage-Kress. Das Verfahren sei aber sehr umfangreich. „Bis wir ein endgültiges Ergebnis haben, kann es zwei bis drei Wochen dauern.“ Das ebenfalls beschädigte Signal funktioniere wieder, „nur das Wiederholungssignal für den Lokführer ist noch defekt“, sagte Lage-Kress. Es solle bis Ende nächster Woche repariert sein.

Die Frage, ob der Bahnübergang Kortenhagen künftig beschrankt wird, konnte Lage-Kress gestern nicht beantworten. Es habe darüber im vorigen Jahr ein Gespräch mit Vertretern der Gemeinde Bokholt-Hanredder gegeben, sagte sie. Es sei aber „keine Entscheidung gefallen“. Der Übergang erfülle „die gesetzlichen Vorgaben“, betonte sie. Generell hänge die Entscheidung für eine Beschrankung immer vom Einzelfall ab. „Das ist ein etwas komplexeres Thema und hängt von der Situation vor Ort ab“, so Lage-Kress.

Wenn ein Übergang beschrankt wird, muss sich die Gemeinde an den Kosten beteiligen. Zuletzt waren auf der Linie der A  3 die Bahnübergänge Bornkamp und Waldstraße beschrankt worden. Die Stadt Barmstedt und die Gemeinde Bokholt-Hanredder – auf deren Flächen die Übergänge liegen –, hatten sich mit einem Drittel an den Gesamtkosten – etwa 500.000 Euro – beteiligt. Ein weiteres Drittel zahlte das Land, das letzte Drittel die AKN.

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